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Ein Steinwurf aufs Auto mitten in der Stadt

Attacke in Kiel Ein Steinwurf aufs Auto mitten in der Stadt

Matthias Ehlert hat Glück gehabt. Der Stein, den ein Unbekannter mitten am Tag auf sein Auto geschleudert hat, hat nur die Front des Fahrzeugs getroffen. Dennoch wird er nie wieder ganz unbelastet mit dem Auto unterwegs sein können. „Es bleibt ein Gefühl der Verletzlichkeit und Ohnmacht“, sagt der 59-Jährige.

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Matthias Ehlert (59) aus Kiel-Mettenhof zeigt den zwei Kilogramm schweren Granitstein, der ihm in Kiel-Gaarden während der Fahrt auf der Preetzer Straße (Höhe Röntgenstraße) an die Front seines Wagens geworfen wurde.

Quelle: vr: Volker Rebehn

Kiel. Matthias Ehlert ist ein zufälliges Opfer geworden. Der Kieler will am 29. Juli mittags, wie so oft, seine Frau von der Arbeit abholen. Doch weil es auf der Werftstraße einen Stau gibt, weicht er an diesem Tag über den Ostring auf die Preetzer Straße aus. Als Ehlert dort ein paar Hundert Meter stadtauswärts gefahren ist, spürt er auf einmal einen starken Schlag vorne am Auto. „Es hat geregnet, ich hatte nichts Verdächtiges gesehen, dachte an einen Ast. Natürlich habe ich mich erschrocken und bin bei der nächsten Möglichkeit rechts ran gefahren.“ Er sieht, dass sein Golf vorne eingedellt ist und rätselt noch über die Ursache, als er von einem Radfahrer angesprochen wird. „Er war mir entgegen gefahren und hatte gesehen, wie jemand einen Stein geworfen hat. Dank seiner Aufmerksamkeit habe ich überhaupt den Stein gefunden.“ Den rund zwei Kilogramm schweren Granitbrocken, hat Ehlert aufbewahrt. „Wäre der Stein nur etwas höher gelandet, hätte er die Scheibe zersplittert oder sogar durchschlagen. Das ist mir erst später so richtig bewusst geworden. Außerdem hätte ich das Lenkrad verreißen und jemanden anfahren können. Oder der Stein hätte hochgeschleudert werden und jemanden verletzen können.“

Von dem Täter ist nach dem Wurf nichts mehr zu sehen. „Es gibt da mehrere Seitenwege, da muss er verschwunden sein.“ Ehlert fährt zur Polizei, zeigt den Stein und erstattet Anzeige. „Aber man wird den Täter wohl nicht finden. Deshalb will ich jetzt wenigstens andere warnen, dass Steinwürfe auch mitten in der Stadt auf einer Straße passieren können.“

Das Auto ist inzwischen repariert. Fast 1500 Euro hat das gekostet. „Zum Glück habe ich eine Vollkasko-Versicherung. Aber 300 Euro Eigenbeteiligung muss ich zahlen, das ist schon sehr ärgerlich“, sagt Ehlert und appelliert an den Täter: „Selbst wenn solch ein Steinwurf glimpflich abgeht, hinterlässt er Spuren. Man fährt nicht mehr so unbefangen wie zuvor.“

Steinwürfe auf fahrende Autos kommen immer wieder vor, sind insgesamt zum Glück aber äußerst selten, sagt Oliver Pohl von der Kieler Polizei. Konkrete Zahlen gibt es für Schleswig-Holstein nicht, weil das Delikt nicht gesondert in der Kriminalstatistik aufgeführt wird. Doch man erinnert sich an Vorfälle aus den letzten Jahren: Etwa den Steinwurf von der Fußgängerbrücke in Mettenhof, bei der die Windschutzscheibe eine Autos zersplittert, von einer Brücke auf Autos auf der B76 bei Preetz und in Flensburg auf ein Auto, das vor einer roten Ampel stand. Auf der A21 bei Stolpe warfen vier Kinder einen Stein auf das Auto eines Kinderarztes.

„Es handelt sich um gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr, die Menschenleben gefährden“, sagt Pohl. Im Einzelfall kann ein Steinwurf auch als Tötung, Tötungsversuch mit gemeingefährlichen Mitteln oder versuchter Mord bewertet werden. Auf jeden Fall ist es aber eine Straftat. Täter müssen mit mehrjährigen Haftstrafen rechnen.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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