20 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
Flüchtlinge zieht es nach Kiel

Arbeitssuche Flüchtlinge zieht es nach Kiel

In Kiel sind laut einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit überdurchschnittlich viele Flüchtlinge und Asylbewerber auf Arbeitssuche – im Vergleich liegt die Quote sogar über der von Berlin. 

Voriger Artikel
Mit roter Nase den Alltag aufhellen
Nächster Artikel
FH Kiel: Schwentine Mensa kocht bald wieder selbst

In Kiel ist die Zahl der als erwerbstätig gemeldeten Flüchtlinge und Asylbewerber besonders hoch. Im Vergleich liegt die Landeshauptstadt sogar vor Berlin.

Quelle: Julian Stratenschulte

Kiel. Demnach sind 3096 Asylbewerber und Flüchtlinge mit Aufenthaltsrecht aus dem nichteuropäischen Ausland in Kiel als erwerbsfähig gemeldet. Auf die Einwohnerzahl bezogen ist das ein Anteil von 1,27 Prozent. In Berlin liegt der Anteil dagegen nur bei gut 0,57 Prozent. Auch andere schleswig-holsteinische Städte wie Flensburg (1,02 Prozent) und Lübeck (0,7 Prozent) liegen deutlich hinter der Landeshauptstadt. Im bundesweiten Vergleich landet Kiel damit auf Platz vier.

Der Asylantrag muss anerkannt sein

Was wie eine schlechte Nachricht klingt, ist nach Einschätzung von Kieler Experten nicht Ausdruck von besonderen Problemen an der Förde. „Es ist nämlich nicht so, dass alle, die in der Statistik auftauchen, Hartz IV beziehen“, stellt Karsten Böhmke, Geschäftsführer des Job-Centers Kiel, klar. In der Statistik seien alle Kunden des Job-Centers und der Arbeitsagentur erfasst worden. Auch Kiels Sozialdezernent Gerwin Stöcken weist auf die positiven Aspekte der Nürnberger Zahlen hin. „Ich finde, das ist doch eine schöne Nachricht, dass die Arbeitsagentur es in Kiel geschafft hat, so viele Menschen in ihrer Datei aufzunehmen.“ Nur so könnten Neukieler wahrgenommen und schließlich auch in Arbeit gebracht werden. Karsten Böhmke verweist auf die enge Kooperation mit den Behörden in Kiel: „Wir sind in enger Zusammenarbeit mit der Landeshauptstadt schon früh in die Gemeinschaftsunterkünfte gegangen und haben für die Angebote der Arbeitsagentur geworben.“ Sprachkurse und Beratungsangebote könne jeder Flüchtling in Anspruch nehmen, auch wenn der Asylantrag noch nicht bearbeitet ist. „Wenn die Arbeitsagenturen in anderen Regionen nicht so aktiv sind, tauchen in deren Statistik nur die Kunden des Job-Centers auf“, sagt Böhmke. Denn wenn nicht für die Angebote der Arbeitsagentur geworben werde, bestehe für die meisten Flüchtlinge kein Grund, sich dort zu melden. „Finanzielle Unterstützung gibt es ja erst, wenn man sich beim Job-Center meldet. Das kann man aber nur, wenn der Asylantrag anerkannt ist.“

Zuzug aus dem Umland

Bei der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg bestätigt man die Kieler Sicht auf die Zahlen. „Es ist ja unser Bestreben, die Neuankömmlinge so schnell wie möglich zu integrieren“, sagt Paul Ebsen, Sprecher der Bundesagentur. Deshalb sei es wichtig, schon in den Erstaufnahmeeinrichtungen erste Gespräche zu führen, um die Kompetenzen der Flüchtlinge festzustellen und sie in die Datei aufzunehmen. „Aber es gibt ja nicht überall Erstaufnahmeeinrichtungen“, sagt Ebsen und sieht auch darin einen Grund für die regionalen Unterschiede. Auch die große ausländische Gemeinschaft in der Landeshauptstadt ist nach Einschätzung der Bundesagentur ein Grund für Kiels Platz in der Statistik. „Schon vor 2015 haben hier zum Beispiel viele Iraker gelebt. Die tauchen dann natürlich auch in der Statistik auf. Durch sie kommen aber auch viele Menschen aus dem Irak nach Kiel, weil sie hier einen Anlaufpunkt haben“, sagt Böhmke. Außerdem bestehe für die meisten Flüchtlinge kein Grund, Kiel wieder zu verlassen – anders als in anderen ländlicheren Gegenden Schleswig-Holsteins. „Kiel ist für Neuankömmlinge eine attraktive Stadt. Wir haben viel Zuzug aus den Umlandregionen“, so Böhmke.

Trotz ihrer positiven Interpretation der Zahlen der Bundesagentur für Arbeit sind sich Stöcken und Böhmke darin einig, dass es mit der Aufnahme der Flüchtlinge in der Datei der Arbeitsagentur nicht getan ist. „Die Integration wird dauern, auch auf dem Arbeitsmarkt“, sagt Böhmke. Denn der Arbeitsmarkt in Kiel habe nicht alle Arten von Arbeiten zu bieten. „Für ungelernte Kräfte bleibt eigentlich nur der Dienstleistungssektor und da passt nicht jeder rein.“ Sozialdezernent Gerwin Stöcken erinnert daran, dass es in Kiel außer den Flüchtlingen auch viele andere auf Arbeitssuche sind: „Wir müssen natürlich weiter große Anstrengungen darauf verwenden, auch sie wieder in Arbeit zu bringen.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Anne Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3