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Kieler Koch ist "Sprachwahrer des Jahres"

Andrew Onuegbu Kieler Koch ist "Sprachwahrer des Jahres"

Für ihren Einsatz für die deutsche Sprache sind der nigerianische Koch Andrew Onuegbu aus Kiel, Sängerin Sarah Connor und ein Berliner Student ausgezeichnet worden. Dies gab die Sprachzeitung „Deutsche Sprachwelt“ am Mittwoch in Erlangen anlässlich der Leipziger Buchmesse bekannt.

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Andrew Onuegbu ist Inhaber des Restaurants "Zum Mohrenkopf" in Kiel.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel/Leipzig. Andrew Emejulu Onuegbu, Kieler Koch mit nigerianischen Wurzeln, wusste am Mittwoch noch nichts von seiner Auszeichnung. Seit 2007 betreibt der 43-Jährige das Restaurant "Zum Mohrenkopf". Diesen Namen für sein erstes eigenes Restaurant hatte der Nigerianer schon zu Zeiten seiner Ausbildung im Bärenkrug in Molfsee im Kopf. „Ich wollte einen Namen haben, mit dem ich mich identifizieren kann“, sagt Onuegbu, „ich bin ein schwarzer Mann und ich sehe die Bezeichnung nicht als rassistische Beleidigung“. 

In seiner Heimat Nigeria gebe es auch diverse Bezeichnungen für weiße Menschen, die keine Beleidigungen seien. Der Restaurantbesitzer findet es schlimm, dass die deutsche Sprache so sehr auf rassistische Bezeichnungen durchleuchtet werde. „Die Sprachpolizei verhindert keinen Rassismus. Es kommt immer darauf an, wie es gemeint ist, man sollte das nicht pauschal verbieten“. 

Onuegbu: Mohrenköpfe waren Sterne des Mittelalters

Der afrikanische Koch mit Vorliebe für die deutsche Küche hat weltweit mit dem Namen für Aufsehen gesorgt. „Es war sogar das japanische Fernsehen hier“. Seine Gäste reagieren zum Teil erst erstaunt, aber dann positiv auf den Namen. In seiner Speisekarte erklärt der afrikanische Koch nämlich seine Version vom Ursprung dieser Bezeichnung: „Im Mittelalter war ein Mohrenkopf das, was heutzutage Sterne für ein Restaurant sind. Hatte eine Gaststube einen schwarzen Kopf am Eingang hängen, signalisierte dieser Gästen, dass es dort sehr gute Küche gab“, erklärt Onuegbu.

Nur einmal kam ein Pärchen in sein Restaurant, ein farbiger Mann und eine deutsche Frau, und wollten den Koch zur Rede stellen wegen des Namens. „Die waren total erstaunt, als dann ein schwarzer Mann aus der Küche kam“, so Onuegbu mit einem Schmunzeln. Der „Mohrenkopf“ soll nach seinen eigenen Angaben auch ein Stück weit Ausdruck seiner Mentalität sein. „Ich sehe das alles entspannt, meine Auszubildenden dürfen mich auch schwarzer Mann nennen, weil ich weiß, dass es keine Beleidigung ist.“ 

Seit 23 Jahren lebt er in Deutschland, die meiste Zeit davon in Kiel. Erfahrungen mit Rassismus hat der Nigerianer bisher nicht gemacht. „Ich bin gut integriert und werde nicht als Ausländer gesehen“. Für seinen mutigen Schritt, das Restaurant „Zum Mohrenkopf“ zu nennen, wurde er von den Lesern der Sprachzeitung „Deutsche Sprachwelt“ auf den zweiten Platz gewählt, weil er sich politisch korrekter Sprache nicht unterwerfen wollte.

Fragwürdiger Kontext des Preises

Auf den ersten Platz kam Student Sebastian Zidek von der Technischen Universität Berlin, weil er sich gegen sogenanntes Genderdeutsch wehrte. Zidek hatte sich geweigert, große Is, Sterne oder Unterstriche innerhalb von Wörtern zu verwenden (StudentInnen, Student*innen, Student_innen). Als ihm daraufhin schlechtere Noten angedroht wurden, wandte er sich laut der Mitteilung an die Kanzlei der TU, die ihm recht gab. Sängerin Sarah Connor erreichte bei den Lesern den dritten Platz, weil sie – nach Hits mit englischen Texten – für ihr neues Album „Muttersprache“ deutsche Liedtexte geschrieben hatte.

Der Preis steht allerdings in einem fragwürdigen Kontext: Wie eine Recherche von KN-online auf den Hinweis einer Facebook-Leserin ergab, steht der Journalist Thomas Paulwitz, der auf der Website der "Deutschen Sprachwelt" als Schriftleiter bezeichnet wird, in der Kritik. So war er Mitglied im eher konservativen Verein Deutscher Sprache, wurde dort aber ausgeschlossen. Der Kölner Germanist Karl-Heinz Göttert bezeichnet ihn daher als "journalistischen Rechtsaußen".

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