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Praktikum im Doppelpack

Apothekerinnen aus Damaskus Praktikum im Doppelpack

Fast alles machen die beiden Zwillinge Rola und Reham Yakoub gemeinsam. Vor vier Monaten kamen die Apothekerinnen aus Damaskus nach Kiel. Nun starten die 28-Jährigen im Rahmen ihres Deutschkurses ein Praktikum in der Belvedere Apotheke in der Wik und helfen damit den Flüchtlingen in der Landesunterkunft an der Kiellinie.

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Immer zusammen: Die Zwillinge Rola und Reham (links) Yakoub wurden in Berlin geboren, haben in Damaskus studiert und möchten nun in Kiel in ihrem Beruf als Apothekerinnen wieder Fuß fassen.

Quelle: Karina Dreyer

Kiel Wik. Apotheker Ulrich Ströh vergibt seit seit 40 Jahren immer wieder gerne Praktika an Menschen aus anderen Ländern, beispielsweise aus China, Chile, Norwegen oder Syrien. „Es macht einfach Spaß und ist interessant zu erfahren, wie unterschiedlich die Ausbildungen und deren Schwerpunkte sind“, erklärt er. Doch Praktikanten im Doppelpack, das ist auch für ihn Neuland: „Mir fielen gleich die Ratiopharm-Zwillinge ein und die kann man ja unmöglich trennen“, so Ströh.

Rola und Reham Yakoub wurden 1988 in Berlin geboren, da ihre Eltern, ein Agrarwissenschaftler und eine Biologin an der Humboldt-Universität (damals DDR) studiert haben. Mit anderthalb Jahren ging es zurück nach Damaskus, dort wuchsen die beiden auf und studierten fünf Jahre Pharmazie samt dreimonatige Praktika in jedem Sommer. „In Deutschland studiert man vier Jahre und muss dann ein einjähriges Praktikum in der Apotheke absolvieren“, beschreibt Ströh einen Unterschied. Beide bestanden ihr Studium mit sehr guten Noten, arbeiteten in einem syrischen Pharmaunternehmen, das während des Krieges zerstört wurde. Ebenso eine eigene Apotheke, die beide fünf Jahre gemeinsam führten, fiel dem Krieg zum Opfer. „Das Leben in Damaskus ist sehr gefährlich und schwer“, erklärt Rola Yakoub ihre Entscheidung nach Deutschland zu kommen. Ihr Ziel hieß Kiel, denn ihr Bruder studiert hier Zahnmedizin.

Arabische Sprache ist von Vorteil

In zwei Wochen beginnt das Praktikum in der Belvedere Apotheke, jeweils nach der Schule und nur am Nachmittag. „Sie werden beide in der Rezeptur, im Labor arbeiten und auch vorne im Verkaufsraum die Kunden beraten“, erklärt Ströh. Denn beide sprechen schon gut Deutsch. Zum einen, weil die Eltern es gut können und sie zudem an der Universität Deutschunterricht nahmen. Das kommt für Ströh auch in einem anderen Bereich zugute. Von seiner Apotheke aus werden die Flüchtlinge in der Landesunterkunft Niemannsweg mit Medikamenten versorgt. „Medikamente müssen ja auch erläutert werden, da ist es für mich von Vorteil, dass ich Praktikanten habe, die Arabisch sprechen und in der Unterkunft helfen können“, betont Ströh.

Rola und Reham haben das Ziel, in Deutschland als Apothekerinnen arbeiten zu können. Der Weg bis dahin ist aber noch lang: Erst einmal muss die nächste Sprachprüfung (B2) bestanden und dann ein einjähriges Praktikum in einer Apotheke absolviert werden. „Danach folgen dann das 3. Staatsexamen und die Fachspracheprüfung, damit wir die Erlaubnis bekommen, hier zu arbeiten“, erklärt Reham. Und das würden sie am liebsten wieder alles gemeinsam machen.

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