21 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Viele Angebote gehen noch ins Leere

Bildungsbericht 2015 Viele Angebote gehen noch ins Leere

Trotz eines breiten Beratungs- und Betreuungsangebots für Eltern und Kinder sieht die Stadt in wichtigen Bereichen noch großen Nachholbedarf. Dazu zählt laut dem jetzt vorgelegten Bildungsbericht 2015 vor allem die längst nicht ausreichende Bekanntheit der Angebote, ihre noch ungleichmäßige Verteilung im Stadtgebiet sowie der dringend gebotene Ausbau der Kita-Betreuung vor allem vor dem Hintergrund vieler in Kiel lebender Flüchtlingskinder.

Voriger Artikel
Mutter warnte Behörden vor ihrem Sohn
Nächster Artikel
Blankes Entsetzen und massive Kritik in Gaarden

Gemeinsam mit Eltern und ihren Kindern stellten Autorin Annika Poppenborg (rechts) und Bildungsdezernentin Renate Treutel (2.v.re.) den Bildungsbericht zur Lage der Betreuungs- und Beratungssituation in Kiel vor. Im Hintergrund (v. li.) Marina Dimm mit Sohn Marc (2) und Karina Misyura mit Sohn Rafael (2).

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Das erklärte Ziel der Bildungsdezernentin Renate Treutel („Bildung so früh wie nur möglich“) ist vor allem bei unter dreijährigen Kindern mit Migrationshintergrund noch längst nicht erreicht. Ihr Anteil liegt in Kiel zwar bei mehr als 30 Prozent aller Kinder. Doch vor allem in der Altersgruppe der null- bis einjährigen Kinder aus Familien, in „denen nicht vorwiegend Deutsch gesprochen wird“, werden nur neun Prozent in einer Tagespflege betreut. Deutlich unterrepräsentiert, wenn auch nicht ganz so krass, sind ältere Kinder aus Zuwanderer-Familien unter sechs Jahren in den Kitas.

Renate Treutel sieht hier dringenden Handlungsbedarf: „Denn Bildung kann nicht früh genug beginnen, da müssen wir etwas tun.“ Auch andere Kommunen in Deutschland hätten es immer noch nicht geschafft, Kindern mit Migrationshintergrund gleiche Bildungschancen zu eröffnen. Das ändere sich erst sehr langsam. „Es soll und muss aber für uns in Kiel das Ziel sein, diesen Integrationsprozess zu beschleunigen.“

Entdecktes Ungleichgewicht

Dabei helfen soll unter anderem eine Neuausrichtung von Beratungs- und Hilfsangeboten für Eltern. Denn die im Bildungsbericht aufgeführte Auswertung der Daten habe gezeigt: Familien mit wenig Geld oder geringen Deutschkenntnissen erreichten die vielen Angebote oft gar nicht. Entweder, weil sie sie gar nicht kennen oder weil die Art der Hilfestellung nicht ausreichend genug auf ihre Probleme hin zugeschnitten seien. „Hier müssen wir jetzt Ursachenforschung betreiben und daraus dann Schlüsse für Veränderungen ziehen.“ Weiteren Handlungsbedarf offenbart der Bildungsbericht auch bei einer noch sehr ungleichmäßigen Verteilung der Hilfsangebote von Geburtsvorbereitung, Elterntraining, Krabbelgruppen bis zu den großen Familienzentren im Stadtgebiet. Während es davon in Mettenhof, Gaarden-Ost, Dietrichsdorf oder Düsternbrook/Brunswik noch vergleichsweise viele gibt, sucht man sie im Kieler Süden (Moorsee, Meimerdorf, Rönne) oder Norden (Schilksee, Pries, Holtenau) meist vergeblich – und das, obwohl dort zum Teil sehr viele Kinder leben.

Dieses jetzt entdeckte Ungleichgewicht hat die Dezernentin nach eigenem Bekunden „selbst überrascht“. Auch hier müsse die Stadt in einigen Bereichen nun nachsteuern, damit möglichst viele Eltern den gleichen wohnortnahen Zugang zu den Unterstützungsleistungen erhalten könnten.

Das Aufzeigen solcher noch zu schließender Lücken sei genau das Ziel des jetzt aufgelegten Bildungsberichtes gewesen. Umfangreiches Datenmaterial dazu lieferten sechs städtische Ämter, das Statistikamt Nord, 17 Einrichtungen sowie ausführliche Befragungen von mehr als 500 Eltern oder Fachkräften. „Insofern kann man sagen, dass wir durch den Bericht jetzt wirklich mal die Hosen heruntergelassen haben, was die Situation in Kiel betrifft“, betont Renate Treutel. Solche Transparenz gelobt die Dezernentin auch in Zukunft. In zwei Jahren will sie einen weiteren Bericht vorstellen, der den Fortgang der jetzt ins Auge gefassten Pläne zu Bildungs- und Betreuungsangeboten dokumentieren soll.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Events in Kiel

Veranstaltungen in Kiel
Aktuelle Termine, News, Infos.

Anzeige
Mehr zum Artikel
Kommentar

Treffender hätte es Kiels Bildungsdezernentin Renate Treutel nicht auf den Punkt bringen können: Die Stadt hat in Bezug auf die aktuelle Lage zur Betreuung und Beratung von Familien mit Kindern „die Hosen heruntergelassen“.

  • Kommentare
Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3