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Pärchen wollte Schwangerschaft gewaltsam beenden

Bewährungsstrafe Pärchen wollte Schwangerschaft gewaltsam beenden

Mit Drohungen, Schlägen und Tritten wollte ein Pärchen bei der früheren Freundin des Mannes gewaltsam einen Schwangerschaftsabbruch erzwingen. Das Kieler Amtsgericht hat die Angeklagten am Donnerstag dafür zu Bewährungsstrafen von 16 beziehungsweise zehn Monaten verurteilt.

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Ein Pärchen wurde zu Bewährungsstrafen verurteilt, nachdem es versucht hatte, die Schwangerschaft der Ex-Freundin des Mannes gewaltsam abzubrechen.

Quelle: Arne Dedert

Kiel. Zudem sprach es dem Opfer 2000 Euro Schmerzensgeld zu. Beide Angeklagte hatten die Tatvorwürfe gestanden und sich beim Opfer entschuldigt. Zuvor war ihnen im Zuge einer Verständigung zwischen Gericht, Staatsanwältin, Nebenklage und Verteidigung für ein rückhaltloses Geständnis ein Strafmaß von maximal 18 beziehungsweise zwölf Monaten zugesichert worden.

Der Anklage zufolge traten und schlugen der 29-Jährige und die 20 Jahre alte Mitangeklagte im November 2014 in Kiel auf ihr damals 22 Jahre altes Opfer ein, um deren Schwangerschaft zu beenden. Der Mann bedrohte seine Ex-Freundin demnach mit einem Messer. Die Mittäterin soll ihr eine Bohrmaschine vorgehalten haben. Das Opfer wurde bei der Gewaltattacke mit Klebeband gefesselt. Die Staatsanwältin nannte ein weiteres entwürdigendes Detail: Demnach wurde dem Opfer die Hose heruntergezogen, um zu sehen, ob sie schon blutet.

Es kam aber nicht zu dem Schwangerschaftsabbruch. Den nahm das Opfer später vor, weil Schädigungen des Fötus nicht auszuschließen gewesen seien. Die junge Frau trat in dem Verfahren als Nebenklägerin auf und leidet nach Angaben ihres Rechtsanwaltes noch immer an den Folgen der Tat. Sie sei deswegen noch in psychotherapeutischer Behandlung. Mit dem Geständnis ersparten die Angeklagten ihr eine ausführliche Befragung vor Gericht. Sie hatte zu Beginn der Verhandlung weinend den Gerichtssaal verlassen.

Während der Tat hatte die Angeklagte dem Opfer gedroht: „Wenn Du nicht abtreibst, dann passiert dir ein Unglück“, sagte die Staatsanwältin. Der Angeklagte kommentierte seine Gewalt demnach mit den Worten: „Abtreibung auf türkisch“. Das Gericht sprach von einer Tat, „die weit überdurchschnittlich schwer wiege“. Doch seien die Angeklagten nicht einschlägig vorbestraft und hätten weder vorher noch danach mit Gewalttaten zu tun gehabt. Die Tat sei „überraschend und nicht vollständig zu erklären“.

Auch das Geständnis und die Reue wertete das Gericht strafmildernd. Die junge Frau wird ein halbes Jahr der Betreuung der Jugendgerichtshilfe unterstellt, zudem muss sie ein Opfer-Empathie-Training machen. Sie hatte sich weinend bei dem Opfer entschuldigt und gesagt, sie sei inzwischen selbst Mutter und habe dadurch gemerkt, was sie getan habe.

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Ein Artikel von
KN-online (Kieler Nachrichten)

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