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Kiel braucht Wende in der Wohnungspolitik

Bündnis fordert: Kiel braucht Wende in der Wohnungspolitik

Die Stadt Kiel hat 2015 und 2016 den Bau von insgesamt 1860 Wohneinheiten genehmigt. Im laufenden Jahr sind es bisher 460. Das Bündnis für bezahlbaren Wohnraum kritisiert, dass darunter zu wenige Wohnungen sind, die sich auch Menschen mit einem geringen oder mittleren Einkommen leisten können.

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Andreas Meyer (70, links), Andrea Dallek (41) und Jan Dreckmann (49) vom Bündnis für bezahlbaren Wohnraum fordern eine dauerhafte Wende in der Wohnungspolitik durch eine stadteigene Wohnungsbaugesellschaft.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Denn bisher geht es bei den Baugenehmigungen nur zu einem kleineren Teil um geförderten Wohnungsbau - also um Wohnraum, der auf untere Einkommensgruppen zugeschnitten ist. 2015 sind nach einer Tabelle der Stadt acht geförderte Reihenhäuser und 400 geförderte Wohnungen entstanden. Davon sind 279 Sozialwohnungen, also für Menschen mit Wohnberechtigungsschein reserviert. Weitere 224 geförderte Wohnungen sind in Bau, 118 davon sind Sozialwohnungen.

Bis es eine spürbare Entlastung bei bezahlbaren Wohnungen gibt, wird es noch Jahre dauern. Gut 4000 Wohneinheiten sind zurzeit im geförderten Wohnungsbau in Planung, davon sind mindestens 1300 Sozialwohnungen. Realisiert werden können sie aber allenfalls im kommenden Jahrzehnt.

Für das Bündnis für bezahlbaren Wohnraum kommt das alles zu spät und wird bei Weitem nicht reichen. Laut Sozialbericht sind bis 2025 mindestens 8000 neue Wohneinheiten notwendig. Denn nicht nur die Bevölkerung wird stärker als erwartet steigen, sondern auch die Zahl der Haushalte. Gleichzeitig fallen jedes Jahr weitere Sozialwohnungen aus der Bindung heraus.

„Der Bau von Luxuswohnungen hat vor allem in der Innenstadt eine Verdrängungsspirale in Gang gesetzt, die die Ghettoisierung von Stadtteilen wie Gaarden und Mettenhof vorantreibt. Genau das, was die Stadt nach eigener Aussage vermeiden will“, kritisiert Andrea Dallek vom Bündnis. In ihm haben sich 2016 fünfzehn Organisationen – von Asta über Grüne, Linke und Piraten bis DGB Nord und Verdi – zusammengeschlossen, um Druck zu machen. Zunächst in Kiel, bald aber auch in anderen Städten des Landes. „Wir verstehen uns als Sprachrohr derjenigen, die derzeit auf dem Wohnungsmarkt hinten herunterfallen. Und das trifft immer mehr Menschen in dieser Stadt“, sagt Jan Dreckmann vom Paritätischen.

Das Bündnis begrüßt, dass die Stadt jetzt selbst Sozialwohnungen baut. „Das ersetzt aber nicht eine stadteigene Wohnungsbaugesellschaft. Die darf nicht länger aufgeschoben werden“, fordert Andreas Meyer von Attac.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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