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Bedrohung: Wie Eltern ihren Kindern helfen können

Pastoralpsychologin im Intreview Bedrohung: Wie Eltern ihren Kindern helfen können

Kaum zwei Wochen besuchen die Erstklässler der Muhliusschule den Unterricht. Aber nicht nur die Schulanfänger sind durch die Drohungen des Erpressers und die Polizeidurchsuchung verunsichert, auch ältere Schüler und die Eltern. Renate Ebeling ist Pastorin und Pastoralpsychologin und möchte mit ihrem Rat helfen.

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Viele Schüler ließen am Freitag ihre Ranzen in den Schulen zurück.

Quelle: Kerstin Tietgen

Kiel. Als Klinikseelsorgerin am UKSH in Kiel arbeitet sie unter anderem mit Kindern, deren Geschwister schwer erkrankt sind.

Frage: Wie sollten Eltern nach diesem aufregenden Tag am besten mit ihren Kindern umgehen? Sollte man sein Kind auf die Ereignisse ansprechen oder abwarten?

 Das kommt auf die Kinder an. Beides ist richtig. Erstklässler sind neugierig und würden wohl darüber sprechen wollen. Ältere können da verschlossener reagieren. Aber auch das ist vom Typ abhängig. Eltern sollten da auf ihre Intuition vertrauen, können das Kind aber auch direkt fragen, ob es darüber sprechen möchte. Falls die Kinder nicht über den Vorfall sprechen wollen, sollte das akzeptiert werden. Manchmal muss man so ein Ereignis auch sacken lassen. Eltern sollten ihre Sorgen und Ängste mit Freunden oder dem Partner teilen. Das befreit. Es ist wichtig, dass man als Mutter oder Vater gut sortiert mit so einer Situation umgeht und realistisch bleibt. Durch die rechtzeitige Warnung ist schließlich nichts passiert. Wenn ein Elternteil sich übermäßig sorgt, spüren die Kinder das.

 Was kann den Kindern helfen, das Erlebte zu verarbeiten?

 Es ist wichtig, wieder Normalität zu schaffen. Dazu ist auch ein gesundes Maß an Realismus wichtig. Man sollte seinem Kind nicht vermitteln, dass hinter jeder Ecke das Böse lauert.

 Wie erklärt man seinen Kindern, was passiert ist?

 Da hilft nur die Wahrheit. Man sollte ehrlich sagen, was passiert ist. Das ist auch wichtig für das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Kind. Natürlich muss man nicht jede Einzelheit nennen, aber das Kind sollte alles fragen dürfen und eine ehrliche Antwort erhalten.

  Was können Eltern tun, wenn die Kinder Angst haben, am Montag in die Schule zu gehen?

 Wenn das Kind wirklich zu starke Angst hat, sollte es auf jeden Fall eine Option sein, zu Hause zu bleiben. Es hilft nicht, sein Kind in die Schule zu zwingen. Es kann Mut machen zu fragen, wie die Klassenkameraden mit der Situation umgehen und ob sie in die Schule gehen. Sollte sich das Kind trotz großer Unsicherheit in die Schule trauen, hilft es, Vereinbarungen zu treffen. Indem man dem Kind zusichert, dass es bei Angst abgeholt wird und die Eltern immer erreicht, schafft man Sicherheit.

  Ab wann sollte man für sein Kind professionelle Hilfe suchen?

 Sobald das Kind über einen längeren Zeitraum auffällig anders ist. Das kann man daran erkennen, dass es zum Beispiel übermäßig verschlossen ist oder sogar überhaupt nicht mehr spricht. Da kennen die Eltern ihre Kinder aber selbst am besten. In diesem Falle sollte man tatsächlich nachfragen, ob das Kind sich wegen des Ereignisses anders verhält. Man sollte aber auch nicht zu voreilig reagieren. Manchmal reicht auch beobachten und abwarten. Dann regelt sich einiges von selbst. Man darf Kindern einiges zutrauen. Sie haben eine große positive Kraft.

 Interview: Kerstin Tietgen

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