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Krieg aus ganz persönlicher Sicht

Ausstellung „Gesprengte Brücken“ Krieg aus ganz persönlicher Sicht

Der Erste Weltkrieg vor 100 Jahren war für Historiker die „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts. Der Kieler Heinrich Magnus Ivens (1878-1966) hat seine ganz persönlichen Erlebnisse während des Krieges festgehalten. In der Ausstellung „Gesprengte Brücken – Fotos und Feldpost des Kieler Architekten Heinrich Magnus Ivens“ sind im Flandernbunker ab Sonntag unmittelbare Eindrücke des Kriegsalltags zu sehen, die frei von Hass oder Heroisierung sind.

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Zusammen mit dem Verein Mahnmal Kilian eröffnet Ingelene Rodewald am Sonntag im Flandernbunker die Ausstellung, die Fotos und Briefe ihres Vaters Heinrich Magnus Ivens aus dem Kriegsjahr 1915 zeigt.

Quelle: Christoph Jürgensen

Kiel. Zu ihrem Vater hatte Ingelene Rodewald immer ein ganz besonderes Verhältnis. „Er war ganz ruhig, hat mich wachsen lassen, wie ich bin“, erinnert sich die gebürtige Holtenauerin. Richtig kennengelernt habe sie ihren Vater aber erst durch seine Briefe. Ivers war Holsteiner durch und durch. Nach der Wanderzeit als Zimmermann, Besuch der Bauschule in Eckernförde und einem Architekturstudium in Darmstadt gründete er 1912 in Holtenau ein Baugeschäft. Im selben Jahr heiratete er die zwölf Jahre jüngere Emmy Spethmann, Tochter des Eckernförder Zeitungsherausgebers Wilhelm Spethmann.

 Im September 1913 bekommt das Paar das erste Kind, einen Sohn. Doch schon wenige Monate später, im August 1914, muss Ivens Familie und Betrieb verlassen: Bereits am ersten Tag des Ersten Weltkriegs wird er eingezogen, hat noch nicht einmal die Zeit, seinen Angestellten ihren Wochenlohn auszuzahlen. Für Ivens geht es zunächst nach Belgien, Frankreich und schließlich in den russischen Teil Polens. Als Bauingenieur hat er vor allem eine Aufgabe: Wo die russischen Soldaten auf dem Rückzug Brücken gesprengt haben, errichtet er zusammen mit Kriegsgefangenen hölzerne Ersatzkonstruktionen.

 Den ganzen Krieg hindurch hält er seine Eindrücke in zahlreichen Fotografien fest und schreibt fast jeden zweiten Tag in die Heimat. Er schildert, wie die Feldbahn die Front als Lebensader mit unvorstellbaren Mengen an Material versorgt. Vor allem aber beschäftigt er sich immer wieder mit der einheimischen Bevölkerung, den Landschaften und Bauwerken der Region, in der er sich gerade befindet. Die russischen Kriegsgefangenen beschreibt er als Freunde. In all seinen Briefen sei nicht ein einziges Wort gegen die Russen zu finden, berichtet seine Tochter. Ganz im Gegenteil: Nachdem er sich beispielsweise geweigert hat, auf eine feindliche Patrouille zu feuern, schreibt er nach Hause: „Es ist keinem damit gedient, einen einzelnen Menschen abzuschießen.“ Und seinem Sohn wünscht er, dass er hoffentlich niemals einen solchen Krieg miterleben müsse.

 „Mein Vater ließ sich nicht verbiegen“, sagt Ingelene Rodewald. Sie hat inzwischen tausende seiner handschriftlichen Briefe und Feldpostkarten „übersetzt“. Unter dem Titel „Meine liebe kleine Frau“ (Verlag Ludwig) ist bereits eine Sammlung dieser Zeugnisse aus den ersten Kriegsmonaten zu lesen. Kürzlich ist mit „Wir alle hier draußen sehnen den Frieden herbei“ ein zweiter Band erschienen. Zum Ende der aktuellen Ausstellung ist ein Buch geplant, das die Briefe aus den Jahren 1916 bis 1918 beinhalten soll, als Ivens dann in Konstantinopel tätig war.

 www.mahnmalkilian.de

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