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Sado-Maso-Exzess vor Gericht

Berufungsprozess Sado-Maso-Exzess vor Gericht

Die bizarren Sex-Spiele des ungleichen Paares beschäftigen schon zum zweiten Mal die Strafjustiz: Im Berufungsprozess vor dem Kieler Landgericht muss sich ein 47-Jähriger erneut wegen sexueller Nötigung und gefährlicher Körperverletzung verantworten.

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Ein Unfall? Die Frau war an einen Stuhl gefesselt, als sie plötzlich nach vorne kippte.

Quelle: Fotolia (Symbolbild).

Kiel. Laut Anklage verletzte er seine Partnerin beim Schlagen mit einer Reitgerte erheblich.

Im November 2013 soll der große, kräftige Angeklagte seine zierliche blonde „Sklavin“ an Händen und Füßen gefesselt auf einen Stuhl geschnallt und ausgepeitscht haben. Soweit, so einvernehmlich. Doch im Gegensatz zu früheren sadomasochistischen Spielen ignorierte der Mann laut Vorwurf bewusst das zuvor vereinbarte Notsignal für die sofortige Beendigung der quälenden Behandlung. Die 37-Jährige rief vergebens „Stopp!“.

 Mit den Worten „Du verträgst doch mehr!“ soll der Angeklagte weiter zugeschlagen haben, bis die hilflose, zu kaum einer Bewegung fähige Frau samt Stuhl vornüber kippte. Mit verbundenen Augen prallte die Gefesselte mit dem Gesicht auf den gefliesten Boden, so der Vorwurf. Die Verletzungen sind dokumentiert: zwei abgebrochene Schneidezähne, eine geplatzte Lippe, ein Hämatom am Kinn.

 Kompliziert wird der Fall, weil sich die Sexpartner zunächst auf ein unverfängliches Lügenszenario einigten, um die Haftpflichtversicherung zu betrügen. Weil der Mann damals behauptete, er habe die vor der Spülmaschine hockende Freundin versehentlich gestoßen und zu Fall gebracht, wurde er bereits zu einer Geldstrafe verurteilt. Eine Variante, die eine medizinische Sachverständige als eher unwahrscheinlich bezeichnete.

 In erster Instanz vor dem Schöffengericht in Eckernförde variierte der Angeklagte die Darstellung. Nun gab er an, seiner angeblich alkoholisierten Sexpartnerin an jenem Abend den Laufpass gegeben zu haben. Kurz bevor er sie verlassen wollte, habe er aus ihrer Küche „ein Klatschen“ und ihren Aufschrei „Mist, meine Zähne!“ gehört. Aus Mitleid habe er ihr angeboten, den Schaden über seine Versicherung zu begleichen. „Maßlos erstaunt“ sei er gewesen, als er ein halbes Jahr später von ihrer Strafanzeige hörte. Seine Erklärung: „Sie war wütend, weil ich Schluss gemacht habe.“

 Das Schöffengericht ging im ersten Prozess von einem Sado-Maso-Unfall ohne Vorsatz aus, verurteilte den Mann nur wegen fahrlässiger Körperverletzung zu 2800 Euro Geldstrafe (70 Tagessätze à 40 Euro). Die Staatsanwaltschaft forderte zwei Jahre auf Bewährung und legte Berufung ein. In zweiter Instanz vor dem Landgericht schweigt der Mann. Seine Verteidiger bezweifeln, dass er den Stuhl mit der Gefesselten allein durch Gertenschläge zu Fall bringen konnte. Den Antrag auf ein physikalisch-technisches Gutachten wies die Kammer jedoch zurück. Auch ein aussagepsychologisches Gutachten zur Glaubwürdigkeit der Nebenklägerin hält sie für überflüssig. Stattdessen soll am nächsten Verhandlungstag der Vorsitzende des Schöffengerichts als Zeuge berichten, wie sich die Verletzte in erster Instanz geäußert hatte. Es geht um die Frage, ob die Frau in High Heels trotz Fesseln noch mit den Zehen den Boden berühren und durch ein Abstoßen den Sturz selbst herbeiführen konnte.

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