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Bürger wollen gegen Umbau-Pläne vorgehen

Beselerallee/Reventlouallee Bürger wollen gegen Umbau-Pläne vorgehen

Anwohner der Kreuzung Beselerallee, Reventlouallee und Niemannsweg formieren sich schon jetzt zum Widerstand gegen den Umbau des Verkehrsknotenpunktes. Die Pläne der Stadt stehen in der Kritik.

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Der kleine Schlenker hat als natürliche Verkehrsberuhigung an der Kreuzung Beselerallee, Reventlouallee und Niemannsweg bald ausgedient.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Im September 2015 hielt die Stadt Kiel sich noch bedeckt, als die Pläne zum Ausbau der Kreuzung Beselerallee, Reventlouallee und Niemannsweg durchsickerten – und bei den Anwohnern auf massive Kritik stießen (unsere Zeitung berichtete). In der jüngsten Sitzung des Ortsbeirates Ravensberg/Brunswik/Düsternbrook legte Jens Kruschwitz vom städtischen Tiefbauamt nun alle Fakten auf den Tisch. Demzufolge stehen bei der Baumaßnahme vor allem der Ausbau der Veloroute 3 und mehr Sicherheit für Radfahrer im Vordergrund. Geschützte alte Bäume müssen – wie von Anwohnern befürchtet – dafür nicht gefällt werden. Einige Anlieger haben dennoch die Gründung einer Bürgerinitiative angekündigt, die sich gegen das städtische Vorhaben richtet.

 Eines steht fest: Die Anwohner der Straßen rund um den Verkehrsknotenpunkt zwischen Moltkestraße und Hohenbergstraße werden so oder so ab Frühjahr 2017 mit Behinderungen, Vollsperrung und Baulärm leben müssen. Auch ohne die Pläne zum Ausbau der Kreuzung. Denn zunächst wird die Stadtentwässerung den Regenwasserkanal auf einer Länge von 255 Metern erneuern sowie einen zusätzlichen Kanal über 265 Meter verlegen. Auch viele Hausanschlüsse müssen dringend erneuert werden. Als Bauzeitraum sind zehn Monate vorgesehen. Die Kosten betragen rund 1,25 Millionen Euro.

 Im Anschluss daran will das Tiefbauamt die Kreuzung als letzten Schritt der Gesamtmaßnahme Beselerallee/Reventlouallee an die „verkehrlichen Bedürfnisse“ anpassen. Die Straße soll verengt und der kleine Schlenker, den die Anwohner als natürliche Verkehrsberuhigung empfinden, begradigt werden. Fahrradfahrer sollen künftig auf der Straße fahren – vom Autoverkehr getrennt durch eine gestrichelte Linie. Jens Kruschwitz sieht eine deutliche Verbesserung für die Bürger durch breitere Gehwege, eine barrierefreie Umgestaltung der Bushaltestelle Niemannsweg und eine „Verbesserung der Sichtbeziehungen“ zwischen allen Verkehrsteilnehmern. Der Straßenzug Beselerallee/Reventlouallee wird bereits als Veloroute 3 genutzt und verbindet die Kieler Förde mit der Christian-Albrechts-Universität.

Baumbestand bleibt

 Der Erwerb eines Grundstücks sowie die Kündigung eines Pachtvertrages sind nach Angaben des Tiefbauamtes Voraussetzung für die bereits 2008 geplante Baumaßnahme, die 210 Meter Straße umfasst. 300000 Euro der veranschlagten Gesamtkosten in Höhe von rund 900000 Euro werden anteilig auf die betroffenen Anlieger der Reventlouallee umgelegt. Der Kreuzungsbereich selbst werde nicht mit eingerechnet. Der „ortsbildprägende“ Baumbestand soll nach Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde nicht angetastet werden. Lediglich zwei kleine Bäume müssen weichen, für die später drei neue Bäume als Ausgleich gepflanzt werden sollen.

 Ortsbeiratsvorsitzender Dieter Hartwig ist beruhigt. „Ich war anfangs gegen den Ausbau, weil ich dachte, es gehe darum, Autos schneller zum Westring zu leiten.“ Doch da jetzt klar sei, dass es statt einer „Auto-Rennstrecke“ eine ausgebaute Veloroute plus Verkehrsberuhigung geben werde, könne er „voll hinter dem Votum des Ortsbeirates“ stehen. Der stimmte der Baumaßnahme mit sechs Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen der CDU zu, „mit der Erwartung, dass die gesamte Beselerallee Tempo-30-Zone wird.“

 Anlieger wie der Rechtsanwalt Dirk Taubitz sind aufgebracht und kritisieren die Pläne als „unsinnig und überteuert“. „Die Begradigung der Kreuzung und die Verkehrsberuhigung erinnern fast an einen Schildbürgerstreich, denn letztere ist ja schon durch den Schlenker gegeben“, betont der Anwalt. „Hier werden aus öffentlichen Mitteln Steuergelder verschwendet.“ Taubitz will jetzt Möglichkeiten prüfen, die Maßnahme anzufechten. Außerdem habe sich eine Gruppe formiert, die eine Bürgerinitiative gründen und eine Petition aufsetzen wolle.

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Ein Artikel von
Carola Jeschke
Lokalredaktion Kiel/SH

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