23 ° / 16 ° wolkig

Navigation:
Über sieben Jahre Haft für Brandstiftung

Feldstraße Über sieben Jahre Haft für Brandstiftung

Im Prozess um die Brandstiftung in der Feldstraße in Kiel hat das Landgericht den Imbiss-Besitzer als Drahtzieher zu einer Haftstrafe von siebeneinhalb Jahren verurteilt. Ein 23 Jahre alter Mitangeklagter, der gemeinsam mit dem dritten Angeklagten das Feuer legte, muss dreieinhalb Jahre ins Gefängnis.

Voriger Artikel
Feuerwehr rettet 17-Jährigen aus Schacht
Nächster Artikel
Brand beim Kieler Schrotthandel

In der Feldstraße in Kiel wurde ein Döner-Imbiss in Brand gesetzt.

Quelle: Sven Janssen (Archiv)

Kiel. Für die Bewohner des Kieler Mehrfamilienhauses war es ein Alptraum: Mitten in der Nacht reißt sie eine Explosion im Döner-Imbiss im Erdgeschoss aus dem Schlaf, wie sie später schildern. Sekunden später rast eine Feuerwalze durch das Treppenhaus. Der Fluchtweg ist abgeschnitten. Während die Flammen meterhoch auch aus dem Dach schlagen, fliehen sie nur notdürftig bekleidet auf die Balkone. Auch dort beißender Qualm und große Hitze.

In Panik wollten einige sogar in die Tiefe springen, stellt das Kieler Landgericht am Mittwoch im Prozess um die Brandstiftung in der Nacht zum 29. Juni 2015 fest. Dass die Feuerwehr alle Menschenleben retten konnte, sei „großes Glück“, sagt der Vorsitzende Richter. Doch alle Bewohner verlieren ihre Wohnung, das Haus ist unbewohnbar. Der Schaden: über eine Million Euro, für den laut Urteil jetzt alle drei Angeklagten ein Leben lang aufkommen müssen.

Ein Brand in der Feldstraße 85 hat am Montagmorgen die Kieler Wehren in Atem gehalten. „Um 2.57 Uhr meldeten Anrufer mehrere Explosionen“, sagte Feuerwehrchef Thomas Hinz. Die Scherben der Scheiben des Imbisses im Erdgeschoss waren bis zur anderen Straßenseite geflogen. Über das Treppenhaus breitete sich das Feuer binnen weniger Minuten bis ins Dachgeschoss aus, wo die Flammen durchschlugen.

Zur Bildergalerie

Der 43-Jährige Imbiss-Besitzer muss für die besonders schwere Brandstiftung siebeneinhalb Jahre ins Gefängnis. Er wollte einen Versicherungsbetrug kaschieren, um 31 000 Euro kassieren zu können, sagt der Vorsitzende. Mit dem Auftrag: „Der Laden muss brennen“, heuert er demnach zwei junge Aushilfen an — für jeweils 1500 Euro. Der 23-jährige Täter muss deswegen nun dreieinhalb Jahre in Haft. Sein 20-jähriger Kumpan kommt mit zwei Jahren Bewährungsstrafe davon. Für ihn gilt noch Jugendstrafrecht. Er muss aber 400 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und sich den Weisungen eines Bewährungshelfers fügen.

Doch die Brandstiftung geht gründlich schief: Das Dampfgemisch des ausgeschütteten Benzins explodiert, als die jungen Männer eine Benzinspur entzünden wollen, stellt das Gericht fest. Im Nu steht das viergeschossige Gebäude in Flammen. Mit schweren Verbrennungen an Gesicht und Händen fliehen die beiden Täter, kühlen die Verletzungen zunächst in einem Teich, dann fahren sie ins Krankenhaus. Der jüngste gesteht sofort, hat dadurch einen Bonus als Kronzeuge. Er nennt den Ermittlern auch den Auftraggeber. Dessen Überführung wäre sonst schwieriger geworden, sagt der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung.

Das Gericht hat keine Zweifel, dass der 43-Jährige Imbiss-Besitzer Drahtzieher und Auftraggeber der schweren Brandstiftung ist. Dass er im Prozess „seinen Tatbeitrag bis zur Schuldlosigkeit klein redet“, nimmt ihm das Gericht nicht ab. Der 43-Jährige sei der Anstifter und habe sich noch in der Nacht vergewissert, dass die Tat auch wirklich begangen wird. Allen drei Angeklagten hält das Gericht aber zugute, dass sie nicht mit den dramatischen Folgen der Brandstiftung gerechnet hätten. Den Brandverlauf hätten sie nur fahrlässig herbeigeführt, sagt der Vorsitzende.

Im Urteil bleibt die Kammer deutlich unter dem Strafantrag der Staatsanwältin für den Imbissbesitzer. Sie hatte für ihn elf Jahre Haft gefordert. Das hielt die Kammer für deutlich zu hoch. Die Staatsanwaltschaft prüft nun Revision. Der Verteidiger des Hauptangeklagten will aber auf jeden Fall Revision einlegen, sagte er. Er will für seinen Mandanten Freispruch.

 

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
KN-online (Kieler Nachrichten)

Mehr zum Artikel
Kommentar

Das Großfeuer nach der verheerenden Explosion in der dicht bewohnten Feldstraße hatte Anfang Juli 2015 die Gemüter der Kieler bewegt. Ein fünfgeschossiges Haus stand bis unters Dach in hellen Flammen, weil ein skrupelloser Imbisspächter bei der Versicherung abkassieren wollte.

  • Kommentare
Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3