21 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Auch Kinder leiden unter Terror-Angst

Beratungsstelle Auch Kinder leiden unter Terror-Angst

Terroranschläge ängstigen nicht nur Erwachsene. Auch Kinder fühlen sich nach den Attacken in Paris unmittelbar von der Brutalität der Terroristen bedroht. So berichtet der Kinderschutzbund von vermehrten Hinweisen in der Elternberatung auf solche massiven Ängste, die Angehörige unbedingt ernst nehmen sollten.

Voriger Artikel
Dieser „Tatort“ hat das Zeug zum Klassiker
Nächster Artikel
20-Jähriger in Untersuchungshaft

Die Welt besteht nicht nur aus Kinderfilmen: Die Berichterstattung über Terroranschläge verängstigt derzeit viele Kinder. Beim Kinderschutzbund gehen verstärkt Nachfragen ein.

Quelle: Patrick Pleul/dpa

Kiel. „Mama, ich habe Angst, ich will nicht sterben“, flehte ein Zehnjähriger erst kürzlich seine Mutter an, die sich in dieser Situation auch nicht recht zu helfen wusste und beim Kinderschutzbund um Rat fragte. Dieser erschreckende Satz des Jungen lässt Irene Johns seitdem nicht mehr los. „In Zeiten täglicher Terrormeldungen machen sich nicht nur Erwachsene Sorgen“, erklärt die Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes. „Kinder nehmen Bedrohungen und Ängste um sie herum in hohem Maße wahr, jedoch ohne über entsprechende Erfahrungswerte zu verfügen, um sie einzuordnen und sich abzugrenzen. Dafür brauchen sie ihre Eltern.“

 Wie man in solchen Situationen mit verängstigten Kindern umgeht, weiß Manuel Florian, Leiter des Kinderschutz-Zentrums Kiel. So rät er besorgten Eltern, sich unbedingt Zeit für ein ruhiges Gespräch zu nehmen. „Es ist wichtig, Kindern wirklich zuzuhören, Verständnis für ihre Sorgen zu zeigen und diese keinesfalls abzutun oder zu bagatellisieren“, betont der Diplom-Psychologe. Schließlich sei es grundsätzlich zu begrüßen, wenn Kinder sich äußerten, auch wenn Eltern sich manchmal selbst hilflos fühlten.

 „Man sollte sogar genau nachfragen, was das Kind im schlimmsten Fall befürchtet, denn jede Form der Vermeidung beflügelt die Angst nur noch weiter“, warnt Florian. Es gehe jetzt vor allem darum, dafür zu sorgen, dass Terroristen in der Wahrnehmung von Kindern nicht immer größer und mächtiger würden. Außerdem sollten Eltern ihrem Kind zusichern, dass sie immer so gut wie möglich auf es aufpassen werden.

 Allerdings sollten Eltern ihren Kindern dabei nichts versprechen, was möglicherweise nicht gehalten werden könnte, wie zum Beispiel die Ankündigung: „Uns wird nie etwas Schlimmes passieren.“ Besser sei es laut Florian, genau nachzufragen, was dem Kind helfen könne und dies auch möglichst zeitnah umzusetzen.

 Dabei gehe es aber nicht um Meidung des Problems, indem man zu Hause bleibe. Ganz im Gegenteil. Eltern sollten einen möglichst geregelten und normalen Alltag gewährleisten. Wichtig seien auch beruhigende Rituale vor dem Schlafengehen sowie das Angebot, jederzeit über die Sorgen sprechen zu können. „Wenn Ängste sich nicht legen oder sogar steigern, sollte man sich auf keinen Fall scheuen, fachliche Unterstützung zu suchen“, rät der Psychologe.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Events in Kiel

Veranstaltungen in Kiel
Aktuelle Termine, News, Infos.

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3