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Buddeln in der Förde geben Rätsel auf

Bierkiste Buddeln in der Förde geben Rätsel auf

Wenn die Männer von André Böhme in diesen Tagen vor den kleinen Schleusen ins Wasser steigen, dann gibt es Schrott zu bergen – vom Anker für Seezeichen über Metallplatten, Bombensplitter bis hin zu Bolzen und Maschinenteilen. Dabei machten sie jetzt einen ganz besonderen Fund.

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Eine mindestens 98 Jahre alte Kieler Bierkiste der Brauerei A. Schifferer mit Lübecker Bierflaschen wurde bei der Kampfmittelbergung vor der Holtenauer Schleuse aus dem Schlick geborgen. Feuerwerker André Böhme (links) und Matthias Visser (WSA) sicherten die Kiste auf dem Schlepper „Schwartenbek“.

Quelle: Frank Behling

Holtenau. „Wir haben aber auch Handgranaten und Panzerfäuste gefunden“, berichtet der Leitende Feuerwerker der Firma Sea Terra. Der Berliner ist Leiter der Kampfmittelräumer, die Meter für Meter den Grund vor den kleinen Schleusen untersuchen. Ihr neuester Fund stand möglicherweise seit mehr als 100 Jahren vor der Schleuse auf dem Grund der Förde.

 Etwa 150 Meter vor der Zufahrt auf der Fördeseite legten Taucher einen kompletten Bierkasten frei und holten ihn ans Tageslicht. „Der Taucher ging runter und untersuchte den Gegenstand. Er steckte im Schlick fest“, berichtet Feuerwerker Böhme. Die Form hatte die Größe einer Munitionskiste oder einer U-Bootmine. Nachdem der Taucher das metallische Objekt vorsichtig mit einer Spüllanze freigelegt hatte und sich der Schlamm verzog, staunte er nicht schlecht. „Da stand dann der Bierkasten mit 24 Flaschen vor ihm“, sagt Böhme. Die Kiste wurde unversehrt auf den Schlepper „Schwartenbek“ gehoben und dem Amt gemeldet. „Wir rätseln jetzt natürlich, wie diese Kiste ausgerechnet dorthin kam und wie lange sie da unten auf dem Grund stand“, sagt Matthias Visser, stellvertretender Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Kiel-Holtenau.

 Der Inhalt der 24 Flaschen besteht aus Schlamm, da alle Bügelverschlüsse inzwischen weggerostet sind. Eine Untersuchung des Inhalts fällt deshalb aus. „Man sieht nur noch die Reste der Verschlüsse“, sagt Visser und deutet auf die Flaschenhälse. Es gibt verschiedene Hypothesen, wie der Kasten Bier dort überhaupt hinkam. „Es könnte sein, dass Taucher die Kiste dort im Sommer zur Kühlung abgestellt hatten und sie dann später nicht wiederfanden“, so Visser. Früher war es aber auch üblich, dass die Bierkisten vom Schleusenpersonal an einem heißen Sommertag mit einem Tampen ins Wasser hinabgelassen wurden. Dort könnte sich der Knoten des Tampen gelöst haben – und die Kiste blieb unten. Vor 100 Jahren war Bier für das Personal auf der Schleuse durchaus auch während der Arbeit normal – ein Alkoholverbot gab es erst nach dem Krieg.

Brauerei existierte bis 1920

 Möglich ist aber auch, dass die Kiste schon viel länger auf dem Grund der Förde steht. Die Schleusen wurden von 1887 bis 1895 gebaut, viele Taucher waren dabei im Einsatz. Ein Hinweis ist die in den verzinkten Kasten geprägte Beschriftung „A. Schifferer – Kiel“. „Wir haben herausgefunden, dass diese Brauerei bis 1920 in Kiel existierte. Ein Teil der Bierflaschen stammt zum Teil von der Brauerei Lück aus Lübeck, die von 1866 bis 1988 existierte. Es handelt sich um Flaschen mit Glas-Prägung und Bügelverschluss, wie sie in den Anfangsjahren hergestellt wurden. „Es könnte deshalb gut sein, dass die Kiste dort seit über 100 Jahren auf dem Grund stand“, so Visser.

 Auch jetzt sind wieder viele Taucher dort im Wasser und untersuchen Kontakte, die vorher von Sonargeräten geortet wurden. Eine erste Sondierung ergab rund 1400 Verdachtspunkte vor den Schleusen – alles Dinge, die keinen natürlichen Ursprung haben. „Zunächst werden aber nur die Stellen sondiert, wo wir Bohrungen machen wollen“, sagt Visser. Die Bohrungen sollen Grundlagen für die Planung der neuen Schleusenkammern liefern. „Diese Daten sind wichtig für das Planfeststellungsverfahren.“

 Was jetzt mit der Kiste geschehen soll, ist noch offen. Vorerst steht sie im Büro von Matthias Visser. „Sie würde gut in die neue Schleusenausstellung passen“, findet er.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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