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Asta schlägt wegen Übergriffen Alarm

Anlaufstelle für Opfer von Rassismus Asta schlägt wegen Übergriffen Alarm

Der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) der Kieler Christian-Albrechts-Universität (CAU) reagiert auf einen „Rechtsruck in der Gesellschaft“. Neben allgemeiner Studienberatung, Rechts- und Sozialberatung bietet der Asta ab dem Frühjahr eine neue Beratung für Opfer rassistisch und rechtsmotivierter Angriffe an.

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Ghazzal Novid vom Allgemeinden Studierenden-Ausschuss der Kieler Universität bereitet die Zusammenarbeit mit dem Verein Zebra vor.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Der Ausschuss dabei kooperiert mit dem Verein „Zebra“. Zebra steht für „Zentrum für Betroffener rechter Angriffe“. Die Kooperation mit dem Studierendenausschuss kommt nicht aus heiterem Himmel. Ghazzal Novid, Asta-Referent für Hochschulpolitik, erzählt, dass die Zusammenarbeit eine Notwendigkeit war: „Wir haben gemerkt, dass es einen solchen Bedarf gibt. Rechtsmotivierte Anfeindungen, sowohl verbaler als auch tätlicher Art, werden auf dem Campus ein immer größeres Problem.“ Es ist ein heikles Thema, dem sich der Asta hier annimmt. Lars-Arne Raffel, Projektleiter und Berater bei Zebra, möchte darum auch nicht fotografiert werden. Das Risiko, eine Zielscheibe für Anfeindungen zu werden, sei zu groß. „Unsere Initiative umfasst rund 15 aktive Mitarbeiter“, erzählt Raffel. Das Beratungsteam besteht aus drei Sozialarbeitern beziehungsweise -pädagogen. Die Häufung ausländerfeindlicher Übergriffe sei seit den Sommerferien „signifikant gestiegen“. Eine konkrete Zahl will Raffel, der ganz Schleswig-Holstein betreut, nicht nennen. „Selbst wenn ich sie nennen würde, käme sie mitnichten der Realität nahe.“ Dafür sei die Dunkelziffer zu hoch.

 Wo genau lag die Notwendigkeit? In einer diffusen Befürchtung vor einem Rechtsruck auf dem CAU-Campus? Konkret, nicht diffus, seien die Sorgen der Studierenden und des Astas. „Die Fälle mehren sich, ganz klar, und es gibt an unserer Universität bisher keine Anlaufstellen“, so Novid. „Es gibt Fälle, in denen Austauschstudenten aus dem Ausland während ihres Minijobs in Kiel von ihrem Arbeitgeber aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert wurden. Es gab Übergriffe auf dem Campus und es gibt Drohszenarien gegenüber Studenten, die ehrenamtlich Flüchtlingen helfen.“ Bei tätlichen Angriffen sei die Lage, sofern der Übergriff gemeldet wird, relativ klar: Polizei, Anzeige, Verfahren. Das Problem sehen Novid und Raffel woanders: „Gerade bei verbalen Angriffen wissen viele gar nicht, dass sie in dem Moment Opfer rechtsmotivierter Diskriminierung werden“, so Raffel. Die Anfeindung werde von dem Betroffenen nicht als Rassismus wahrgenommen. Die Kooperation wolle die Studierenden sensibilisieren und dazu beitragen, Rassismus auf dem Campus keine Chance zu bieten – auch durch Workshops und Seminare. „Der Campus bildet die Gesellschaft in Miniatur ab“, sagt Raffel. „Hier gibt es Toleranz, Weltoffenheit aber auch Ausländerfeindlichkeit.“ Es gebe eine neue rechte Bewegung, die sich eben auch auf dem Campus niederschlage. „Uns treibt die Frage um, wie hier an der Uni eine Zivilgesellschaft entstehen kann, die ausländerfeindliche Angriffe unmöglich macht“, so Novid.

 Ab dem Frühjahr 2016 soll es wöchentliche Sprechstunden von Zebra-Beratern in den Räumlichkeiten des Astas geben. Die Sprechstunde fungiert sowohl als erste Beratungsstelle wie auch bei Bedarf als Schnittstelle zu weiteren Kontakten, wie Anwälte, Polizei, Psychologen und Ärzte.

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