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Täter gestehen vor Gericht

Brandstiftung Feldstraße Täter gestehen vor Gericht

Im Prozess um die verheerende Brandstiftung in einem Döner-Imbiss im Juni 2015, die ein Mehrfamilienhaus an der Feldstraße 85 bis heute unbewohnbar machte, haben zwei der drei Angeklagten am Dienstag im Kieler Landgericht umfassende Geständnisse abgelegt.

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Nach der Brandstiftung in der Feldstraße in Kiel haben die mutmaßlichen Täter am Dienstag vor Gericht gestanden.

Quelle: Sven Janssen/ Archiv

Kiel. Sie hätten in der Gaststätte ihres mitangeklagten Arbeitgebers fünf Liter Benzin ausgegossen und angezündet, räumten die 20- und 23-Jährigen ein.

Gleichzeitig belasteten die aus dem Irak und Iran stammenden Angeklagten ihren ehemaligen Chef (42) als Auftraggeber. Vor Gericht schweigt der in U-Haft sitzende Imbissbetreiber zu den Vorwürfen. Er habe sie immer wieder zur Tat gedrängt, 3000 Euro als Belohnung versprochen und ihnen detaillierte Anweisungen für die Nacht zum 29. Juni gegeben, sagte einer der Ex-Mitarbeiter.

„Nur die Geräte sollen brennen“, habe ihr Chef erklärt und versichert, das „kleine Feuer“ würde die Bewohner des Hauses bestimmt nicht gefährden. Doch die gewaltige Explosion, die von den mittellosen Küchenhelfern drei Stunden nach dem Kieler-Woche-Feuerwerk gezündet wurde, trieb die Flammen blitzartig vom Erdgeschoss durch das ganze Haus bis hinauf in den Dachstuhl.

„Ich habe am Rädchen vom Feuerzeug gedreht, sah die ersten Funken“, erzählt der 23-Jährige. „Da schoss schon mit lautem Knall eine Feuerwolke auf mich zu.“ Er sei geschockt gewesen, sagt der Angeklagte. Nie hätte er gedacht, „dass das bisschen Benzin so ein Feuer verursacht“. Eigentlich habe er danach sofort die Feuerwehr alarmieren wollen – wenn die Flammen ihm nicht beide Hände und das halbe Gesicht verbrannt hätten…

Täter wollten eigene Wunden kühlen

Sein jüngerer Komplize (20) zog ihn vom Eingang aus dem Inferno ins Freie. In einer Seitenstraße wartete ein Bekannter, der von den Plänen nichts geahnt haben soll, im Fluchtfahrzeug. Unterwegs machten sich offenbar die schmerzenden Brandverletzungen bemerkbar. Vergebens versuchten die Täter, ihre Wunden an einem Teich im Stadtteil Mettenhof zu kühlen.

Die Brandstifter ließen sich ins Städtische Krankenhaus bringen. Dort hatten die Ärzte bereits vom Großfeuer gehört, verlegten die einzigen Verletzten umgehend in eine Lübecker Spezialklinik. Schnell standen sie als mögliche Täter unter Verdacht. Nach anfänglichem Leugnen räumten sie die Aktion gegenüber der Polizei ein.

Gestern zeigten sich beide Brandstifter reumütig. „Ich will mich entschuldigen“, beteuerte der 23-Jährige. Es tue ihm total leid, dass das Haus abgebrannt sei. Die Folgen seien jedoch „nicht vorhersehbar“ gewesen. Er äußerte den Verdacht, es müssten noch andere brennbare Substanzen im Spiel gewesen, für die er nichts könne.

"Muffiger, fauler Geruch"

So habe sein Chef bei der Tatplanung angekündigt, „das Gas aufzudrehen, damit der Laden richtig brennt“. Das habe er zwar nach energischem Protest zurückgenommen, so der 23-Jährige. Doch als sie mit dem Schlüssel des Inhabers die Tür zum Imbiss geöffnet hätten, sei ihnen ein ungewöhnlich muffiger, fauliger Geruch aufgefallen.

Jetzt fragt sich der 23-Jährige, ob sein Chef „doch Gas ausströmen ließ, um uns aus dem Weg zu räumen und zum Schweigen zu bringen“. Tatsächlich wurde in den ausgebrannten Räumlichkeiten eine 11-Kilo-Propangasflasche sichergestellt, sagt sein Strafverteidiger Philipp Marquort. „Die Flasche war leer, das Ventil offen.“

Der mutmaßliche Drahtzieher der Brandstiftung reagierte mit Kopfschütteln oder demonstrativem Nicken auf die belastenden Aussagen seiner Ex-Praktikanten. Der verschuldete Familienvater hörte aufmerksam zu, verdrehte gelegentlich die Augen oder tuschelte mit seinem Verteidiger. „Er hat zwei Seiten“, sagt einer seiner Handlanger, „kann von einer Minute zur anderen total freundlich oder aggressiv sein.“

Mit seiner Ehefrau habe der Gastwirt immer wieder gestritten, sei oft beim geringsten Anlass ausgerastet, weil das Geschäft ganz schlecht lief. „Der Laden soll brennen!“, habe er einmal geschrien. 31 000 Euro soll sich der Inhaber von der Versicherung erhofft haben. Bis zum heutigen Tag wollen seine Mitarbeiter keinen Cent von der versprochenen Belohnung gesehen haben.

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Brand in der Feldstraße
Foto: Bei dem Brand in der Feldstraße griff das Feuer auf den Dachstuhl über.

Bei der Fortsetzung des Prozesses um die Brandstiftung in der Feldstraße hat am Freitag der Brandsachverständige des Landeskriminalamts, Holger Herdejürgen (59), vor dem Kieler Landgericht sein Gutachten über die Hintergründe des nächtlichen Großfeuers vom 29. Juni 2015 vorgelegt.

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