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So wird der Auftritt nicht zum Fehltritt

Benimm-Kurs in Kiel So wird der Auftritt nicht zum Fehltritt

Viele Tipps zum Thema gutes Benehmen vermittelte am Sonnabend in der Förde-Volkshochschule Susanne von Dacheröden einem dankbaren Publikum.

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Susanne von Dacheröden (rechts) macht Sitzübungen mit einigen Kursteilnehmern. Wie man sich nicht hinsetzen sollte, zeigen Martina, Thekla und Gerrit (von links).

Quelle: Martin Geist

Kiel. Eigentlich arbeitet die studierte Landschaftsplanerin als Umwelt-Sachverständige, doch Adel verpflichtet eben auch heutzutage noch. Susanne von Dacheröden entstammt einer preußischen Adelsfamilie, in der das Thema Höflichkeit und überhaupt die Etikette einen beachtlichen Stellenwert hatten. „Es soll nicht angeberisch sein, aber wir sind schon anders erzogen worden“, erzählt die Frau aus Bad Malente.

 In ihrem Fall war es vor allem die Großmutter, die ihren erzieherischen Einfluss wirken ließ. Vieles, was dabei herüberkam, hat nach Überzeugung der Enkelin nach wie vor seine Gültigkeit, aber „manche Sachen sind einfach überholt“. Also bietet von Dacheröden eine entrümpelte und aktualisierte Version in ihren Benimm-Seminaren an, die gerade auch von Unternehmen immer wieder gern gebucht werden.

 Berufliche Aspekte spielten auch bei allen sieben Frauen und einem einzelnen jungen Mann eine Rolle, als sie sich am Wochenende unterm Dach der Volkshochschule immerhin über sechs Stunden hinweg etikettenmäßig coachen ließen. Gerrit, mit 18 Jahren der Jüngste, wollte sich in dem Seminar für ein anstehendes Praktikum wappnen und beispielsweise wissen, wer in Firmen wen zu welchem Zeitpunkt und auf welche Weise grüßt. Thekla steht schon mitten im Beruf und arbeitet für einen Verlag im Beschwerdemanagement. Die Contenance bewahren, freundlich bleiben und zugleich das Wohl der Firma im Auge behalten, diese Kunst wollte sie mit den Seminaren noch ein bisschen verfeinern. Ute ist im medizinischen Bereich tätig, trifft halb beruflich, halb privat immer wieder mit Doktoren und Professoren zusammen und fragte die Kursusleiterin: „Muss man mit denen etwas anders machen?“

 Das Thema Begrüßung, so erzählt die Expertin fürs Benehmen, ist in ihren Seminaren tatsächlich ein Dauerbrenner. Dazu – auch wenn die Sache im Detail durchaus verzwickt ist – ein Tipp, der so manche Unsicherheit vermeiden hilft: Im Beruf entscheidet immer der Ranghöhere, ob Hände geschüttelt werden oder einfach freundlich genickt wird.

Kleine Aufmerksamkeit gehört dazu

 Mitbringsel bergen ebenfalls jede Menge Tücken und wurden in dem Seminar entsprechend gewürdigt. Wird man etwa zum Essen eingeladen, gehört aus Sicht der Fachfrau eine kleine Aufmerksamkeit einfach dazu; egal ob es sich um Bekannte aus dem beruflichen Umfeld handelt oder um gute Freunde. Pralinen für die Dame des Haues sind laut Susanne von Dacheröden allerdings „eine zweifelhafte Angelegenheit“, weil Nämliche womöglich unter einer Allergie leidet, gerade eine Diät macht oder dem Veganismus anhängt. Blumen hingegen sind im Grundsatz eine gute Idee, sofern es sich nicht um die falschen handelt. „Fresien sind Oma-Blumen“, sagt von Dacheröden, und rote Rosen sollten nur in die Hände der Frau des jeweiligen Herzens gegeben werden.

 Einen besonderen Ratschlag weiß die Expertin für alle, die in Häusern zu Gast sind, deren Besitzer höhere berufliche Funktionen ausüben: Die Blumen bei einer guten Adresse kaufen und darauf achten, dass an einer dezenten Stelle des Straußes ein kleiner Aufkleber des Fachgeschäfts darauf hinweist. Dass Florales von der Tankstelle gar nicht geht, muss dagegen eigentlich schon gar nicht mehr erwähnt werden. „Völlig lieblos gebunden und meistens von schlechter Qualität“, befindet die Benimm-Lehrerin.

 Wer wiederum nicht so recht weiß, wie er sich zu welchem Anlass zu kleiden hat, sollte am besten Künstler werden: „Die können rumlaufen, wie sie wollen, das wird im Grunde sogar von ihnen erwartet.“ Ansonsten wundert sich Susanne von Dacheröden stets aufs Neue darüber, dass gerade die Männer immer wieder haarsträubende Fehler machen. Braune Schuhe zum dunkelgrauen Anzug, das muss aus ihrer Sicht wirklich nicht sein. Andererseits sind die Frauen gut beraten, sich in Sachen Schmuck zu mäßigen. Dezenter Zierrat ist in Ordnung, „wenn aber die Armreife bei jeder Handbewegung klappern, ist das nicht mehr schön.“

 Die Gruppe in dem VHS-Seminar war von solchen Ratschlägen am Ende mehr als angetan. Spontan kam sie auf die Idee, demnächst gemeinsam fein essen zu gehen und sich dabei von der Fachfrau für Etikette genau auf die Finger und den Mund schauen zu lassen.

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