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Eine Entscheidung fürs Leben

Berufsfeuerwehr Eine Entscheidung fürs Leben

An Frank-Peter Herdel führte bei der Berufsfeuerwehr in Kiel kein Weg dran vorbei. Der gelernte Maurer fing vor 36 Jahren bei der Wehr an, löschte Brände, rettete Menschen. Jahrelang schulte er den Nachwuchs. „Das war eine tolle Aufgabe“, sagt er. Jetzt verabschiedet sich der 60-Jährige in den Ruhestand.

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Ein Feuerwehrmann mit Leib und Seele: Frank-Peter Herdel, Ausbilder bei der Kieler Berufsfeuerwehr, will zukünftig viel Sport treiben und im Garten werkeln.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. So ganz leicht wird ihm der Ausstieg nicht fallen. „Feuerwehrmann zu sein, ist eine Entscheidung fürs Leben“, sagt er. Schon sein Vater und sein Onkel waren bei der Wehr. Ein Cousin ist es heute noch. Als junger Mann träumte Frank-Peter Herdel allerdings noch von einem Ingenieurs-Studium. Nach der Lehre ging er vier Jahre zur Bundeswehr. Dann erzählte sein Vater so ganz beiläufig, dass sie bei der Kieler Feuerwehr neue Leute suchen. Der damals 23-Jährige meldete sich an, bestand die sportliche, schriftliche und mündliche Prüfung und ist seither Feuerwehrmann mit Leib und Seele. „Die erste Zeit war ich auf der Ostwache in Gaarden“, sagt er. Viele Einsätze seien nicht immer leicht gewesen. „Man darf sich davon aber nicht ’runterziehen lassen. Wenn ich 24 Stunden im Rettungswagen war, ging’s gleich unter die Dusche und dann aufs Rad nach Hause. Das half immer.“ Doch auch nach 30 Jahren würden ab und zu noch Erlebnisse aus der damaligen Zeit im Kopf auftauchen. Trotzdem habe er seine Berufswahl nicht einen Tag bereut.

 Auch an den Schichtdienst gewöhnte er sich schnell. „Damals hatten wir noch einen drei Wachen-Rhythmus“, erzählt er. „Nach einer Nachtschicht konnte ich mich perfekt um unsere beiden Söhne kümmern. Das war schon familienfreundlich.“ Aufgewachsen ist der gebürtige Kieler in Schulensee, später zog er mit seiner Frau nach Schönkirchen. 1986 bauten sie ein Einfamilienhaus in Fiefbergen. Inzwischen sind seine Söhne 38 und 27 Jahre alt und stehen längst auf eigenen Beinen. Nur zur Feuerwehr zog es sie nicht. Jungen Menschen würde Frank-Peter Herdel nicht unbedingt ab- oder zuraten. „Wenn man sich für den Beruf entscheidet, muss man nur wissen, dass man die Hälfte der Zeit als Rettungssanitäter unterwegs ist und eben nicht immer nur Brände löscht“, sagt der Hauptbrandmeister.

 1999 bewarb er sich dann als Ausbilder für die Brandmeisteranwärter und bekam die Stelle. „Die jungen Leute sind toll“, sagt er. „Sie sind viel offener und freier, als wir es damals waren. Und es ist enorm, was die heutzutage für ein Wissen haben.“ Eine wesentliche Veränderung sei bei der Feuerwehr-Ausbildung die Umstellung des Fuhrparks gewesen. Die Ära der Spezialfahrzeuge und der Löschgruppenfahrzeuge endete vor knapp zehn Jahren. Das wichtigste Arbeitsgerät sei jetzt das Hilfeleistungslöschfahrzeug, mit dem Löscheinsätze und auch technische Hilfeleistungen bewältigt werden können.

 Zudem schulte Frank-Peter Herdel Führungskräfte und ältere Kollegen, macht die Atemschutzausbildung unter anderem auch bei den zehn freiwilligen Wehren in Kiel. Er vertrat die Feuerwehr auf Berufsmessen, ging in Firmen zur Brandschutzschulung, saß in Prüfungsausschüssen oder schaute sich die neuen Bewerber an. Was der neue Job noch mit sich brachte? Endlich mehr Schlaf. „Früher haben mir sechs bis sieben Stunden gereicht. Jetzt brauch’ ich mehr. Und der Schlaf hat eine neue Qualität bekommen. Ich wache nicht mehr bei jedem Knacken und Knistern auf“, erzählt er. Seine Frau allerdings habe sich erst einmal umstellen müssen, dass ihr Mann nun jeden Abend pünktlich zu Hause war.

 Vor dem Tod habe er keine Angst, auch wenn er oft Begleiter im Rettungswagen und bei Einsätzen war. „Ich sehe das ganz nüchtern“, sagt Frank-Peter Herdel. „Ich bin jetzt 60. Aber mit gesunder Ernährung und regelmäßigem Schlaf kann man viel für sich tun.“ Kürzlich feierte er seinen Geburtstag mit Nachbarn und Freunden bis drei Uhr morgens. „Da erhole ich mich heute noch von“, sagt er lachend. Die neu gewonnene Freiheit sei kein Problem für ihn. „Ich fahre viel Fahrrad, bin im Fitnessstudio.“ Dazu kommt die Modelleisenbahn auf dem ausgebauten Dachboden, der 700 Quadratmeter große Garten und das Paddeln. „Wir haben mehrere Boote. Wenn ich so durch die Natur gleite und dann vielleicht noch einen Eisvogel sehe, ist das Entspannung pur.“

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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