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Bio-Landwirtschaft für die Ewigkeit

Bauernhof Wittschap Bio-Landwirtschaft für die Ewigkeit

Äcker und Wiesen zu Straßen und Bauplätzen: Dieses Modell mag einzelnen Akteuren zwar Vorteile bringen, ist aber alles andere als nachhaltig. Der Bio-Bauernhof Wittschap an der Rendsburger Landstraße hat sich deshalb gewissermaßen für die Ewigkeit aufgestellt: Er ist jetzt Teil einer Stiftung.

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Christmut Anders führt jetzt einen Stiftungshof. Seine Spielräume sind größer, das Land bleibt dauerhaft der biologischen Landwirtschaft erhalten.

Quelle: Martin Geist

Russee. 1870 entstand Hof Wittschap als Standort für die Schafhaltung von Gut Quarnbek. Bis in die 1990er-Jahre hinein wurde das Anwesen dann durchgängig landwirtschaftlich genutzt, ehe das Aus kam. Erst im Jahr 2003 nahm Christmut Anders die Tradition wieder auf und baute seinen Bio-Bauernhof auf. Gemüsebau, Legehennen, eine Pferdepension, ein Hofladen und soziale Arbeit, das sind die wichtigsten Säulen des Betriebs, der gegenwärtig zehn feste Mitarbeiter und drei Praktikanten beschäftigt.

 Eigentlich läuft damit auf dem Hof, der seit 2005 mit dem offiziellen Segen von Demeter wirtschaftet, alles prima. Selbst ein verheerender Brand im Dezember 2009 konnte die Erfolgsgeschichte nicht bremsen. Pächter Christmut Anders machte sich dennoch Gedanken. „Was ist, wenn ich nicht mehr bin?“, fragte er sich angesichts der Tatsache, dass keine geborenen Erben vorhanden sind.

 Auch die Eigentümerin der von etwa 30 Hektar Land umgebenen Gebäude stellte sich genau dieselbe Frage. Sie beschloss, ihren Besitz zu verkaufen. Und hatte dabei keineswegs stur den besten Preis im Sinn, wie Christmut Anders betont: „Das lief unheimlich fair und freundschaftlich.“ Was der Landwirt umso höher bewertet, als es durchaus Interesse von Unternehmen gab, die das Gelände mit Wohnungsbau versilbern wollten.

 Was die Sache vor allem einfach machte, war das gemeinsame Ziel. Sowohl die Eigentümerin als auch die Leute von Hof Wittschap strebten an, Gebäude und Gelände auf Dauer für die Landwirtschaft zu erhalten. Und genau an diesem Punkt kam die Rudolf-Steiner-Stiftung für die Landwirtschaft ins Spiel. „Agrarland aus Privatbesitz und dem immer wieder mit Steuern behafteten Erbstrom herausnehmen und in die Gemeinnützigkeit zu überführen“, das ist laut Anders ein wichtiges Anliegen dieser Stiftung.

Landwirtschaftlich orientierte Stiftung

 Was konkret bedeutet, dass die Stiftung Hof Wittschap gekauft hat und per Überlassungsvertrag dem bisherigen Pächter übergab. Der ist nun seinerseits Stiftungsmitglied, bezahlt statt Pacht Tilgungsraten und erfreut sich eines Spielraums, der „erheblich größer“ ist als vorher. In dieser rein landwirtschaftlich orientierten Stiftung sei es viel einfacher, Projekte auf den Weg zu bringen als bei einem Hof, der fachfremden Eigentümern gehört, formuliert Anders den großen Unterschied.

 Auch die Mitarbeiter haben seit dem Wechsel, der gegenwärtig in den letzten formalen Zügen liegt, ein „ganz anderes Wir- und Hofgefühl“ entwickelt, schildert Anders. Derweil ändert sich für die Kundschaft von der Sache her nichts, außer dass sie im Wissen einkauft, einen Hof mit echter Perspektive zu unterstützen.

 Was aus Sicht des Wittschap-Teams umso wichtiger ist, als Land eben nicht vermehrbar ist. Die Stiftung mache es möglich, „ein Stück gesunde Kulturlandschaft zu erhalten mit Knicks, mit einem natürlichen Bodenleben und mit allen Tieren, Pflanzen und Menschen, die dazugehören“, heißt es auf der Homepage des Hofes.

 Unterstützt werden kann dieses Nachhaltigkeitsprojekt auch durch Spenden. Die gehen nicht an die Betreiber, sondern an die Rudolf-Steiner-Stiftung, die das Geld unmittelbar in den Hofkauf investiert. Damit kann die Tilgung entsprechend gedrückt werden, um mehr Freiraum für Investition direkt in den landwirtschaftlichen Betrieb zu gewinnen.

 Kreative Finanzierungsideen gab es auf Wittschap schon früher. Vor zwei Jahren führte man eine „Huhn-Aktie“ ein, mit der sich Kunden an der Finanzierung einer mobilen Legehennen-Anlage beteiligten, um auf der anderen Seite entsprechend günstiger die Eier zu kaufen. Etwa 90 Aktionäre gibt es bisher, die Erfahrungen sind fast durchweg positiv.

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