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Gaardens neues Wohnzimmer

Posthofgelände Gaardens neues Wohnzimmer

Ein vernehmlicher Hauch von Aufbruchstimmung streifte durch den Sitzungssaal, als sich am Mittwochabend der Ortsbeirat Gaarden die Pläne zur Neubebauung des Posthofgeländes und zur Errichtung eines Hochhauses in der Werftbahnstraße vorstellen ließ.

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Werden die Pläne in allen Gremien gebilligt, könnten die ersten Baumaschinen 2020 auf das Areal des Posthofes an der Werftstraße/Karlstal fahren.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Die Zustimmung fiel fast einhellig und vielfach sogar begeistert aus. Grundsätzliches Wohlwollen zeigte am Donnerstag auch der Bauausschuss der Ratsversammlung.

 „Ganz große Chancen“ bietet das Posthof-Projekt nach Überzeugung von Heidrun Brauchle aus dem Stadtplanungsamt. Das fünf Hektar große Areal könne als „Bindeglied zur Innenstadt“ völlig neu gestaltet werden. Zugleich biete sich die Chance, eine „alte Wunde“ im Stadtbild zu heilen und das einst für die Germania-Werft eingeebnete Gelände wieder harmonisch mit dem vorherrschenden Hang-Profil zu verbinden.

 Claudia Becker vom Frankfurter Büro Planquadrat stellte drei denkbare Varianten für eine Neubebauung am Karlstal vor. Am meisten Anklang fand im Ortsbeirat die Idee, das Gebiet terrassenartig ansteigen zu lassen. Das böte aus Sicht der Stadtteilvertreter die eleganteste Anbindung an den Stadtteil und hätte zudem den Vorteil der Barrierefreiheit.

 Von einem „Glücksfall“ sprach CDU-Ortsbeirat Fedor Mrozek angesichts dieser Perspektiven, die je nach Planung 600 bis 800 neue Wohneinheiten mit sich bringen. Skeptisch beurteilte aber nicht nur er die Idee eines 15- bis 16-stöckigen Hochhauses. Mehr als eine Idee ist das indes tatsächlich noch nicht. Claudia Becker betonte, dass es in diesem sehr frühen Stadium kaum Festlegungen gebe. Das sah die rot-grün-blaue Ratsmehrheit wohl so ähnlich. André Wilkens (SPD) beantragte im Bauausschuss eine geänderte Formulierung, wonach statt eines Hochhauses jetzt nur noch von einer „gestalterischen Bebauung“ an der Ecke Werftstraße/Karlstal die Rede ist.

 Schon vorher hatte CDU-Baupolitiker Wolfgang Homeyer auch bei anderen Bauprojekten die Höhe der Gebäude kritisiert und von der Stadt ein Gesamtkonzept für alle Hochhaus-Pläne gefordert, um eine „Salami-Taktik“ zu verhindern. Im Namen seiner Fraktion setzte er schon eine Vertagung im Ausschuss durch, als der Aufstellungsbeschluss für die Werftbahnstraße 1 anstand. Jens und Jan Nieswand sowie Lutz Lester, Vorstandsvorsitzender des Motorenspezialisten Neander, stehen als Gesellschafter hinter der Kap Horn GmbH, die an der Einmündung der Werftstraße zur Gablenzbrücke ein etwa 55 Meter himmelwärts ragendes Hochhaus bauen will. „Der Druck ist einfach da“, verwies Jens Nieswand bei der Ortsbeiratssitzung darauf, dass das Kreativwirtschaftszentrum W8 mit 40 Firmen und etwa 120 Beschäftigten aus den Nähten zu platzen droht.

 Um zu verhindern, dass Betriebe abwandern, soll das Hochhaus Platz für Erweiterungen schaffen. Gedacht ist laut Jan Nieswand, Architekt und Sohn des Gründers der kultigen Kreativschmiede, keineswegs an einen Bau von der Stange. Gestalterisch anspruchsvoll soll es werden, die Nutzung soll von kleinen Wohnungen über Büros und Arztpraxen bis zum Boarding-House reichen. Gegen die Pläne stimmte im Ortsbeirat lediglich ein Vertreter der CDU, die übrigen Mitglieder zeigten sich teilweise regelrecht entzückt. Allen voran Vorsitzender Bruno Levtzow (SPD), der ausrief: „Ich find’s geil.“

 Man stehe der Entwicklung des Grundstücks für Kreativwirtschaft positiv gegenüber, stoße sich aber an der Gebäudehöhe und der „wahllosen Platzierung“, begründete Homeyer den Vertagungsantrag im Bauausschuss. Aus demselben Grund wollte die CDU auch das von ihr ebenfalls sehr begrüßte Posthof-Projekt vertagen, entschied sich aber für die Enthaltung. Man wolle der Stadt bei der Immobilienmesse Expo Real im Oktober die Chance lassen, für das Projekt zu werben, erklärte Homeyer. Eine Haltung, die Bürgermeister Peter Todeskino (Grüne) als fair lobte. So fiel das Ja für die Posthof-Pläne im Bauausschuss ohne Gegenstimmen. Die ersten Baumaschinen werden nach Angaben der Investoren kaum vor 2020 auf den Posthof fahren.

Von Martina Drexler und Martin Geist

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