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„Problem Plastikmüll betrifft uns alle“

Anne Sophie Wolfgramm „Problem Plastikmüll betrifft uns alle“

Noch bis zum Pfingstsonntag ist die Kielerin Anne Sophie Wolfgramm (18) ehrenamtliche Mitfahrerin an Bord des Greenpeace-Schiffes „Beluga II“. Die Abiturientin setzt sich für Meeresschutz und gegen Plastikmüll ein.

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„Die Menge von Plastikmüll in den Weltmeeren wird auf 150 Millionen Tonnen geschätzt“: Anne Sophie Wolfgramm will dafür das Bewusstsein schärfen.

Quelle: Rainer Grueneberg

Kiel/Frankfurt. Für eine bloße Bootsfahrt hätte die Kielerin Anne Sophie Wolfgramm nicht unbedingt nach Frankfurt am Main fahren müssen, und wahrscheinlich hätte sie das als ökologisch denkende junge Frau auch nicht getan. Weil sie aber an Bord des Greenpeace-Schiffes „Beluga II“ wollte und dieses nicht an nördlichen Gestaden, sondern am Mainufer lag, musste sie eben dorthin. Noch bis zum Pfingstsonntag ist sie ehrenamtliche Mitfahrerin auf dem Zweimaster und damit aktiver Teil der aktuellen Greenpeace-Kampagne für Meeresschutz und gegen Plastikmüll. „Ganz cool und entspannt“, denn ihre schriftlichen Abiturarbeiten an der Ricarda-Huch-Schule hat sie hinter sich, die mündlichen Prüfungen erst Ende Juni vor sich.

 „Ich engagiere mich freiwillig in der Greenpeace-Ortsgruppe Kiel“, erzählt sie am Telefon an Bord des Seglers, der von Freitag an in Würzburg sein wird. „Die Jugendgruppe war fast eingeschlafen, aber wir, Clara Papzien und ich, haben sie sozusagen wiederbelebt.“ Bei Greenpeace ist sie, „weil ich das, was zurzeit weltweit abläuft, überhaupt nicht gut finde und gern etwas dafür tun möchte, dass sich das bessert“. Besonders gilt das für das Problem Plastikmüll. „Es betrifft jeden von uns. Wenn ich an der Kiellinie entlanggehe, dann sehe ich im Wasser fast immer Plastiktüten und Coffee-to-go-Becher schwimmen. Die Wale, die vor einiger Zeit an der Nordsee gestrandet sind – ihre Mägen waren voll mit Plastik. Bei vielen Seevögeln ist es genauso. Diese Abläufe beschäftigen mich sehr. Deshalb bin ich hier.“ Wo die „Beluga II“ anlegt – insgesamt sind es 15 Städte entlang deutscher Flüsse –, bieten Greenpeace-Aktivisten und die Ehrenamtler Informationen am Kai, aber auch Führungen mit Vorträgen an Bord an.

 Viele, erzählt Wolfgramm, machten wirklich große Augen, wenn sie an oder auf der „Beluga II“ erführen, dass der westlich der US-Küsten drehende Great Pacific Garbage Patch (Großer Pazifikmüllfleck, seit 1997 Beiname für den Nordpazifikwirbel) inzwischen so groß wie Mitteleuropa ist. „Die Menge von Plastikmüll in den Weltmeeren wird auf 150 Millionen Tonnen geschätzt, davon sind schon 70 Prozent in der Tiefsee. Und jedes Jahr kommen 13 Millionen Tonnen hinzu.“ Vor allem Plastiktüten, -flaschen und Fischernetze, also Makroplastik, der Name für alles, was Plastik und größer als fünf Millimeter ist. Auf der „Beluga II“ erklären sie, dass Plastik sich zwar in kleinere Einheiten auflöst, aber nie ganz verschwindet, und sie zeigen, wie viel Mikroplastik allein marktübliche Peelings enthalten. Mikroplastik sei in Speisefischen und Muscheln nachgewiesen worden, sagt die 18-Jährige aus Kiel, aber noch nicht abschließend erforscht. „Jetzt ist die Zeit, etwas zu tun. Ich möchte Leute dazu bewegen, ihr Verhalten zu ändern.“

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