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Talente erkennen und fördern

Berufsorientierung Talente erkennen und fördern

„Ich finde das Schrauben ganz cool“, sagt Leonie Thoms, während sie gemeinsam mit Sina Traetow und Luisa Stübbe einen Citroën-Motor auseinanderbaut. Anstatt im Klassenraum zu sitzen, machen die drei Achtklässlerinnen der Gemeinschaftsschule Nortorf mit ihrem gesamten Jahrgang im Rahmen der Berufsorientierung für allgemeinbildende Schulen (BOP) zwei Wochen lang praktischen Werkstattunterricht in der Berufsbildungsstätte Kiel.

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Jonas (15, von links), Kevin (14) und Alida (14) probieren sich als Friseur und bekommen von Friseurmeisterin Nicola Gross Unterstützung.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. „Man muss zwar länger arbeiten als in der Schule, dafür hat man keine Hausaufgaben auf“, fasst die 13-jährige Leonie die Vorzüge des Schnupperkurses in die Berufswelt zusammen. Doch die „Talentwochen“ haben noch einen weiteren Vorteil: Nach der im Vorfeld stattfindenden zweitägigen Potenzialanalyse erhalten die Jugendlichen in den Ausbildungswerkstätten in kurzer Zeit Einblicke in verschiedene handwerkliche Berufe. Täglich sind sie in einem anderen Bereich der Berufsbildungsstätte aktiv und erfahren so in zehn Tagen mehr über die praktischen Aufgaben im Kfz-, Metall-, Friseur-, Floristik-, Holz-, Elektro- und Sanitärhandwerk.

„Dieser Rundumblick macht Sinn, weil man nicht überall Praktika machen kann“, hebt Jochen Runge die Kompaktheit der Berufsorientierung hervor. Runge ist Vorsteher des Schulverbandes, der die zweiwöchige Maßnahme gemeinsam mit dem Ministerium für Bildung und Forschung finanziert. Bevor es zurück in den Schulalltag geht, erhalten die Schüler noch Zertifikate, die gemeinsam mit den Eltern ausgewertet werden, um die Talente der Kinder im handwerklichen Bereich aufzuzeigen, wie Gabriele Rau erklärt. „Danach fällt es den Schülern leichter, ein geeignetes Praktikum auszusuchen“, ergänzt die stellvertretende Leiterin der Berufsbildungsstätte.

Dass sich Schüler in den Werkstätten des beruflichen Bildungszentrums tummeln, ist allerdings die Ausnahme. „Wir fangen zwar bei den Kindern an“, sagt Monika Patschull, „aber den Großteil des Jahres finden hier im Rahmen der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung die Pflichtlehrgänge der Azubis statt“. In diesen zumeist einwöchigen Maßnahmen könnten die Lehrlinge Inhalte ihrer Ausbildung ergänzen und vertiefen, so die Berufsbildungsstättenleiterin. „Generell versuchen wir, das Handwerk bei der Suche nach Fachkräften zu unterstützen“, ergänzt Stellvertreterin Rau, „dafür wurde die Einrichtung 1967 gegründet“. Folglich werden für Berufstätige auch Fortbildungsseminare und Vorbereitungslehrgänge auf die Meisterprüfung angeboten. „Mit einigen Menschen arbeiten wir ihr ganzes Leben zusammen“, berichtet Patschull. Gut möglich also, dass der eine oder andere Schüler nach den „Talentwochen“ die Werkstatträume im Russeer Weg nicht zum letzten Mal betreten hat.

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