23 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Ein Hauch Heimat auf der Bühne

Bootshafen Kiel Ein Hauch Heimat auf der Bühne

Flüchtlinge sind eine kulturelle Bereicherung, wird oft gesagt. Am Freitag wurde es gezeigt. Unter dem Motto „Bühne frei für Geflüchtete“ traten beim Bootshafensommer durchweg Formationen auf, in deren Besetzung und Beiträgen persönliche Erfahrungen mit Flucht mitschwangen.

Voriger Artikel
Schwänlein werden erwachsen
Nächster Artikel
Mann, ist das 'ne Wurst

Massoud Faarjam Saidi flüchtete 2007 aus dem Iran und ist solidarisch mit den Flüchtlingen von heute: „Ich kenne die Situation sehr gut, ich war einer von ihnen.“

Quelle: Martin Geist

Kiel. Mehrmals in der Hansa 48 und einmal im Kulturforum hatte es in Kiel bereits „Bühne frei für Geflüchtete“ geheißen. Doch während es bei diesen Gelegenheiten stets um ein einzelnes Land gegangen war, bekamen nun gleich mehrere Krisenregionen ein Forum: Iran, Somalia, Eritrea, Afghanistan und Syrien selbstverständlich. Bewusst wurden laut Kulturreferent Rainer Pasternak sowohl ambitionierte Laien als auch Künstler mit professionellem Anspruch gemischt. Und er betont: „Wir hätten noch viel mehr Leute auftreten lassen können. Es ist unglaublich, wie viele interessante Künstler es gibt.“

 Vielleicht zu den interessantesten gehört die Iranerin Mina, die einst in ihrer Heimat eine landesweit populäre Künstlerin war. In verschiedenen Sprachen, mit Sprechgesang und Tanzperformance, setzte sie sich mit dem unter tätigem Zuschauen des Westens acht Jahre lang geführten Iran-Irak-Krieg auseinander und mit den Gefühlen der betroffenen Menschen: „Wir hatten keine Hoffnung mehr.“

Obwohl Open-Air-Events wie der Bootshafensommer immer auch etwas Volksfestartiges haben, war es während des Auftritts der Iranerin bemerkenswert still in den Reihen. Das Publikum verfolgte die Vorstellung fasziniert, gebannt und bedrückt.

 „Was für eine Frage, ob ich solidarisch bin“, entgegnet Massoud Faarjam Saidi dem KN-Reporter. Der Gitarrist und Sänger ist schon vor mehreren Jahren geflüchtet und inzwischen angekommen in Europa. Musik studiert er, als Künstler fliegt ihm die Anerkennung nur so zu. Die Anfänge hat er darüber nicht vergessen und fühlt entsprechend mit, wenn er an die aktuellen Flüchtlinge denkt: „Ich kenne die Situation sehr gut, ich war einer von ihnen.“

 Ein vor anderthalb Jahren geflüchteter Syrer, eine Deutsche, ein vor 35 Jahren eingewanderter Tunesier und ein Deutsch-Brasilianer treffen sich derweil in der „Oriental Band“, die im Bootshafen – na was wohl – Weltmusik machte. Im Repertoire der Gruppe finden sich dabei gänzlich unexotische Stücke wie „Die Gedanken sind frei“.

Auch wenn es weit weg scheint, auch Deutschland hatte in seiner Geschichte Epochen mit einem echten Bedarf an Freiheitsliedern.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Kieler Förde

Schiffspositionen in
der Kieler Förde, dem
NOK und der Ostsee.

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3