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Noch einmal ganz nach oben

Aufzugsfirma Prey Noch einmal ganz nach oben

Er war auch für den in jüngster Zeit so umstrittenen Paternoster verantwortlich: Fast 40 Jahre lang leitete Karl-Heinz Prey mit seinem Bruder Christian die bekannte Kieler Aufzugsfirma. Ein spannendes Leben.

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Über 100 Jahre Kieler Firmengeschichte im Blick: Aufzughersteller Karl-Heinz Prey kann sich an fast alle Gebäude erinnern, in die die Firma Aufzüge eingebaut hat.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. „Es bereitet mir richtig Freude, dass ich hier noch einmal mitfahren darf.“ Karl-Heinz Preys Augen leuchten, als er seine Runden in dem alten Paternoster dreht. „Diese Umlaufaufzüge waren ja die nächste Stufe der normalen Aufzüge“, erklärt der 81-Jährige bei seiner Tour durch das Kieler Rathaus. Die korrekten Fachbegriffe sind ihm wichtig. „Es sind keine Fahrstühle“, betont Prey, „Fahrstühle sind motorisierte Rollstühle. Wir bauen aber Aufzüge.“

 1892 gründete sein Großvater Rudolf Prey die Firma. Zur Eröffnung des Rathauses 1911 baute sie unter anderem den Paternoster ein. Die Firma Prey ist seit jeher fest in Familienhand. Zunächst übernahm Preys Vater die Firma, Ende der 60er-Jahre stiegen dann Karl-Heinz Prey und sein Bruder Christian in das Geschäft ein. „Ich war umfassend ausgebildet und hatte die Welt bereist“, so der gelernte Schiffsingenieur. Trotzdem blieb der Vater lange Zeit als Patriarch federführend in der Firma. Prey störte das nicht. Vor acht Jahren räumte er selbst seinen Posten für seinen Neffen Thomas.

 Vom windigen Rathausturm auf die Stadt schauend, blickt Prey auf die Geschichten zu den Häusern, die er mit Aufzügen versehen hat, zurück. Dabei war er seit 30 Jahren nicht mehr hier oben. „Vielleicht war ich vergrätzt, weil der Aufzug nicht mehr von uns ist“, sagt er lachend. Zu seinen Einsatzorten gehörten unter anderem die damalige Ostseehalle und das Kieler Opernhaus. In das Albingia-Hochhaus baute Karl-Heinz Prey damals die ersten schnellen Aufzüge ein. Drei Meter legten diese pro Sekunde zurück. Das war eine Besonderheit in den 70er-Jahren. Besonders gern erinnert sich Prey an die Seilbahn, die über den Bootshafen Kunden vom Parkhaus zum Kaufhaus Weipert beförderte und nicht nur die nördlichste Seilbahn, sondern auch Wahrzeichen für Kiel war. „Die haben wir gewartet“, erzählt er stolz.

 Konkurrenz habe es schon immer gegeben, so Prey – vor allem Firmen wie Schindler, Otis und später Thyssen. „Früher herrschte noch ein anderer Kontakt zueinander. Man ging respektvoll miteinander um“, so Prey. Der Austausch von innovativen Ideen stand bei den Firmen im Vordergrund. Dabei war die Firma Prey und vor allem Karl-Heinz Prey immer engagiert. Ihn reizten besondere und schwierige Projekte – wie die Bühnenaufzüge in der Oper oder Möbelaufzüge im Kaufhaus.

 Neben fast 6000 Aufzügen, die die Firma während Preys Wirkungsphase einbaute, blieb ihm ein Exemplar besonders im Gedächtnis: das Riesenexemplar zur Expo in Hannover. „Keiner wollte diesen Aufzug bauen“, erzählt Prey. Das Ungetüm sollte Besucher in das Innere eines konstruierten Planeten befördern und dort möglichst unsichtbar sein. „Die Kabine war acht mal zwölf Meter groß, und über 200 Menschen konnten gleichzeitig damit fahren“, erzählt er stolz. Vier große Zylinder hoben den Aufzug nach oben. „Dass die Konstruktion überhaupt auf Anhieb funktioniert hat“, das wundert ihn noch heute. Er selbst sei noch nie in einem Aufzug stecken geblieben – weder in den eigenen Konstruktionen noch in denen anderer Firmen. Zum Glück: Denn eigentlich hat er Platzangst.

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