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Der „Blücher“ – Spiel- oder Parkplatz?

Kiel Der „Blücher“ – Spiel- oder Parkplatz?

Freie Plätze in einer dichtbebauten Stadt sind Mangelware und bergen Interessenkonflikte. Anwohnern nutzen den Freiraum zum Parken, Kinder spielen dort einfach gern.

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Eltern wünschen sich nach Ende des Wochenmarktes auf dem Blücherplatz eine Spielfläche für Kinder, bevor dort wieder Autos parken.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Besonders der Blücherplatz weckt Begehrlichkeiten. An Markttagen besteht hier ein Parkverbot bis 17 Uhr. Das wollte jetzt eine Gruppe von Eltern aus Angst um ihre Kinder durchsetzen und informierte das Ordnungsamt. Darüber haben sich die Anwohner geärgert, weil sie nach dem Abbau der Stände in der Regel schon ab 13 Uhr ihre Wagen abstellen.

 Die Situation in Kiel ist allgemein angespannt: Seit 2008 ist die Zahl der zugelassenen Pkw deutlich gestiegen, und immer mehr Knöllchen wurden verteilt. Dennoch bewertet die Stadt das Parkplatzangebot in Kiel als gut, auch wenn derzeit der ZOB abgerissen wird und damit zunächst mehrere 100 Stellplätze wegfallen.

 Besonders an den Abenden vor den Wochenmärkten ist die Parksituation rund um den „Blücher“ ziemlich angespannt. Anwohner fahren sonntags oder mittwochs lange im Quartier umher, um einen Stellplatz zu finden. Sobald der Platz an Montagen und Donnerstagen wieder geräumt ist, sichern sich viele Anwohner auf dem Blücherplatz sofort eine Ecke für ihren Pkw – und fahren dabei recht zügig. Das hat zum wiederholten Mal Eltern auf die Zinne gebracht. Gleich neben dem Blücher liegt ein Spielplatz, der gut besucht wird. Viele Kinder spielen zudem auf dem Asphalt Fußball, Versteck oder kurven mit ihren Rädern und Skateboards umher. Eine Gruppe von Erziehungsberechtigten wollte jetzt zumindest an den Markttagen den Platz bis 17 Uhr freihalten und ging mit dem Ansinnen zum Ordnungsamt.

 Am vergangenen Donnerstag war die Aufregung groß, als Mitarbeiter der Stadt hinter die Windschutzscheiben der parkenden Pkw Zettel hefteten. „Das waren nur Hinweisschreiben. Es wurden weder Knöllchen verteilt noch Wagen abgeschleppt“, sagte Ordnungsamtsleiter Frank Festersen. Damit sollten die Parker sensibilisiert werden, auf die spielenden Kinder zu achten und nicht zu schnell zu fahren. „Aber wir haben hier einen Park- und keinen Spielplatz“, so Festersen. Wegen des Parkdrucks im Quartier würden die Amtsmitarbeiter auch künftig keine Tickets schreiben, wenn Autos vor 17 Uhr abgestellt werden würden. Der Parkverkehr hätte einfach Priorität, so der Ordnungsamtsleiter. Das sehen die meisten Anwohner genauso: „Der Markt endet doch um 13 Uhr. Wegen der angespannten Situation sollte das Parkverbot besser schon um 15 Uhr aufgehoben werden“, sagte Christian Hütter.

 Mit Ausnahme der engen Wohnquartiere verweist die Stadt auf ein gutes Angebot. „Für die City bis einschließlich Gaardener Ring stehen etwa 6000 Parkplätze zur Verfügung“, sagte Arne Ivers vom Presseamt. Die Daten aus dem Parkleitsystem belegten, dass das Angebot in den privaten Parkhäusern der Altstadt nie wirklich ausgelastet sei. Dabei ist die Zahl der zugelassenen Pkw von 118501 in 2008 auf 126084 in 2014 gestiegen. Hinzu kommen zahlreiche Pendler, die tagaus tagein nach Kiel fahren. Trotz der oftmals nicht belegten Parkhäuser sind die Ordnungswidrigkeiten im ruhenden Verkehr gestiegen: Waren es 2012 noch 92994 Fälle, zählte die Behörde im vergangenen Jahr 110879 Verstöße. „Ein Grund dafür ist, dass wir seit fünf Jahren die Planstellen von damals 21 auf jetzt 27 erhöht haben“, sagte Christoph Cassel, stellvertretender Ordnungsamtsleiter. Die niedrige Zahl aus 2012 sei dem kalten Winter geschuldet: Viele Kieler hätten ihren Pkw nicht bewegt und seien auf öffentliche Verkehrsmittel umgestiegen.

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Ein Artikel von
Günter Schellhase
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