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Beleidigungen an den Sperrposten

Bombenentschärfung in Kiel Beleidigungen an den Sperrposten

Renitente Kieler haben es der Polizei am Freitag vor der Entschärfung der Weltkriegsbombe in Wellingdorf nicht leicht gemacht. Viele Anwohner wollten Haus oder Wohnung nicht verlassen und mussten erst mühsam überredet werden. Andere waren erbost über die Straßensperrungen und beleidigten die Beamten an den Sperrposten.

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Polizist Volker Belitz blickt auf den leeren Ostring. Normalerweise sind an einem Freitagvormittag die Fahrspuren in beiden Richtung voller Wagen. Da auch die Schönberger Straße gesperrt war, mussten die Autofahrer lange Umwege in Kauf nehmen.

Quelle: Volker Rebehn

Kiel. Erst mit einer Verspätung von weit über einer Stunde konnten die Experten mit ihrer Arbeit beginnen und nach 13 Uhr Vollzug melden. Über drei Stunden waren Ostring und Schönberger Straße gesperrt.

Fast eine Stunde schraubten die Experten vom Kampfmittelräumdienst an Kopf- und Heckzünder. „Das ist schon relativ normal bei zwei Zündarten“, sagte der stellvertretende Leiter Georg Ocklenburg. Der 500 Kilo schwere Blindgänger aus US-Produktion lag in viereinhalb Meter Tiefe auf dem mittleren Sportplatz hinter der Theodor-Storm-Gemeinschaftsschule. Das Grünflächenamt hatte die Munitionsräumer um eine Sondierung gebeten, weil der Bereich bearbeitet werden soll. „Wir haben neue Karten aus England bekommen und hier insgesamt 18 Verdachtspunkte lokalisiert. Gleich die erste Stelle war ein Treffer“, erzählte Ocklenburg. Da die Bombe aber tief und somit ruhig lag, habe keine Gefahr für die Schüler bestanden – die Erschütterungen durch Sport seien nicht zu dem Sprengkörper durchgedrungen. Die anderen Verdachtspunkte sollen jetzt zügig abgearbeitet werden.

 Während die Crew um Ocklenburg wie immer äußerst professionell agierte, verhielten sich viele Wellingdorfer wie Amateure: „Die Menschen haben den Grund der Straßensperrungen nicht akzeptiert und die Beamten beschimpft“, sagte Polizeisprecher Matthias Arends. Seine Kollegen schrieben eine Anzeige wegen Beleidigung, weil die Wortwahl äußerst drastisch war. „So etwas haben wir bisher auch noch nicht erlebt“, sagte Arends.

 Zudem tauchten immer wieder Wellingdorfer in dem Sperrbezirk auf, die von der gefährlichen Entschärfung nichts gewusst haben wollen. So berichtete beispielsweise eine Frau an der Straßensperre den Polizisten, dass ihr Mann noch in der Wohnung vor dem Fernseher sitze – eine Streifenwagenbesatzung musste wieder los und den Rentner aus dem Sperrbezirk holen. Die Rettungskräfte benötigten auch ihre Zeit, das Awo-Servicehaus an der Wischhofstraße zu räumen. „Viele Senioren wurden auf andere Einrichtungen verteilt. Wir hatten auch zwei Liegendtransporte“, sagte Feuerwehreinsatzleiter Martin Guttchen.

 Mensa und Sporthalle der Ellerbeker Grundschule waren als Notunterkünfte gut belegt. Mitarbeiter vom DRK boten Getränke an und versorgten die bis zu 100 vornehmlich älteren Menschen. Eine Runde gut gelaunter Frauen hatte es sich an einem Tisch bequem gemacht und ließ den Würfelbecher bei einer Partie Kniffel kreisen. „Wir kennen uns alle, weil wir in direkter Nachbarschaft wohnen und haben uns hier verabredet“, erzählte Karin Kuszawa. Während die Frauen ihren Spaß hatten, bekamen die Autofahrer auf Ostring und Schönberger Straße immer schlechtere Laune, je länger die ganze Aktion dank renitenter Kieler dauerte.

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Ein Artikel von
Günter Schellhase
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Foto: Der 500 Kilogramm schwere Blindgänger aus dem 2. Weltkrieg war ab 12:13 Uhr entschärft worden.

Die in Wellingdorf aufgefundene Fliegerbombe ist am Freitagmittag erfolgreich durch Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes entschärft worden. Die Arbeiten verliefen ohne nennenswerte Probleme. Sämtliche Straßensperrungen sind ab sofort aufgehoben, die betroffenen Personen können zurück an ihre Arbeitsplätze und in ihre Wohnungen.

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