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Die Lust am langsamen Treiben

Aquarien- und Terrarien Die Lust am langsamen Treiben

Die Landeshauptstadt wurde am Wochenende zum Mekka der Aquarien- und Terrarienfreunde. Der Kieler Verein durfte in diesem Jahr den Bundeskongress ihres Verbandes ausrichten. Eine große Ehre, die den Kielern zum letzten Mal 1982 zuteil wurde.

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Ist seit einem Jahr Präsident des Verbandes Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde (VDA): Jens Crueger (32) aus Bremen, der in Kiel einen Regenbogenfisch bewundert.

Quelle: Frank Peter

Kiel. 130 Teilnehmer waren aus ganz Deutschland angereist, um über Zierfische, die richtige Belüftung oder Zuchtprobleme zu fachsimpeln. Neben vielen Vorträgen gab es auch genügend Zeit, sich über das „schönste Hobby“ der Welt auszutauschen. Und da muss man nur mal das Ehepaar Strack befragen. Die ließen ihr komplettes Haus quasi ums Aquarium bauen.

„Eigentlich hatte ich mit Fischen nie was am Hut“, sagt Holger Strack (68) schmunzelnd. Als aber vor 30 Jahren ein Arbeitskollege bei der Marine ein kleines Aquarium mit in den Dienst brachte, änderte sich das schlagartig. Schnell schaffte er sich selbst ein kleines Becken an. Als er mit seiner Frau Renate (75) im Jahr 1989 ein neues Haus bauen ließ, wurde die komplette Planung nach den Fischen ausgerichtet. Ins Wohnzimmer kam ein Fußbodendurchbruch zum Keller. Oben sollte nur das Aquarium zu sehen sein, die Filteranlage sollte eine Etage tiefer landen. Der beauftragte Architekt musste dafür die komplette Statik neu berechnen. „Als wir 1990 einzogen, konnten wir tatsächlich ein 1000-Liter-Aquarium aufbauen“, sagt der Kieler. „Das wiegt immerhin gut und gerne 1,5 Tonnen.“

Anfangs kam noch ein Offenfilter im Keller zum Einsatz. „Aber das gurgelte und gluckerte mir zu sehr“, erzählt er. Durch Zufall entdeckte er in einem Müllcontainer vorm Schilkseer Schwimmbad einen ausrangierten Druckbehälter. Er packte den riesigen Fund ins Auto, werkelte ein bisschen und hat seitdem den perfekten Filterbehälter. Schnell füllte sich der Keller. Eine Heizungsumwälzpumpe und 13 Zuchtbecken kamen dazu. Wer übrigens im Strack’schen Aquarium schwimmen darf, war zum Glück beim Ehepaar keine Frage. Es sind ausschließlich Malawi-Buntbarsche. „Die sind wunderschön bunt“, schwärmt Renate Strack. Und sie haben einen Vorteil: „Das Kieler Wasser hat fast die gleichen Werte wie das Wasser im Malawisee in Ostafrika“, sagt Holger Strack.

Das bunte Treiben im 2,10 Meter langen Aquarium wird fürs Ehepaar nie langweilig. Vom Sofa aus beobachten sie die Brutpflege der Maulbrüter, genießen die Farbenpracht und greifen auch bei dem ein oder anderen Maulzerrkampf ein, indem sie an die Scheibe klopfen. „Das bringt aber meist nur für den Moment etwas“, verrät der Fachmann schmunzelnd. Ein bisschen dressieren könne man die Tiere übrigens auch, sagt Renate Strack. „Sehen sie die gelbe Futterdose, kommen alle. Ist es der grüne Kescher, sind alle weg.“ 2003 erfüllte sich Holger Stack einen Traum und flog zum Tauchen zum Malawisee. Da sah er das erste Mal seine geliebten Buntbarsche in der freien Natur. „Von so einem Erlebnis zehrt man sein ganzes Leben.“

Den Kieler Bundeskongress im Legienhof ließen die leidenschaftlichen Aquarianer selbstverständlich nicht aus. „Wir reisen eigentlich bundesweit zu jedem Kongress“, sagt Holger Strack. „Die hochwissenschaftlichen Vorträge sind immer ganz hervorragend.“ So auch in Kiel. Dort wurde zudem der deutschlandweite Sonderpreis des Verbandes vergeben: Den erhielten Terrarienfreunde aus Fulda (www.scalare-fulda.de), denen die deutsche Erstzüchtung von Kuba-Krokodilen gelang. Abgerundet wurde die Veranstaltung durch eine Fisch- und Pflanzentauschbörse. Mit einer Tüte in der Hand ging es für die Stracks später glücklich heimwärts. Was drin war? Acht neue „Labidochromis“ – eine Malawi-Buntbarsch-Art natürlich.

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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