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Ja, wo fahren sie denn ...?

Benutzungspflicht entfällt Ja, wo fahren sie denn ...?

Die Stadt Kiel hebt für immer mehr Radwege die Benutzungspflicht auf. Doch dass Autofahrer und Radler sich die Fahrbahn teilen, stößt nicht nur auf Begeisterung.

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Hinweis für alle Verkehrsteilnehmer: Radfahrer dürfen in der Hamburger Chaussee mittlerweile die Fahrbahn benutzen – aber wer möchte das schon, wenn wie im Foto Lastwagen heranrauschen?

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. So kritisierten Radfahrer nach der Freigabe von Werftstraße und Schönberger Straße, dass dort zwischen Engpässen, Grundstückseinfahrten und parkenden Pkw Gefahren lauerten; zudem würden Autofahrer Radler oft anhupen. Die Stadt will dort daher einen Fahrradschutzstreifen einrichten. Generell sind wohl vor allem Gelegenheitsradler häufig unsicher, wo sie fahren dürfen oder müssen. Hinzu kommt manchmal eine verwirrende Verkehrsführung. Tatsächlich ist manches „relativ kompliziert“ geregelt, erklärt Edwin Süselbeck, verkehrspolitischer Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) Kiel. Ein Leitfaden durch den Verkehr.

Hier ist der Radweg Pflicht: Mit blauen Schildern versehene Wege, die nur ein Fahrrad oder ein Fahrrad kombiniert mit Fußgängern zeigen, müssen Radfahrer nutzen. Dazu gehören auch beschilderte Radfahrstreifen, die nicht durch die Bauweise, sondern durch eine durchgehende weiße Markierung von der Fahrbahn abgetrennt sind. Wo die blauen Schilder stehen, dürfen Radler nur in Ausnahmefällen die Fahrbahn benutzen – wenn zum Beispiel Müllcontainer den Weg versperren. Grundsätzlich gilt: Geradelt wird rechts. Zusatzschilder können allerdings das Rollen auf der linken Seite oder das Befahren eines Radweges in zwei Richtungen erlauben oder sogar vorschreiben – wie auf der östlichen Seite im Wulfsbrook. Süselbeck sieht die Situation auf dieser wichtigen Schulwegverbindung kritisch: Der Radweg sei ohnehin zu schmal, „das ist relativ gefährlich“. Aus seiner Sicht müsste die Benutzungspflicht hier auf beiden Seiten entfallen. In Kiel gebe es recht viele Zweirichtungs-Radwege, erklärt der Experte, der damit nicht glücklich ist: „Auf der linken Seite zu fahren, ist potenziell gefährlich.“

Hier haben Radfahrer die Wahl: Gibt es kein Schild, aber der Radweg ist „baulich erkennbar“, so Süselbeck, können Radler sich aussuchen, ob sie dort – auf der rechten Seite! – oder auf der Straße fahren wollen. Manche dieser Wege sind einfach zu erkennen: In Kiel sind sie häufig farblich anders gepflastert oder im Gegensatz zum Gehweg asphaltiert, manchmal mit Fahrrad-Piktogrammen auf dem Boden versehen. Viele fallen durch ihre ausreichende Breite ins Auge. Es gibt aber schwierigere Fälle. Ein Beispiel: der schmale Radweg in der Möllingstraße, der deutlich unter der Mindestbreite von 1,5 Metern liegt. Durch seine Asphaltierung hebt er sich aber „erkennbar“, so Süselbeck, vom gepflasterten Gehweg ab. Radler dürfen ihn nutzen – oder die Fahrbahn wählen. Schwieriger, so der Fahrradexperte, sei es, wenn nur noch verblichene Pinselstriche daran erinnern, dass hier früher ein Pflicht-Radweg entlangführte. Wie im Hasseldieksdammer Weg stadteinwärts hinter dem Westring: „Dieser Abschnitt ist aber ein Beispiel, wo man gut auf der Straße fahren kann“, sagt Süselbeck. So können dort auch Autofahrer Radler besser sehen, als wenn diese hinter parkenden Fahrzeugen unterwegs sind und an Kreuzungen erst spät ins Blickfeld geraten. Selten in Kiel, so der Experte, ist die Variante, dass ein Gehweg durch ein Zusatzschild für Radfahrer freigegeben wird – wie auf der Hörnbrücke. Radler müssen mit ihrem Tempo dann auf Fußgänger Rücksicht nehmen. Auch bei Schutzstreifen, die durch eine gestrichelte Markierung und Piktogramme auf der Straße gekennzeichnet sind, haben Radler die Wahl. Autofahrer dürfen diesen Streifen nur zum Ausweichen, zum Beispiel bei Gegenverkehr, nutzen, erklärt Süselbeck – und nur, wenn sie dadurch keine Radler behindern. Sonst ist der Schutzstreifen für Autos tabu.

Hier müssen Radler auf die Fahrbahn: Wenn es daneben nur einen Gehweg gibt, der nicht fürs Fahrrad zugelassen ist. Nur Kinder bis acht Jahre müssen auf dem Gehweg radeln, bis zehn Jahre dürfen sie es noch. Die Pflicht, die Fahrbahn zu benutzen, gilt übrigens auch außerhalb geschlossener Ortschaften, wenn daneben nur ein Weg ohne bauliche Unterschiede vorhanden ist. Denn dieser ist dann ein Gehweg, erklärt Experte Süselbeck. Das gilt auch, wenn der Weg zum Beispiel durch seine Asphaltierung wie ein Radweg wirkt. Radfahrer dürfen ihn nur nutzen, wenn es ausdrücklich durch ein Schild erlaubt wird.

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Ein Artikel von
Kerstin von Schmidt-Phiseldeck
Redaktion Lokales Kiel/SH

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