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Geistliche Wohngemeinschaft löst sich auf

Apostelgemeinde Geistliche Wohngemeinschaft löst sich auf

Die Geschichte hätte alles für die große Leinwand: Zwei Kirchengemeinden, Petrus Nord und Süd, die miteinander nicht können, sich andere Partner namens Emmaus und Apostel suchen, sich wiederfinden – und nun doch getrennte Weg gehen.

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Das Taufbecken bleibt, das Altarbild geht mit: Die räumliche Trennung der Emmauskirchengemeinde von der Apostelkirchengemeinde vergleichen die Pastoren Michael Schwer (links) und Lutz Damerow mit dem Auszug eines WG-Partners.

Quelle: Karina Dreyer

Kiel. Warum das trotzdem zum Happy End führen kann, das erzählen die Pastoren Michael Schwer und Lutz Damerow. Es begab sich zu der Zeit, als die Kirchenbezirke Petrus Nord und Süd die Garnisonskirche in der Wik verließen, um in den Neubau der Lukaskirche samt Gemeindezentrum an der Holtenauer Straße zu ziehen. Schon damals, im Jahre 1981, knisterte es kräftig zwischen den beiden. „In einer Beerdigungsrede würde ich von einem spannungsreichen Verhältnis sprechen“, sagt Pastor Lutz Damerow. „Es gab fast keine gemeinsamen Veranstaltungen oder Gottesdienste, jeder verfolgte seinen Kurs“, konkretisiert Michael Schwer.

 Das führte 2005 dazu, dass sich jeder neue Partner suchte, als der Kirchenkreis bat, größere Einheiten zu bilden. Man blieb aber weiterhin unter einem Dach. Und so fusionierte Petrus Nord mit der Oster- und der Martinsgemeinde zur Emmausgemeinde, bei der Michael Schwer vor drei Jahren Pastor wurde. Aus Petrus Süd und Jakobi West wurde die Apostelkirchengemeinde, zu der Lutz Damerow seit dreieinhalb Jahren als Pastor gehört.

 Beide sind sich einig, dass das Verhältnis seit den Fusionen entspannter geworden ist. „Es gab neue Menschen und neue Herausforderungen. Da mussten Kraft und Energie eher gebunden werden, anstatt sich zu streiten“, sagt Schwer. Das Zusammenleben unter einem Dach beschreibt er als „eine geistliche Wohngemeinschaft in einem super lebendigen Gemeindezentrum“. In den vergangenen Jahren habe es sogar gemeinsame Gottesdienste gegeben.

 Doch vor anderthalb Jahren kam die Apostelkirchengemeinde ihrem Traum vom eigenen Kirchengebäude näher: Im März wird sie nun die Petruskirche, aus der einst Petrus Nord und Süd auszogen, wieder mit neuem, eigenem Gemeindeleben füllen. Das führt zur räumlichen Trennung samt Verteilung der Güter: Denn über die Jahre seien, wie in einer Wohngemeinschaft üblich, Dinge angeschafft worden, die es aufzuteilen gilt. Wem gehört das Abendmahlgeschirr, wer bekommt die Bibeln, die Stühle oder das Taufbecken? „Mit einer Scheidung kann man die Trennung jedoch nicht vergleichen, dazu hätten sich die beiden ja mal lieben müssen,“ gibt Schwer zu bedenken.

 Bis März soll der Umzug, ganz profan in Kartons, vollzogen sein. „Um der Apostelkirchengemeinde symbolisch die besten Wünsche mitzugeben, planen wir eine kleine Prozession zur Petruskirche“, kündigt Schwer an. Wie das Leben in der St. Lukaskirche danach aussehen wird, soll mit den Partnergemeinden auf der Kirchengemeinderatsklausur beschlossen werden. Fest steht schon, dass die beiden Getrennten fortan im Stadtteil gemeinsam Projekte gestalten wollen, von der Schule bis zur Flüchtlingshilfe. Nur jeder mit eigenen Räumen und jeder auf seine Weise: „Emmaus als liberale, volkskirchliche Gemeinde, die weltlichen Dingen gegenüber offen ist“, beschreibt Schwer. Und die Apostelkirchengemeinde „mit einem missionarischen Gemeindeaufbau und dem Auftrag, die Botschaft Jesus weiterzutragen“, erklärt Damerow.

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