18 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
Immer mehr Raser gehen ins Netz

Blitzer-Bilanz der Stadt Immer mehr Raser gehen ins Netz

Schlechte Zeiten für Raser: Immer mehr von ihnen gehen in die Foto-Falle. Das belegt die beachtliche Blitzer-Bilanz der Stadt für das vergangene Jahr. Rund 141000 Temposünder fuhren 2015 in die Radarfallen – das sind gut zehn Prozent mehr als die 127500 Geschwindigkeitsverstöße aus dem Vorjahr.

Voriger Artikel
Krach um die Kiel-Marke
Nächster Artikel
Alles eine Frage der Perspektive

Seit Juni sind immer zwei Blitzersäulen gleichzeitig scharfgestellt. Das zusätzliche Messgerät sorgte für einen deutlichen Anstieg der geahndeten Verstöße.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Im Schnitt fuhren die Belangten bei erlaubter Höchstgeschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde 62 km/h. Der schnellste Raser war bei Tempolimit 100 mit 91 km/h mehr unterwegs. Ein Regelverstoß, der ihn teuer zu stehen kommt.

 Besonders groß ist der Zuwachs bei den Rasern, die von den sechs fest installierten Blitzersäulen (siehe Grafik) abgelichtet wurden. Hier stieg die Zahl der Geblitzten von 16000 im Jahr 2014 auf 23000, ein Zuwachs um fast 44 Prozent. Auch wurden 865 Rotlichtverstöße registriert – 2014 waren es noch 650.

 Der Anstieg bei der Zahl der Raser lässt jedoch kaum Rückschlüsse auf das Fahrverhalten der Kieler zu. Vielmehr sind zwei neue Blitzersäulen, die seit April am Exerzierplatz und der Ecke Eckernförder Straße/Eichhofstraße stehen, sowie ein weiteres Messgerät dafür verantwortlich. „Durch den Einsatz eines zweiten Messgerätes ab Juni 2015 hat sich die Anzahl der feststellbaren Verstöße erhöht“, erklärte Joachim Kläschen, Pressereferent der Stadt. Zuvor war neben zwei mobilen Blitzanlagen immer nur eine der Säulen scharfgestellt. „Auch der Einsatz von neuer Technik hat die Fotoqualität verbessert“, ergänzte Kläschen. Somit habe sich auch die Anzahl der verwertbaren Fälle erhöht.

 Das System in den Säulen misst das Tempo aller Fahrzeuge im Erfassungsbereich. Jede ist mit zwei hochauflösenden Digitalkameras mit unterschiedlichen Brennweiten ausgerüstet. Nach Angaben des Herstellers Vitronic werden von jedem Verstoß fokussierte Beweisbilder mit Kennzeichen- und Fahrererkennung geliefert. Das funktioniere auch in dichtem Verkehr und bei Spurwechseln. Bis auf die Anlage in der Prinz-Heinrich-Straße in der Wik, bei der die Kreuzung zu breit ist, fotografieren die Stehlen auch Rotlichtverstöße. Die Säule an der Schönkirchener Straße hat die meisten Fotos geschossen. „Das ist vermutlich auf eine dort höhere Zahl von Ortsfremden zurückzuführen, die Richtung Meer unterwegs sind“, sagte Kläschen.

 Wie hoch die Einnahmen der Stadt durch Verwarn- und Bußgelder im vergangenen Jahr waren, steht erst im Herbst mit dem Jahresabschluss für das Haushaltsjahr 2015 fest. Die Verwaltung vermutet, dass sie bei ungefähr 502000 Euro (352000 Euro im Vorjahr) liegen werden, denen Sachkosten von 191850 Euro plus Personalkosten gegenüberstehen. Alle Einnahmen gehen in den Haushalt der Stadt.

 Eine Anschaffung weiterer Säulen sei „grundsätzlich nicht ausgeschlossen“, sagte Kläschen. Schließlich habe auch eine nicht mit einer Kamera bestückte Säule eine Wirkung. Die Stadt prüfe stets mit Landespolizei und Unfallkommission, ob das Aufstellen einer Säule an kritischen Stellen technisch und rechtlich möglich sei. „Sollten sich bedeutende Unfallschwerpunkte offenbaren, würde sicherlich auch die Möglichkeit erwogen, eine stationäre Anlage zu installieren“, sagte Kläschen.

 Ungestraft davon kommen nur Raser, deren Fahrzeuge im Ausland gemeldet sind. Fahrer aus Österreich, der Schweiz und den Niederlanden versucht die Stadt zu ermitteln. Oft übersteige der Aufwand aber die Erfolgsaussichten. „Die Rücklaufquote der Anfragen ist insoweit leider sehr gering“, sagte Kläschen.

Das kostet das Rasen in der Stadt

Wie teuer es für geblitzte Temposünder wird, ist detailliert im Bußgeldkatalog des Bundesverkehrsministeriums geregelt.

Demnach zahlen Pkw-Fahrer, die innerorts zehn Stundenkilometer zu schnell unterwegs waren, 15 Euro, bei 11 bis 15 km/h über Tempolimit 25 Euro, von 16 bis 20 km/h 35 Euro. Ab einer Tempoüberschreitung von 21 km/h gibt es zusätzlich zum Bußgeld (80 Euro bis 25 km/h, 100 bis 30 km/h) einen Punkt beim Kraftfahrtbundesamt in Flensburg. Ab 31 km/h über Tempolimit kostet das Rasen 160 Euro, zwei Punkte und einen Monat Fahrverbot. Drei Monate aufs Auto verzichten muss, wer über 60 km/h zu schnell fährt. Dazu gibt es zwei Punkte in Flensburg und ein Bußgeld von 480 Euro, ab 71 km/h schneller als erlaubt sogar 680 Euro.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Events in Kiel

Veranstaltungen in Kiel
Aktuelle Termine, News, Infos.

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3