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Markthalle wird für Flüchtlinge genutzt

Bootshafen Markthalle wird für Flüchtlinge genutzt

Die Markthalle am Bootshafen in Kiel ist seit Freitag eine Notunterkunft für 300 Transitflüchtlinge. Die Stadt Kiel musste reagieren, weil der Seehafen den Ostseekai ab Sonnabend für die Abfertigung benötigt, und mietete das Gebäude zum symbolischen Preis von einem Euro über die Deutsche Immobilien AG von der Stena Holland B.V.

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Die Markthalle am Bootshafen in Kiel wurde am Freitagnachmittag unter Hochdruck von Feuerwehr und Hilfsdiensten eingerichtet.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Blau-weiße bayerische Fahnen baumeln von der Decke, Theken umsäumen die große Tanzfläche in der Markthalle. Vieles in den Räumen erinnert noch an vergangene Zeiten, in denen hier zu Blasmusik gezecht und getanzt wurde. Seit mehr als fünf Jahren stand das Etablissement am Bootshafen leer. Freitag zog mit zahlreichen Flüchtlingen erstmals wieder Leben in die Markthalle ein. Hier schlafen Asylbewerber, die nach Schweden wollen. Die Stadt bietet bis auf weiteres täglich 300 Menschen eine Unterkunft für die Nacht. Sie mietet die Immobilie in unmittelbarer Nähe von Bahnhof und Kreuzfahrtterminals zum symbolischen Betrag von einem Euro pro Monat über die Deutsche Immobilien AG von der Stena Holland B.V. An die richtete sich auch der Dank von Oberbürgermeister Ulf Kämpfer: „Dass die Notunterkunft so kurzfristig realisiert werden konnte, ist eine tolle Wendung.“

Seit dem Morgen säubern Mitarbeiter einer Reinigungsfirma den Boden und die Toiletten. WC- und Duschcontainer werden aufgestellt. Techniker überprüfen Stromkreise und Brandmeldeanlage. Tischler verkleiden gefährliche Ecken und schaffen kleine Rückzugsmöglichkeiten. Feuerwehrmänner tragen Strohballen aus der Markthalle, die ehemals als Verzierung dienten. „Wir räumen die Brandlasten raus, um den Flüchtlingen die höchstmögliche Sicherheit zu bieten“, sagt Kiels Feuerwehrchef Thomas Hinz, der sich am Mittag selbst einen Überblick verschafft. Alles muss schnell gehen, denn die Notunterkunft Ostseekai soll bis 18 Uhr geräumt werden. „Wir erwarten hier heute zwei Kreuzfahrer und benötigen den Terminal zur Abfertigung der Passagiere“, sagt Seehafen-Sprecher Ulf Jahnke.

Die Feuerwehr ist fix bei der Sache und klart den Ostseekai bis 14 Uhr auf. Lkw mit den einfachen Feldbetten und Kartons voller Decken treffen nach und nach am Bootshafen ein. Feuerwehrmänner und Mitarbeiter der Hilfsdienste heben sie von den Ladeflächen und stellen sie neben den Bars und auf der Tanzfläche auf. Berge mit Wasserflaschen türmen sich schon in einigen Ecken der Halle. Mitarbeiter es Objektschutzes schauen sich die Räumlichkeiten an. Sie sorgen hier in den Nächten für Sicherheit. Feuerwehrchef Hinz hängt derweil wieder am Telefon und organisiert. „Ein Cateringservice bringt am Abend die Verpflegung. Jeder wird hier sehr gut versorgt. Wir haben mit Landeskundlern die Speisen abgestimmt“, erklärt er.

Gegen 19 Uhr ist die Markthalle hergerichtet. Wenig später treffen die ersten Flüchtlinge ein, die hier schlafen müssen, weil sie keinen Platz mehr auf der Stena-Fähre bekommen haben. „Am Morgen waren 300 Menschen am Schwedenterminal, wir können aber nur 60 mitnehmen, weil die Fähre mit Wochenendausflüglern ausgebucht ist“, sagt Stena-Sprecher Martin Wahl. Die Polizei habe nur den 60 Menschen Einlass ins Gebäude gewährt, die auch ein Ticket haben. Den Tag über warten die etwa 240 Asylbewerber in einem Gepäckzelt am Ostseekai, dass der Seehafen dafür noch vorhält. Abends gehen die Flüchtlinge dann in Markthalle. „Heute können wir von der Stena voraussichtlich nur 100 Personen mitnehmen. Wir schieben täglich einen Berg vor uns her“, sagt Wahl.

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Foto: Vor dem Stena-Terminal drängen sich frisch angekommene Flüchtlinge und hoffen auf Tickets für die Überfahrt nach Göteborg.

Die nächtliche Betreuung der Transitflüchtlinge in der Markthalle wird neu organisiert: Die Stadt sucht dafür dringend freiwillige Helfer. Ziel ist es, dass sich die Berufsfeuerwehr schrittweise aus der Notunterkunft zurückzieht und ihr Betreuungsmodul wieder bei anderen Notfällen einsetzen kann – etwa, wenn Menschen durch einen Brand obdachlos werden

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