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Brandanschlag sollte Kuttenraub rächen

Prozess Brandanschlag sollte Kuttenraub rächen

Hat ein Ex-Anhänger der „Mongols MC Kiel“ dem Chef eines gegnerischen Rockerclubs das Auto angezündet, um sich die begehrte Kutte und die Mitgliedschaft bei den Mongols zu verdienen? Der Angeklagte (29) schweigt zum Prozessauftakt vor dem Kieler Schöffengericht. Ihm werden zudem vier gewaltsame Übergriffe auf seine Ex-Freundin vorgeworfen.

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In Kiel steht ein Ex-Rocker vor Gericht. Er soll ein Auto angezündet haben.

Quelle: pfn

Kiel. Bei der Vorgeschichte der Rockerfehde zwischen den mittlerweile aufgelösten Mongols und einer konkurrierenden Gang aus dem Umfeld der Hells Angels spielte der Angeklagte höchstens eine Nebenrolle: Während der Kieler Woche 2012 geraten Mitglieder der generischen Clubs aneinander, dabei verliert der „Sergeant in Arms“ der Mongols seine Kutte – mehr Demütigung geht nicht unter Rockern.

Zwar können sich die Chefs der Gangs auf eine schnelle und diskrete Rückgabe der identitätsstiftenden Lederweste einigen. Doch der Verlierer will den Gesichtsverlust nicht auf sich beruhen lassen und fordert Vergeltung. Seine Gespräche mit dem Mongol-Chef über eine Racheaktion werden von Kripobeamten abgehört. Dabei kommt der Angeklagte ins Spiel.

Als „Hangaround“ disqualifizierte der ehemalige Präsident der Mongols (35) in seiner Zeugenaussage den Angeklagten. Ein untergeordneter Befehlsempfänger, der gerne Mitglied werden wollte, aber erstmal nur das Clubheim reinigen durfte. Der Anweisung des „Sergeant in Arms“, den Pkw des Gegners abzufackeln, habe sich der Bewerber mehrmals widersetzt.

Immer wieder betont der Ex-Präsident, der wegen diverser Gewalt-, Waffen- und Drogendelikten eine sechsjährige Freiheitsstrafe verbüßt, der Brandanschlag vom 28. Februar 2013 sei keine Clubangelegenheit gewesen. Sondern Privatsache des gedemütigten Sergeants. „Er war verletzt, wollte Rache haben“, sagt der 35-Jährige. „Er wollte ihm den Kopf abschneiden, ihn erschießen, mit dem Beil übern Kopf hauen, ihm das Haus anzünden…“

Er selbst habe dagegen jeden Ärger mit anderen Clubs vermeiden wollen, so der Zeuge weiter. „Wir standen unter intensiver Beobachtung der Polizei.“ Zur Schadensbegrenzung habe er dem aufgebrachten Sergeant geraten, sich mit dem Gegner zu schlagen oder ihm „das Auto zu kratzen“.

Heute, sagt der Ex-Chef der Mongols, habe er „zu all diesen Leuten keinen Kontakt mehr“. Die Rockerzeit sei Vergangenheit und solle es bleiben. Warum er seinen Ex-Sergeant mit seiner Aussage belaste, fragt die Vorsitzende Richterin. „Weil ich gesehen habe, dass wir keine Brüder sind“, antwortet der Ex-Präsident.

Nach diesem Einblick in die Rockerpsyche versucht der Verteidiger, den Angeklagten mit einer Theorie zu entlasten: Der nach dem Kuttenverlust ohnehin angeschlagene Sergeant habe womöglich um den Rest seines Rufs gefürchtet, weil er den angeklagten „Hangaround“ damals nicht im Griff hatte. Vielleicht habe der Sergeant ja das Auto selbst angezündet, um seine Autorität wiederherzustellen. Für den unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen laufenden Prozess hat das Gericht drei weitere Termine angesetzt.

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