21 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Ärger um Behinderten-Parkplätze

Postkarten-Aktion Ärger um Behinderten-Parkplätze

„Ich musste nur kurz was erledigen“ – das ist ein Satz, den die Mitarbeiter des Sozialverbandes nicht mehr hören können. Oft blockieren Autofahrer gedankenlos einen Parkplatz, der eigentlich Menschen mit Behinderung vorbehalten ist. Am Freitag machten sie landesweit in SoVD-Kreis- und Ortsverbänden mit der Aktion „Sie haben meinen Parkplatz! Wollen Sie auch meine Behinderung?“ auf das Ärgernis aufmerksam.

Voriger Artikel
Vier Verletzte nach Busunfall
Nächster Artikel
Experten zu Gast an der Förde

Ärgert sich darüber, dass Behindertenparkplätze häufig unerlaubt besetzt sind: Ilona Schmidt-Maeding.

Quelle: Karina Dreyer

Kiel. Rund 6000 Behindertenparkplätze gibt es in Kiel, Tendenz steigend. „Das hat sich in den letzten Jahren verbessert, nur die Aufmerksamkeit der Autofahrer könnte größer sein“, sagt Ilona Schmidt-Maeding aus eigener Erfahrung. Sie ist fast täglich mit dem Auto unterwegs und auf die Behindertenparkplätze angewiesen. Nicht nur, weil sie in der Nähe von Geschäften oder Praxen sind: Sie sind auch breiter geschnitten, um das Aussteigen und das Umsetzen in den Rollstuhl zu ermöglichen. Doch nicht selten sind die Behindertenparkplätze unberechtigt blockiert, oder es stellen sich Autofahrer dreist zwischen die Autos und machen damit einen Ausstieg schier unmöglich.

 Dieses Verhalten ist dem Sozialverband ein Dorn im Auge. Wie schon 2014 starteten die ehrenamtlichen Mitarbeiter die landesweite Postkartenaktion mit der Aufschrift: „Sie haben meinen Parkplatz! Wollen Sie auch meine Behinderung?“. Jedem, der auf einem Behindertenparkplatz steht und kein Rollstuhlsymbol für mobilitätseingeschränkte Menschen deutlich sichtbar hinter der Scheibe ausgelegt hat, „dem klemm ich eine“, sagt Kreisvorsitzende Jutta Kühl und meint damit: eine Postkarte hinter den Scheibenwischer. Manchmal ertappt sie Autofahrer in flagranti und spricht sie direkt an. Dann bekommt sie meist die Antwort: „Oh, ich musste nur ganz kurz was erledigen“. Böser Wille stecke selten dahinter, meist Gedankenlosigkeit.

 „Wir möchten nicht anschwärzen oder anzeigen, sondern darauf aufmerksam machen, wie wichtig diese Parkplätze sind, um am Leben mobil teilnehmen zu können“, betont sie. Denn nicht jeder bekäme solch einen blauen Parkausweis, die seien nur für Menschen mit einer amtlich anerkannten außergewöhnlichen Gehbehinderung gedacht.

 Dazu gehört auch Marco Lehn. Der Kieler ärgert sich mindestens einmal die Woche darüber, dass wieder mal jemand unberechtigt parkt und ihm damit die Möglichkeit nimmt, Alltagsdinge zu erledigen. Auch er kennt die Autofahrer, die sich zwischen zwei Behindertenparkplätze stellen und damit das Aus- und Einsteigen unmöglich machen. Lehn ist viel unterwegs. „In Amerika und Skandinavien gibt es neben den Parkplätzen sogar noch einen zusätzlichen Streifen, den man dazu gut nutzen kann“, beschreibt er. Im Vergleich schneidet Deutschland bei ihm eh schlecht ab: „Das gibt es nur bei uns, dass Behindertenparkplätze blockiert werden, in anderen Ländern verhindern das drastische Strafen“, sagt er. Auch seine Frau Birte macht solch ein Verhalten wütend. Wenn sie die Falschparker anspricht, wird sie manchmal noch angepampt. „Ich wünsche denen dann nichts mehr, als dass sie mal dieselbe Situation erleben müssen wie wir.“

Wer sich gerne an der Aktion beteiligen möchte: Die Postkarten gibt es in der Kreisgeschäftsstelle des Sozialverbandes in der Muhliusstraße 87.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Kieler Förde

Schiffspositionen in
der Kieler Förde, dem
NOK und der Ostsee.

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3