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Gute Ware für kleines Geld

Besuch im Sozialladen Gute Ware für kleines Geld

Obwohl er sich im Zentrum der Landeshauptstadt befindet, ist der im Hinterhof der Lerchenstraße 19a gelegene „Obolus“ für den vorbeigehenden Passanten nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Dennoch haben die vielen Kunden, die jeden Tag zwischen 9 und 18 Uhr hier einkehren, keine große Mühe, den Sozialladen zu finden.

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Große Vielfalt im Sozialladen: Artem Tenenbaum, Angestellter Thomas Pillatzke und Mohammad Al Shalabi schauen sich hier Brettspiele an.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Schließlich feierte das soziale Projekt der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW), das ebenso wie die zweite Filiale in Dietrichsdorf im Auftrag des Jobcenters Kiel betrieben wird, im vergangenen Jahr zehnjähriges Bestehen – und ist somit zu einer echten Institution geworden.

Seit 2005 erhalten die Obolus-Läden nahezu täglich Spenden aus der Bevölkerung, gelegentlich auch von Restaurants oder Firmen. Zumeist handelt es sich dabei um Kleidung, aber auch Bücher, Elektroartikel, Spielzeug oder Fahrräder werden abgegeben. „Ich finde das Projekt super und bringe schon seit Jahren immer wieder Sachen vorbei“, sagt Elke Schneider und übergibt einen Karton mit Kleidung an Thomas Pillatzke. Der 58-Jährige ist einer von 17 ALG II-Empfängern, die sechs Monate lang täglich vier Stunden in der Lerchenstraße arbeiten und dafür zusätzlich zu ihren Sozialleistungen eine Mehraufwandsentschädigung von 1,50 Euro pro Stunde erhalten.

Nachhaltigkeit und Stabilität

Das Ziel des Projekts sei es, die Menschen zu stabilisieren und wieder eine Tagesstruktur herzustellen, erklärt Jens Ruhm, der die Sozialläden koordiniert. „Ich bin froh, dass ich den Job habe“, sagt Pillatzke, als er gerade die angenommene Kleiderspende auf Löcher und Verschmutzungen überprüft. Anschließend landen die Waren in den Regalen des Ladens. Einkaufen darf im „Obolus“, wer Arbeitslosengeld bezieht, Anspruch auf Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz hat oder einen Kiel-Pass, Seniorenpass, Hempels-Mitarbeiterausweis oder Abholausweis der Tafel besitzt. Hinzu kommen Flüchtlinge, die die von den Projekt-Verantwortlichen verteilten Einkaufsgutscheine im Wert von zehn Euro nutzen. Der Laden stellt somit eine Kombination aus Recycling, Arbeitsbeschaffungsmaßnahme und Versorgung von Bedürftigen dar. Dementsprechend sind alle angebotenen Waren für einen geringen Preis zu haben.

„Der Nachhaltigkeitsgedanke ist hier durchaus gegeben“, sagt Ruhm. Während in einigen Regionen Schleswig-Holsteins die Waren der Sozialkaufhäuser aufgrund des großen Ansturms knapp werden, gibt es im „Obolus“ bisher keinen Engpass. „Aber auch bei uns ist das Kundenaufkommen deutlich höher geworden“, berichtet Projektleiterin Ulrike Luft. Koordinator Ruhm spricht ebenfalls von einem Anstieg der Kundschaft um 30 bis 40 Prozent seit Beginn vergangenen Jahres. Demzufolge hoffen die Verantwortlichen, dass auch in Zukunft die Spenden der Kieler Bürger den Weg in ihre Einrichtung finden. Schließlich wird am 1. April ein weiterer Sozialladen in Gaarden eröffnet.

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