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Kieler Bob-Team startet in Winterberg

Landesmeisterschaften Kieler Bob-Team startet in Winterberg

1600 Meter mit 15 Kurven in 60 Sekunden – mit diesen Maßen sorgt die Bobbahn in Winterberg bei allen, die sich den Eiskanal hinunterstürzen, für Adrenalinausschüttungen der besonderen Art. Am 27. Februar werden dort die schleswig-holsteinischen Landesmeisterschaften ausgetragen.

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Was die Jamaikaner bei Olympia können, macht auch den Norddeutschen Spaß: Vor 25 Jahren gründeten einige Kieler einen Bobclub und donnern, genau wie die Profis, mit einem Viererbob im rasanten Tempo die Eisbahn herunter.

Quelle: Reuters

Kiel.  Fünf Teams gehen in blau-weiß-roten Trikots an den Start, alle gestellt vom 1. Kieler Bobclub, dem einzigen in Schleswig-Holstein. Der Verein, der im vergangenen Jahr 25-jähriges Bestehen feierte, zählt aktuell 25 Mitglieder und war ursprünglich eine Männerrunde, die sich jeden Montag zum Kicken traf. Als die Idee aufkam, einen eigenen Verein zu gründen, sollte es etwas Besonderes sein. „Wir wollten nicht irgendein normaler Fußballverein sein“, erzählt Gründungsmitglied Olaf Albrecht (48). 1990 wurde zum Geburtsjahr des Bobclubs, der zunächst nur Fußball spielte. „Irgendwann fanden wir, dass wir als Bobclub auch mal Bob fahren müssten“, erinnert sich Albrecht, der im Viererbob saß, als die Kieler sich in Oberhof erstmals in den Eiskanal wagten. Pilot des Bobs, der vom Damenstart losfuhr, war DDR-Olympiasieger Wolfgang Hoppe. „Er hat sich gefreut, dass die Konkurrenz jetzt auch aus dem Norden kommt“, erzählt Albrecht.

Landesmeisterschaft in NRW

 Weil die Bahn in Winterberg schneller ist und die Kieler dort die gesamte Bahnlänge nutzen dürfen, tragen sie ihre Landesmeisterschaft inzwischen in Nordrhein-Westfalen aus. Dabei übernehmen vorn erfahrene Piloten vom BSC Winterberg das Kommando, die im Alltag Taxibob für Touristen spielen. „Die freuen sich immer, wenn wir mit sportlichem Ehrgeiz kommen“, sagt Albrecht. Der Landesrekord im Viererbob, aufgestellt im vergangenen Jahr, liegt aktuell bei 60,54 Sekunden. Wilfried Hoops, mit 59 Jahren ältestes Clubmitglied, saß im Rekordbob. Die Mitfahrer müssten sich „ungeachtet des ganzen Gerumpels stabil und ruhig verhalten“, erklärt er. Wichtig sei es, eng zusammenzusitzen, sodass keine Luftverwirbelungen entstehen. Denn das gehe zulasten der Zeit. „Die Weltspitze ist in Winterberg etwa sechs Sekunden schneller als wir“, berichtet Hoops. „Dagegen sind wir Kreisklasse.“ Vor allem beim Einsteigen verlieren die Kieler wertvolle Zeit. Schließlich kann man das in Schleswig-Holstein nicht trainieren. Und so komme man erst relativ spät zu den Höchstgeschwindigkeiten von etwa 130 Kilometern pro Stunde.

 „Alle Muskeln anspannen, Kopf gerade und atmen“, so fasst der Vereinsvorsitzende Niklas Schomburg das Erfolgsrezept zusammen. Der 26-Jährige kam über seinen Vater zum Verein und ist derzeit jüngster Fahrer des Bobclubs. „Eigentlich war ich von Anfang an dabei“, erinnert er sich. Aber fahren dürfe man erst ab 18 Jahren. Er selbst war 20 Jahre alt, als er erstmals in den Viererbob stieg. „Ich bin vorher an der Bahn entlanggegangen. Das Gefälle und der schmale Kanal, das flößt einem schon Respekt ein.“

"Man merkt jeden Hügel"

 Angst habe er als großer Achterbahn-Fan jedoch nicht gehabt, sagt Schomburg. Bobfahren sei eben nur noch intensiver. „Man merkt jeden kleinen Hügel in der Bahn.“ Dabei fahren die Kieler ausschließlich im Vierer, der stabiler ist als der kleinere Zweierbob. „Die Fahrt ist schon aufregend“, gibt Wilfried Hoops zu. „Das ist Adrenalin pur.“ Und Wolf Paarmann, der zweimal im Landesmeister-Bob saß, sagt sogar : „Nach jeder Fahrt beschließe ich, mich nie wieder in in diesen Eiskanal zu stürzen. Und dann tue ich es doch. Es ist ein unglaubliches Erlebnis.“ Unglaublich war es insbesondere im vergangenen Jahr, als die Kieler im Rahmen der Weltmeisterschaften starteten und ihre Fahrt im Anschluss an das Profi-Rennen auf der Großleinwand übertragen wurde. Zwischen Respekt vor und Rausch der Geschwindigkeit haben die Bobfahrer vor allem ein Ziel: Die 60-Sekundenmarke als erster Bob aus Schleswig-Holstein zu knacken.

 Nachwuchssorgen kennt der 1. Kieler Bob Club, der auch abseits der jährlichen Meisterschaften über ein reges Vereinsleben mit Jahreshauptversammlung und Sommerfest verfügt, nicht. In Spitzenzeiten hatte er 40 Mitglieder. Manche von ihnen steigen allerdings nur ein einziges Mal in den Bob. „Dann sind sie durch damit und bleiben uns höchstens als passives Mitglied erhalten“, erzählt Hoops. Denn die Fahrt gehe doch ganz schön in den Rücken. „Da tut einem alles weh“, sagt er. Der Bob sei eben eine Art Blechkiste auf dem Eis.

Von Julia Paulat und Merle Schaack

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