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„Die Chancen sind so groß wie nie“

Ausbildungsmarkt „Die Chancen sind so groß wie nie“

Zumindest aus Sicht der jungen Menschen hat sich die Situation verbessert. „Eine Trendwende im Hinblick auf den Fachkräftemangel ist nicht erkennbar“, erklärte Petra Eylander, Leiterin der Agentur für Arbeit Kiel, als sie am Donnerstag die Ausbildungsmarktzahlen für die Landeshauptstadt und den Kreis Plön vorstellte.

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Noch lernt Julian Kluth (24) bei der Firma Wulff Textil-Service Industriekaufmann. Anschließend wird er eine Stelle als Gruppenleiter in der Produktion im Bereich Mietwäsche/Flachwäsche übernehmen.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel/Plön. Das bedeutet: Für die sinkenden Zahl der Bewerber wird das Angebot größer. Gleichzeitig haben die Unternehmen weiterhin Schwierigkeiten, alle Ausbildungsplätze zu besetzen.

Exakt 2234 Bewerber wurden in der Zeit von Oktober 2015 bis September 2016 bei der Bundesagentur gemeldet. Dem stehen 2121 Ausbildungsstellen gegenüber. Im Vergleich zum Vorjahr sind dies 171 Bewerber (minus 7,1 Prozent) und 140 Stellen (minus 6,2 Prozent) weniger. Von den Bewerbern blieben 378 unversorgt, 13,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Aber auch 149 der angebotenen Stellen konnten nicht besetzt werden. Betroffen sind vor allem die Bereiche Verkauf, Gastronomie oder Friseur- und Nahrungsmittelhandwerk. „Zwar konnten 93 Prozent der uns gemeldeten Stellen besetzt werden, aber vielfach liegen die Anforderungen der Betriebe und Fähigkeiten und Kompetenzen der Jugendlichen auseinander“, sagt Eylander.

Textilreiniger als Problembereich

Das Problem, Stellen nicht besetzen zu können, kennt auch Sebastian Böge, Geschäftsführer von Wulff Textil-Service. „Vor allem bei den Textilreinigern haben wir große Schwierigkeiten, Auszubildende zu finden.“ Die wenigsten angehenden Azubis bewerben sich auf Exotenberufe, stellt Jörn Meyer von der IHK fest. Insgesamt 17 Azubis in neun Ausbildungsberufen hat das Unternehmen derzeit. Einer von ihnen ist Julian Kluth. Der 24-Jährige möchte nach seiner Ausbildung zum Industriekaufmann als Gruppenleiter in der Produktion im Bereich Mietwäsche/Flachwäsche arbeiten. Von den zwölf bei Wulff in diesem Jahr ausgeschriebenen Stellen blieben drei vakant. „Wir erleben auch, dass Azubis ihren Ausbildungsbeginn nicht antreten, aber nicht vorher absagen. Das ist dann für uns sehr ärgerlich“, sagt Böge.

Diesen Trend stellen auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) und die Handwerkskammer fest. „Die Frustrationstoleranz bei den jungen Leuten sinkt immer mehr, manche beschweren sich bei uns schon nach dem ersten Tag“, berichtet Christian Maack, Geschäftsführer der Handwerkskammer Lübeck. Die Kammern raten, nicht gleich die Ausbildung hinzuschmeißen, wenn es nicht so läuft. Meistens helfe schon ein Gespräch, oder wenn man mit dem Meister nicht so klar kommt, bestehe die Möglichkeit, den Betrieb zu wechseln. Auch Patenschaften mit älteren Azubis können helfen.

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