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Die Polizei muss sich korrigieren

Belästigung im Sophienhof Die Polizei muss sich korrigieren

Die Polizei hat am Montag ihre eigene Darstellung einer massiven Belästigung von drei jungen Mädchen im Kieler Sophienhof abgeschwächt. Demnach sind bislang auf den Handys der Verdächtigen weder Beweisfotos sichergestellt worden, noch sei klar, wie viele Männer überhaupt an dem Vorfall in dem Einkaufszentrum beteiligt waren.

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Kiels Polizeichef Thomas Bauchrowitz (rechts) und Sprecher Oliver Pohl.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Am Freitag hatte der Fall bundesweit Schlagzeilen gemacht. „Drei weibliche Jugendliche im Alter von 15, 16 und 17 Jahren wurden durch zuerst zwei männliche Afghanen im Alter von 19 und 26 Jahren beobachtet, verfolgt und schließlich mit Mobiltelefonen in einem Restaurantbereich im Sophienhof fotografiert beziehungsweise gefilmt“, hatte es in der Mitteilung der Polizei geheißen. Die Aufnahmen seien „augenscheinlich an Dritte“ gesendet worden, so Sprecher Oliver Pohl am Freitag. „Wenige Minuten später fanden sich bei den beiden Männern sukzessive 20 bis 30 weitere Personen mit Migrationshintergrund ein, belästigten, beobachteten, und verfolgten die drei weiblichen jugendlichen Geschädigten“, so die Pressemitteilung vom Freitag.

 Das Ausmaß der Übergriffe hatten Augenzeugen in den Kieler Nachrichten bereits relativiert. Am Montag war auch bei der Polizei von 20 bis 30 Tätern keine Rede mehr. „Wir müssen jetzt prüfen, wer Passant oder Schaulustiger war und wer an der Belästigung aktiv beteiligt war“, sagte der zweite Polizeisprecher Matthias Arends. Dafür sollen Videoaufnahmen aus den Überwachungskameras ausgewertet werden.

 Die Polizei untersuche zurzeit die Smartphones der verdächtigen Flüchtlinge. Unklar sei, ob es auf den Telefonen überhaupt Fotos oder Videos der Mädchen gebe, so Arends. Am Freitag hatte die Polizei die Existenz von Aufnahmen noch als Tatsache geschildert. Auch der genaue Ablauf des Vorfalls müsse durch Zeugenbefragungen rekonstruiert werden, sagte Arends. „Insgesamt ist es noch zu früh, sich abschließend über das, was geschehen ist, zu äußern“, sagte der Sprecher, der noch eine Polizeiangabe vom Sonnabend korrigierte: Weitere Opfer hätten sich doch nicht gemeldet.

 Oberstaatsanwalt Axel Bieler erklärte, die Opfer hätten vier Männer identifiziert, die schwerpunktmäßig an den Belästigungen beteiligt gewesen seien. „Diese Personen wurden von der Polizei vorübergehend festgenommen“, so Bieler. Bei den Männern handelt es sich um aus Afghanistan stammende Asylbewerber im Alter zwischen 19 und 27 Jahren, die seit 2015 in Kiel leben. Alle vier befinden sich mittlerweile wieder auf freiem Fuß. Zwei der Beschuldigten hatten laut Polizei bei der Festnahme erheblichen Widerstand geleistet und zwei Beamte verletzt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Belästigung auf sexueller Basis, Bedrohung und Widerstand.

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