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Ganz nah dran an „Helden in Uniform“

Berufsinformationszentrum Ganz nah dran an „Helden in Uniform“

Sammy ist ein Profi. Er wedelt aufgeregt mit dem Schwanz, schnüffelt an Koffern und setzt sich plötzlich neben einen. Der Zollhund findet in wenigen Augenblicken das versteckte Marihuana und wird sofort von seinem Hundeführer Tino Spitzner gelobt.

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Es dauerte nur wenige Augenblicke und Zollhund Sammy hatten den Drogenkoffer erschnüffelt. Wie sein Herrchen Tino Spitzner es ihm beigebracht hatte, setzte er sich brav daneben.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Die Vorführung ist der Höhepunkt der Infoveranstaltung im Berufsinformationszentrum der Agentur für Arbeit (Biz), bei der sich die „Helden in Uniform“ vorstellen. Mehr als 60 Schüler mit Eltern sind dort und belagern die Stände von Zoll, Bundespolizei und Justizvollzug.

Der Zoll zeigt Plagiate von Markenkleidung aus China, Vietnam und Taiwan sowie Fälschungen hochwertiger Uhren namhafter Hersteller. Das weckt Interesse, Jan Wensien aus Preetz fragt gleich los: „Wie lange dauert die Ausbildung?“, will der Abiturient aus Preetz wissen. „Drei Jahre. Davon die Hälfte Theorie, unter anderem an unserer Hochschule in Münster. Der Praxisteil wird in einem der Hauptzollämter absolviert“, erklärt Zollsprecher Claus-Peter Minkwitz. „Und bekommt man eine Stelle in Schleswig-Holstein?“, fragt der Schüler. Das sei wahrscheinlich, aber nicht sicher, so Minkwitz: „Als Bundesbeamter hat man zwar eine Arbeitsplatzgarantie, muss aber damit rechnen, zwischen Flensburg und München eingesetzt zu werden.“ Wensien interessiert sich neben dem Zoll auch für die Polizei. „Ich habe einen Gerechtigkeitssinn und finde die Arbeit spannend.“ Da er das Abitur bald in der Tasche habe, wolle er sich auf der Messe informieren und fragt fröhlich bei den anderen „Helden“ weiter.

Ganz so dringend ist es bei Jasper Brechtefeld nicht, der sich mit Mutter und Bruder Joost informiert. Der Schüler geht in die achte Klasse, muss sich aber bald entscheiden, wo er sein Schulpraktikum machen will. Was denn der Unterschied zwischen Justizvollzug und Polizei sei, will seine Mutter Maren wissen. Gerrit Lukowski, Ausbilder an der Justizvollzugsschule, erklärt: „Die Polizei fängt die Täter, wir haben sie dann im Gefängnis sitzen.“ Das stelle hohe Anforderungen, weil Justizvollzugsbeamte auch sozialpädagogische Kenntnisse haben müssten: „Wenn zum Beispiel die Freundin eines Häftlings mit ihm Schluss macht, sind wir gefordert.“ Besonders bei Jugendlichen, die im Gefängnis sitzen, stehe der Erziehungsgedanke an erster Stelle. „Allerdings ist es sehr schwierig, jahrelange Versäumnisse aufzuholen“, erklärt Lukowski den drei Brechtefelds.

Auch vor dem Stand von Jan Rohwer, Einstellungsberater bei der Bundespolizei, stehen viele Schüler. „Ich habe eine Schutzweste mitgebracht, die jeder mal überziehen kann, um zu sehen, wie schwer sie ist“, sagt Rohwer. Gefälschte Pässe zeigt der Beamte später herum und erklärt, wie man sie erkennen kann. Biz-Pressesprecher Thomas Bohse ist zufrieden mit dem Interesse an den „Helden in Uniform“. „Demnächst müssen sich die Schüler ja auch bewerben. Wir hoffen, ihnen mit dieser Veranstaltung einige Ideen für ihre Berufswahl mit auf den Weg zu geben“, sagt er.

Der wahre Held des Tages aber ist Sammy: Die Koffer werden noch einmal vertauscht, der Labrador-Mischling schnüffelt aufs Neue los und findet wieder prompt das Drogenversteck. „Wir setzen den Hund in Häfen, auf Autobahnen und an Grenzübergängen ein“, erklärt Herrchen Tino Spitzner. Dann ist Feierabend für den sechsjährigen Vierbeiner. Er darf sich im Auto von der Arbeit erholen.

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