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Prozess gegen Imbissbetreiber beginnt

Brandstiftung in der Feldstraße Prozess gegen Imbissbetreiber beginnt

Mit einem gewaltigen Knall fegte in der Nacht zum 29. Juni aus dem Döner-Imbiss in der Feldstraße 85 eine Feuerwalze durchs Treppenhaus.  Laut Anklage war es Brandstiftung: Ab Donnerstag verhandelt das Kieler Landgericht gegen die drei mutmaßlichen Täter.

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Für Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei war es ein Großeinsatz, als im Juni ein Imbiss in einem Mehrfamilienhaus an der Feldstraße explodierte.

Quelle: Frank Behling

Kiel. Die beiden Männer, die das Feuer gegen 2.49 Uhr im Erdgeschoss des Mehrfamilienhauses gelegt haben sollen, erlitten bei der Verpuffung schwere Brandverletzungen. Die 20 und 23 Jahre alten Ex-Mitarbeiter des Lokals müssen sich wegen besonders schwerer Brandstiftung verantworten. Weil der jüngere Angeklagte noch ein Heranwachsender ist, verhandelt die Jugendstrafkammer.

 Als Anstifter mitangeklagt ist der Imbissbetreiber. Der mutmaßliche Drahtzieher hatte es laut Vorwurf der Staatsanwaltschaft „auf eine Versicherungsprämie für Brandschäden in erheblicher Höhe abgesehen“ und schwieg zu den Vorwürfen. Der 42-Jährige sitzt als einziger in U-Haft. Seine ehemaligen Döner-Praktikanten soll er gegen Zusage eines vierstelligen Betrags für die Ausführung angeheuert haben.

 Nach gemeinsamem Plan sollen die beiden im Erdgeschoss Benzin ausgeschüttet und mit einem Feuerzeug entzündet haben. Ein gewaltiger Knall erschütterte die Nachbarschaft. Die Fenster des Imbisses zerbarsten, Scherben und Einrichtungsgegenstände flogen bis auf die andere Straßenseite. Während die Flammen sich blitzschnell ausbreiteten, fuhren die Täter mit einem weiteren Beteiligten davon, so die Anklage. Das Feuer war für die 30 Bewohner lebensgefährlich. Doch alle Mieter in den oberen vier Stockwerken hätten sich richtig verhalten, sagte später ein Sprecher der Feuerwehr. Sie hielten ihre Wohnungstüren geschlossen, unternahmen keine Fluchtversuche über das Treppenhaus und warteten auf den rückwärtigen Balkonen auf Hilfe.

 Von dort holten Feuerwehrmänner die Bewohner nach und nach über Steckleitern nach unten. Auch zwei Hunde wurden so gerettet. Wegen der Enge des Hinterhofs sei der Einsatz einer Drehleiter nicht möglich gewesen, hieß es. Die Bewohner wurden teilweise barfuß und im Schlafanzug geborgen, ließen ihr gesamtes Hab und Gut in dem brennenden Haus zurück. Eine Bewohnerin erlitt eine leichte Rauchgasvergiftung. Der Sachschaden konnte noch nicht beziffert werden.

 Das Gebäude blieb zunächst unbewohnbar. Die Stadt organisierte Notunterkünfte, teilweise in Hotels. Ein Statiker empfahl den Abbau des einsturzgefährdeten Giebels. Während der Arbeiten blieb die Feldstraße zwischen Esmarchstraße und Düppelstraße zeitweise gesperrt.

 Als Brandursache schloss die Polizei zunächst einen Unfall oder Fahrlässigkeit nicht aus, etwa durch Entzünden von heißem Fett. Möglich sei, dass der Inhaber vor Verlassen des Lokals die Fritteuse nicht abgestellt habe, hieß es. Auch die Möglichkeit eines gezielten Anschlags gegen den Döner-Imbiss zogen die Ermittler in Betracht.

 Zwei Tage später stand für die Polizei aber Brandstiftung als Ursache fest. Nach ihrer Festnahme legten die beiden jüngeren Angeklagten umfangreiche Geständnisse ab. Für den Prozess hat die Jugendstrafkammer bis Ende Februar elf Verhandlungstage angesetzt.

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