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Summ, summ, Sommerhonig

Bienen beim Umweltministerium Summ, summ, Sommerhonig

Vier Bienenvölker schwärmen seit November 2015 in die Gärten der Wik aus, um den Nektar zu sammeln. Schon bald wird es Sommerhonig geben – sehr zur Freude des Hausherrn Robert Habeck, der sich am Dienstag von Gerhard Heide in die Geheimnisse des Imkerns einweihen ließ.

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„Sehr süß“: Imker Gerhard Heide (links) und Umweltminister Robert Habeck probieren den Honig der Wiker Buckfast-Bienen vor dem Ministerium.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Ganz klar, Gerhard Heide findet seine vier mal 55000 summenden Honigbienen zum Küssen. Kaum hat er einen der hölzernen Wabenrahmen aus dem Bienenstock gezogen, drückt er kurz einen liebevollen Schmatzer auf die pelzige, vibrierende Oberfläche. „Das ist eine sehr friedliche Rasse.“

Robert Habeck vertraut dem erfahrenen Imker und Landesvorsitzenden der Buckfast-Imker aus der Probstei. Er folgt ihm in den umzäunten Bereich, fährt mit dem Finger über die Wabe und probiert. „Sehr süß!“ Bienen in der Stadt zu haben, sei ein Trend, sagt Habeck über das „kleine Projekt am Wegesrand“. Irgendwann sei die Idee entstanden, selbst Honig zu produzieren und ein Bewusstsein für die Bedeutung der Bienen zu schaffen. „Wir tun bereits eine Menge für Bienen, zum Beispiel mit der Förderung von Blühstreifen.“ Das Pilotprojekt „Greening für Bienen“ soll das Angebot an Blühpflanzen vergrößern. Immerhin liefern die fleißigen Honigbienen nicht nur Honig, sondern bestäuben auch rund 80 Prozent der heimischen Nutz- und Wildpflanzen und sorgen für biologische Vielfalt.

 Klee, Brombeeren, Obsthölzer, Ahorn oder Linden: In der Wik ist der Tisch für Bienen gut gedeckt. Ein Schild hinter der Bushaltestelle informiert Passanten über die Existenz der Bienen, die man in diesem städtischen Umfeld leicht übersieht. Direkt vor den Bienenstöcken ist gerade ein brutaler Rauswurf zu beobachten: Die Bienen setzen ihre unnützen Drohnen unerbittlich vor die Tür. Und erweitern damit den Speiseplan gefiederter Jäger. „Die Wiker Vögel haben gelernt, dass die gut schmecken“, sagt Imker Gerhard Heide schmunzelnd. Bienen wissen genau, wann die Drohnen ihren Dienst getan haben oder wann es Zeit für eine neue, leistungsstarke Königin wird. „Das ist ja wie eine Abwahl“, sagt Habeck grinsend. Um sich kurz darauf zu korrigieren: „Nur dass man danach nicht tot ist.“ Höchstens politisch, aber das ist ein anderes Thema.

 Jetzt schwenkt Heide, der seit 45 Jahren imkert und sich vor 13 Jahren in Krokau selbstständig gemacht hat, den „Smoker“ mit Tülle und Blasebalg. Der Rauch aus dem Smoker „täuscht einen Waldbrand vor“ und stellt die Bienen ruhig, wie Heide erklärt. Die Bienen bereiten sich auf die Flucht vor, indem sie ihre Bäuche mit Honig füllen. Währenddessen kann der Imker ruhig und gefahrlos am Bienenstock arbeiten. „Natürlich wird man auch mal gestochen, aber nur selten.“ Den ersten Honig der Ministeriumsbienen hat Heide im Frühjahr geerntet. Den können Mitarbeiter jetzt in der Kantine kaufen. „Wenn wir nicht so viel Regen gehabt hätten, hätten wir auch schon Lindenhonig“, sagt Heide bedauernd. Alle drei Wochen schaut er bei seinen Bienen vorbei. Ansonsten kümmern sie sich bestens organisiert um sich selbst. „Die haben einen super Putztrieb.“

 Ist die Königin gut, legt sie 2500 bis 3000 Eier – am Tag. Unter Tausenden von Bienen ist sie leicht durch ihren langen Hinterleib, ihre Größe und einen aufgeklebten Punkt zu erkennen. Es gibt fünf Farben, mit deren Hilfe sich das Alter der Königin bestimmen lässt. In der Probstei betreut Heide rund 130 Völker, die er manchmal auch in entfernte Regionen bringt, um andere Honigsorten zu bekommen. Wichtig sei die hohe Qualität des Honigs, sagt Heide. „Man sollte ihn reif schleudern.“ Minister Habeck und Gäste haben an diesem Nachmittag eine Menge über Buckfast-Bienen gelernt. Knutschen wollten sie die sanftmütigen Tierchen dann aber doch nicht.

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Ein Artikel von
Carola Jeschke
Lokalredaktion Kiel/SH

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