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Ohne Worte: Reizen, bieten und trumpfen

Bridge in Kiel Ohne Worte: Reizen, bieten und trumpfen

Sie agieren aus allen Himmelsrichtungen, mögen es am liebsten wortlos, reizen, bieten und trumpfen dann auf: Bridgespieler. In Kiel gibt es seit 25 Jahren den Bridgeclub 90, der sich zweimal in der Woche im Legienhof trifft. Schlechte Karten haben nur wenige.

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Marie-Luise Waack ist Vorsitzende des Bridgeclubs 90, der sich mittwochs und freitags im Legienhof trifft.

Quelle: Karina Dreyer

Kiel. Und zwar die mit Logik, Konzentration und Mathe so gar nichts am Hut haben. Einer Legende zufolge erfanden britische Soldaten Bridge während des Krimkriegs, eine andere besagt, dass das Spiel um 1860 in Istanbul aufkam. Sicher ist: „Bridge hat sich aus dem Whistspiel entwickelt und ab dem 19. Jahrhundert um den ganzen Erdball verbreitet“, so Marie-Luise Waack. Seit 30 Jahren spielt die 70-Jährige Bridge und ist seit drei Jahren Vorsitzende des Vereins. 30 bis 40 Spieler, überwiegend Frauen und im Alter von 65 plus, treffen sich mittwochs und freitags im Legienhof. Weil sie aber nicht genug vom Bridge und dem „Kribbeln, das dabei durch meinen Körper geht“, hat, ist sie auch noch montags beim Bridgeclub Kiel 1 im Kanuclub, geht auf Bridgereisen und spielt es online.

Ähnlich geht es Maria Mogharei. Vor 32 Jahren hat sie in einem Hotel „sehr schicke Herrschaften“ beim Kartenspiel beobachtet und fand das irgendwie so schön, dass sie das auch machen wollte, erinnert die 80-Jährige. Sie erkundigte sich, was die illustre Runde da spielte und nahm sich zuhause eine Bridge-Lehrerin, um das Spiel zu erlernen und fand eine kleine Runde Anfänger. Denn einfach mal so mitmachen, das funktioniert bei diesen Karten nicht. „Bevor man mitspielt, muss man einen Kursus bei der VHS oder einem Bridge-Lehrer machen“, erklärt sie. Irgendwann reichte Mogharei die kleine, private Gruppe aber nicht mehr. „Das befriedigt nicht, da lernt man nichts mehr dazu, und es gibt auch keine Herausforderung“, beschreibt sie.

Denn es gehört dazu mehr als nur die schnöden Regeln zu kennen: „Es braucht vor allem viel Konzentration, Kombinationsgabe und Denkfähigkeit“, weiß Marie-Luise Waack. Denn man muss stets die Verteilung der 52 Karten bei den anderen Mitspielern im Auge behalten werden und das alle sieben Minuten aufs Neue, denn so lange dauert ein Spiel. Auch sei ein Hang zu Zahlen, Statistiken und Wahrscheinlichkeit von Vorteil, „deswegen wird es ja auch von so vielen Mathematikern so gerne gespielt!“, betont sie. Europaweit haben sich rund 400000 Bridespieler in Clubs vereint, in Deutschland sind es an die 28000 in 14 Regionalverbänden des Deutschen Bridge-Verbandes.

Und da es ein großes Regelwerk gibt, braucht es bei den Turnieren auch eine Leitung, die bei Regelwidrigkeiten einschreitet und vermittelt. Bei dem Bridgeclub 90 hat Ingrid Winckler die Aufgabe übernommen. Die 72-Jährige spielt seit mehr als 30 Jahren. „Da geht es meist darum, dass eine Farbe nicht bedient wurde oder die Ergebnisse falsch in den Computer eingegeben wurden“, beschreibt sie. Denn jede Runde wird notiert und ausgewertet, damit der Spieler mit den meisten Masterpunkten ermittelt werden kann. „Natürlich macht das Spielen mit anderen Spaß, aber man will ja auch gewinnen“, gesteht Marie Luise-Waack.

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