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Die Rutsche wird viele Anhänger finden

Bad an der Hörn Die Rutsche wird viele Anhänger finden

Kieler und Urlauber konnten in den vergangenen Wochen an den Stränden auf der faulen Haut liegen, die Arbeiter auf dem Gelände für das neue Sport- und Freizeitbad an der Hörn gerieten ins Schwitzen.

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Neubau Sport- und Freizeitbad an der Hörn: Auf dem ehemaligen Schlachthofgelände bringen die Arbeiter Balkenroste auf die Pfähle auf.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Nach der Pfahlgründung haben sie mit den Arbeiten am Fundament begonnen. Das Großprojekt wird nach den Planungen der Stadt spätestens im Sommer 2017 fertig sein. Bis dahin geht sicher auch der Streit um den Sinn des Zentralbades weiter, das die – längst geschlossene – Lessinghalle, die Schwimmhalle in Gaarden und das Freibad Katzheide ersetzen soll. Der Bauherr, Sportdezernent Gerwin Stöcken, verteidigt das Vorhaben gegen Kritik und zeigt sich überzeugt, dass es zu einem vollen Erfolg wird. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum neuen Bad.

War die Entscheidung für ein Zentralbad unausweichlich?

Im Sommer 2008 musste die älteste Halle – das 1935 errichtete und 1956 wiederaufgebaute Lessingbad – schließen, weil sie nicht mehr betriebssicher war. Viele Kieler auf dem Westufer trauern ihr immer noch nach. Doch klar war, dass auch die jüngeren Bäder marode sind: die 1967 in Betrieb genommene Schwimmhalle Gaarden und das Sommerbad Katzheide (Baujahr 1960). Die Sanierung aller drei Anlagen wurde auf 17 bis 19 Millionen Euro beziffert „Die Ratsversammlung war der Meinung, dass dafür auch ein modernes Zentralbad zu haben ist und gab 2009 grünes Licht“, sagt Stöcken. „Die Halle in Schilksee (Baujahr 1972), die ebenfalls saniert werden muss, stand nie zur Diskussion.“ 2014 besuchten 310860 Gäste die Kieler Hallen. 2008, dem Jahr der Schließung des Lessingbades, waren es 326554.

Sind die Kosten zu hoch?

Tatsächlich wird auf dem Gelände an der Gablenzbrücke eine stolze Summe Geld verbuddelt: bis zu 26 Millionen Euro. Stöcken betont aber, dass darin eine Reserve für Baukostensteigerungen enthalten sei. Außerdem gebe es Fördermittel in Höhe von 11,3 Millionen Euro von Bund und Land.

Sind die Planungen für Kiel nicht überdimensioniert?

Die zweigeschossige Halle verfügt über rund 1700 Quadratmeter Wasserfläche. Das Sportbecken mit acht 50-Meter-Bahnen ist der größte Bereich des Bades. Es kann durch eine Wendebrücke unterteilt werden. Am tiefen Ende des Beckens befindet sich die Sprunganlage (ein, drei und fünf Meter). Am anderen Ende ist die Wassertiefe durch einen Hubboden variabel. „Dadurch sind hier sowohl Wettkämpfe als auch Wassergymnastik möglich.“ Der Dezernent betont: „Wenn das Zentralbad eröffnet ist, wird es in den beiden Kieler Hallen nur eine Bahn mehr geben als früher in den drei alten Hallen zusammen.“

Ist das Bad ein Luxusprojekt?

Auch die Kritik an der Ausstattung des Bades mit Saunen und Gastronomie in der oberen Etage weist der Dezernent zurück. „Die Stadt subventioniert die Eintrittspreise, sie sollen nicht erhöht werden“, erklärt er. Es gebe aber auch eine große Nachfrage nach Wellness, gekoppelt mit Schwimmhallen. Das zeige das Vitarium in Schilksee. „Für die Saunen verlangen wir natürlich die marktüblichen Preise. Diese Einnahmen werden der Sicherung der Betriebsmittel dienen.“

Gibt es künftig noch mehr Angebote als bisher?

Schon heute gibt es in Schilksee und Gaarden eine breite Palette von Angeboten: natürlich Schwimmunterricht, aber auch Aquacycling, Aquajogging oder Aquarobic. Ob noch mehr Kurse drin sind, sei nicht absehbar, erklärt Stöcken. Das hänge davon ab, wie sich die Nachfrage bei den unterschiedlichen Gruppen – Familien, Jugendliche, Senioren – entwickele. Aber eines scheint schon jetzt sicher: Die neue Wasserrutsche im Sport- und Freizeitbad dürfte viele Anhänger finden.

Wie wird aus Schilksee?

„Auch die Halle im Norden wird saniert“, verspricht Stöcken. Dabei geht es um drei Bereiche: Die Stadt will die Anlage von Meerwasser auf Süßwasser umstellen, weil dies die Bausubstanz nicht so stark angreift. In das Schwimmbecken wird ein Stahlbecken eingehängt, um das Bauwerk zu schonen. Geplant sind auch die Modernisierung des Technikbunkers und die Umrüstung auf „Barriere-Armut“. Die vollständige „Barriere-Freiheit“ sei in Schilksee leider nicht zu erreichen, erklärt der Sportdezernent. Kosten pro Abschnitt: 500000 Euro. Allerdings könne die Stadt mit den Arbeiten erst nach Eröffnung des Zentralbades beginnen.

Zankapfel Katzheide: Wie geht es weiter?

Das Aus für Katzheide – wie auch für die Schwimmhalle Gaarden – ist für 2018 geplant. Doch ein Bürgerbegehren ist schon auf den Weg gebracht. Ist diese Initiative erfolgreich und gibt es in einem anschließenden Bürgerentscheid eine Mehrheit für den Erhalt des Freibades, hat die Stadt ein Problem. „Natürlich hätte das negative finanzielle Auswirkungen auf das neue Sport- und Freizeitbad“, erläutert Stöcken. Für eine Grundsanierung in Katzheide müssten nach früheren Schätzungen rund neun Millionen Euro hingeblättert werden. Mindestens fiele aber eine Million Euro an, um das Freibad wieder betriebsfähig zu machen – bei jährlichen Betriebskosten von 250000 Euro.

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Ein Artikel von
Uta Wilke
Redaktion Lokales Kiel/SH

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