2 ° / -1 ° Schneeregen

Navigation:
Stadtbücherei Kiel zählt 23 000 Nutzer

Bibliothekentag 2016 Stadtbücherei Kiel zählt 23 000 Nutzer

Was früher unter Büchereien zu verstehen war, lag auf der Hand: Bibliotheken empfingen die Besucher in Räumen mit Regalen voller Bücher. Doch der gesellschaftliche Wandel samt Digitalisierung und Online-Ausleihe hat die früheren Büchertempel gravierend verändert.

Voriger Artikel
Feuerwehr Kiel rettet Katze aus Motorraum
Nächster Artikel
Endspurt beim Fotowettbewerb

Bücher, Spiele, Filme, Musik und vieles mehr verwalten (v. li.) Andreas Teichert, Bernd Neumann, Heike Hagen und Achim Bauer.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Wohin die Reise geht, beleuchtet der bundesweite Tag der Bibliotheken am heutigen Montag, 24. Oktober. Die Kieler Stadtbücherei, die bis zu 23000 Nutzer aufsuchen, sieht sich für die Zukunft gut gerüstet. Wer die Zentralbücherei an der Andreas-Gayk-Straße besucht, sieht zwar immer noch Regale voller Printmedien und eine fantasievoll gestaltete Kinderecke. Doch auf so manchen Borden liegen Konsolenspiele und Gesellschaftsspiele wie die „Tribute von Panem“, „Activity“ oder „Mensch ärgere Dich nicht“, auf anderen stapeln sich DVDs, BlueRay-Discs und Musik-CDs. Ganz hinten vertiefen sich vor allem junge Menschen an PC-Arbeitsplätzen in Bücher, währendältere Besucher meist am Rand mit herrlichem Fördeblick auf die Kreuzfahrtschiffe Zeitungen lesen. Auch wenn gedruckte Medien an Bedeutung verlören, bleibe die Gesamtausleihe mit 1,45 Millionen seit 2005 auf gleich hohem Niveau, berichtet Leiter Dr. Andreas Teichert: „Wir sehen die Förderung von Lese- und Medienkompetenz als unsere Aufgabe“ an. Rückgänge bei der Ausleihe von „physisch vorhandenen Medien“ werden zur Zeit noch durch deutliche Zuwächse bei E-Books, vor allem bei der Generation 50+, und anderen Online-Medien kompensiert.

Die Bibliothek als "dritter Ort"

Die Bibliothek als neuer Arbeits- und Lernort, der Raum für Begegnungen schafft: Mit dem Begriff „Dritter Ort“ neben Schule/Beruf und Freizeit beschreiben die Büchereien ihr Selbstverständnis. Die Zentralbücherei, Kiels sieben Stadtteilbüchereien und zwei Kinderbüchereien verstehen sich dabei als Netzwerkpartner für lebenslanges Lernen, Leseförderung und Informationskompetenz, der alle Altersgruppen mit Medien für versorgen will. So habe sich die Zentralbücherei, sagen die Bibliothekare Bernd Neumann und Heike Hagen, immer mehr zum Arbeitsort gewandelt. So kommen etwa Flüchtlinge und Migranten, um für ihre Deutschkurse zu lernen. Die Bibliothek stellt ihnen die entsprechende Literatur für Deutsch zusammen, vermittelt Flüchtlingskindern über Bilderbücher Alltagswissen. Faltblätter in Arabisch, Russisch, Türkisch, Polnisch und Ukrainisch informieren über die Nutzung der Bücherei. Studierende, die für Ausleihen keine Gebühren zahlen müssen, gehören zu den Stammgästen, die mit Vorliebe Lieblingsserien auf DVD ausleihen. Aber die Hochschüler mögen auch den Rückzug an einen Ort, „an dem sie nichts konsumieren müssen und kostenloses W-Lan nutzen können“, so Teichert. Die Folge: Die Arbeitsplätze werden knapp. So manche wandten sich bereits mit der Bitte um Tischreservierungen an das Personal.

Hörbücher, DVDs und BlueRay-Discs bleiben gefragt, auch wenn, wie die Bibliothekare sagen, die „Zeiten enormer Zuwächse im Zeitalter der Streamingdienste der Vergangenheit angehören.“ Super liefen nach wie vor Kochbücher, Anleitungen zu Handarbeiten wie Stricken, Nähen und Häkeln, zum Innenausbau, Lesestoff zu sportlichen Aktivitäten, Tieren und Lebenshilfe. Schach, Angeln und als neuer Trend „Betonbasteln“ bleiben ebenfalls Renner wie die Gesellschaftsspiele, die man sich für vier Wochen ausleihen kann.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3