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Mit dem Zug zurück in die Vergangenheit

Ausstellung im Stadtmuseum Mit dem Zug zurück in die Vergangenheit

Sagen Ihnen die Sprüche „Ausgeruht ankommen“, „In Urlaub fahren durch Reisesparen“ oder „Alle reden vom Wetter. Wir nicht.“ noch etwas? Mit diesen und anderen Slogans versuchte die Deutsche Bundesbahn, ihre Kunden über Jahrzehnte vom Reisen mit dem Zug zu überzeugen.

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Tyadina Lahmann (19) sitzt schon mal in einem Zugabteil aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts Probe. Das Stadt- und Schifffahrtsmuseum Warleberger Hof zeigt die Ausstellung „Der Zug der Zeit – Plakate der Deutschen Bundesbahn“.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. 100 Werbeplakate der 50er- bis 80er-Jahre zeigt das Kieler Stadtmuseum Warleberger Hof ab Montag, 17. April, in der Ausstellung „Der Zug der Zeit – Plakate der Deutschen Bundesbahn“. Gemäß dem Titel ist die Ausstellung, die um 11.30 Uhr eröffnet wird, eine Reise durch die Vergangenheit der alten Bundesrepublik.

 „Aus über 1000 Plakaten, die die Bahn herausgegeben hat, haben wir die prägnantesten ausgewählt, an denen die Entwicklungen der Werbegeschichte und der Gesellschaft am besten zu sehen sind“, erklärte Museumsdirektorin Doris Tillmann. Während in der Zeit der Nationalsozialisten der Fokus der Werbesprache auf der Technik mit schnellen Zügen und rasantem Tempo lag, entwickelte sich in der Nachkriegszeit ein neuer Blickwinkel. „Die Technik war zerstört. Nun warb die Bahn mit Figuren, die im klassischen Werbesinne der 50er-Jahre Leichtigkeit ausstrahlten. In den Mittelpunkt rückten Begriffe wie Sicherheit und Pünktlichkeit“, erläuterte Tillmann.

 Urlaubswerbung und die Vermittlung von Fernweh charakterisierten ebenfalls die Werbestrategie der Bahn in den jungen Jahren der Bundesrepublik. Da die Geldbeutel der meisten Deutschen damals nicht üppig gefüllt waren, passte man sich mit Botschaften wie „Schlaumeier reist in Frühling und Herbst“ an. Das änderte sich zu Beginn der 60er-Jahre. Die Folgen des Wirtschaftswachstums wurden sichtbar. „Man hatte das Bedürfnis, seinen Wohlstand zu zeigen. Die Bahn betrieb nun Imagewerbung, vermarktete einen Lifestyle, ein Gefühl und nicht das Produkt“, beschrieb Tillmann die Veränderung der Werbestrategie.

Pünktlichkeit mit einem Augenzwinkern

 Diese war nötig, weil das Auto als Fortbewegungsmittel und Statussymbol in der Bevölkerung immer beliebter wurde. Die Bahn geriet unter Druck, sich besser vermarkten zu müssen. „Daher waren im Verlauf der 60er-Jahre viele Grafiker für die Bahn tätig, was sich auch in den vielen unterschiedlichen Designs der Plakate zeigt“, erklärte Tillmann und wies auf den wohl bekanntesten Werbespruch des Unternehmens hin. Mit „Alle reden vom Wetter. Wir nicht.“ gelang 1966 ein Durchbruch. „Damit karikierte sich die Bahn selbst und sprach das Thema Pünktlichkeit mit einem Augenzwinkern an. Das hatte eine unheimlich gute Werberesonanz“, erläuterte Tillmann.

 In der Folge richtete sich die Bahn mit ihren Plakaten an immer breitere Zielgruppen. Es war die Zeit der Rabatte und Gruppenreisen. Das Interrail-Ticket kam auf den Markt. Mitte der 80er-Jahre rief die Bahn die „rosaroten Wochenenden“ aus und brachte dafür zehn Millionen Werbehefte in Umlauf. „Das zeigte nochmal, welch ein gigantisches Unternehmen die Bundesbahn war“, sagte Tillmann.

 Die zweite Ausstellung, die morgen im Warleberger Hof eröffnet wird, zeigt Bilder des ehemaligen Kieler Pressefotografen Hermann Nafzger und dokumentiert das Leben an der Kieler Förde von 1965 bis 1970. Vom Unihochhaus über die Werft am Ostufer bis zum Bau des Olympiazentrums finden Besucher viele bekannte Ecken der Stadt aus einem anderen Blickwinkel wieder. „Die Bilder vermitteln eine Begeisterung für das moderne Kiel“, sagte Tillmann, die dabei auch an den Bezug zur Gegenwart denkt: „Es ist wichtig zu sehen, da sich gerade viel verändert und gebaut wird, wo wir herkommen.“ Neben der Architektur transportieren einzelne Porträts das damalige Lebensgefühl.

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Ein Artikel von
Florian Sötje
Volontär

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