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Familientreffen von Enthusiasten

Bumerang-WM Familientreffen von Enthusiasten

Im wörtlichen Sinne hoch her geht es ab Sonnabend auf dem Nordmarksportfeld in Kiel. Die internationale Werfer-Elite kämpft dort bei der Bumerang-WM bis zum 31. Juli um insgesamt 17 Titel in Einzel- oder Mannschaftsdisziplinen. Zuschauer können die Wettkämpfe bei freiem Eintritt verfolgen.

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Kaum wirft er ihn weg, kommt er wieder zurück. Dieser Faszination erliegt Fridolin Frost schon seit vielen Jahren. Nun kämpft Deutschlands bester Bumerang-Werfer um neue Weltmeistertitel. Elf davon hat der Schleswig-Holsteiner schon errungen.

Quelle: Lukas Schulze

Kiel. Auch ein Schleswig-Holsteiner darf sich Hoffnungen auf WM-Titel machen: der in Bad Schwartau geborene Fridolin Frost.

 Der Wurf eines Grasbüschels ist für ihn obligatorisch, um die Windrichtung zu prüfen. Erst danach holt Fridolin Frost richtig aus. Elegant surrt sein Bumerang über die Wiese. Sekunden später fängt der elffache Bumerang-Weltmeister in Mannschafts- und Einzelwettbewerben sein Wurfgerät locker wieder mit der rechten Hand. „Man kann sich dieser Faszination nur schwer entziehen“, erzählt der 44-Jährige, als er sich bei einem Turnier in Dargow am Schaalsee auf die Bumerang-WM in Kiel vorbereitete: „Du wirfst etwas weg, und es kommt wieder zurück.“

 Zu den Titelkämpfen der Weltbesten, die nach 14-jähriger Pause wieder einmal in der Landeshauptstadt stattfinden, kommen etwa 150 Sportler aus aller Welt nach Kiel – sogar aus Brasilien, Australien oder Japan. Die Söhne Nippons sind gleichzeitig auch Titelverteidiger bei den Mannschaftswettbewerben. Die deutschen Spitzenwerfer, von denen einige ebenfalls schon zu Weltmeisterehren kamen, wollen sich diese Titel auf heimischem Grund aber möglichst wieder zurückholen.

 Neben den Deutschen gelten vor allem die Amerikaner als Favoriten. Zu den Teilnehmern mit der weitesten Anreise zählt der Australier Roger Perry aus Perth. Der 61-Jährige lebt vom Verkauf seiner Bumerangs, in Kiel trainiert er das australische Team.

 Das Nordmarksportfeld gilt nach Einschätzung der Veranstalter als nahezu ideales Bumerang-Gelände. Es ist groß genug, schön flach und weise keine großen Bäume oder Gebäude in der Nähe der Abwurfkreise auf. Gelegentlich könne dort der Wind zwar auch mal kräftiger ausfallen, wehe dafür aber meist beständig und wechsele nicht so oft die Richtung.

 Ansonsten sind die Ansprüche der Weltbesten ihrer Sportart eher gering: „Für die Weltmeister gibt es einen Pokal, eine Urkunde. Das wär’s dann schon“, erklärt Mitveranstalter und Präsident des Deutschen Bumerangclubs, Eckhard Mawick. Eher bescheiden sind auch Unterkunft und Verpflegung in der Kieler Jugendherberge, wo etwa 190 Schlafplätze für die internationalen Gäste reserviert sind.

 Die Weltmeisterschaft müsse man sich wie ein riesiges Familientreffen von Enthusiasten dieser Sportart vorstellen. Mawick: „Bumerang-Werfer sind eine Versammlung sympathischer Spinner.“ In Deutschland sind mehr als 250 von ihnen organisiert, „vom Tischler bis zum Professor für Physik“. Knapp 100 davon betreiben den Bumerang-Wurf richtig sportlich. Der Spaß stehe aber im Vordergrund, denn Geld gebe es ohnehin nicht zu verdienen. „Das ist ja das Tolle, dass es um nix außer der Ehre geht“, ergänzt Mawick.

 Umso anspruchsvoller sind die Cracks hingegen bei ihren Sportgeräten, die sie fast alle selber in Handarbeit herstellen. Bis zu 40 Modelle bringen die Wurf-Sportler zu den Wettkämpfen mit, die meisten davon aus Kunststoff. „Wenn du gut bist, konstruierst du einen Bumerang, der perfekt zu deinem Wurf passt“, erklärt Fridolin Frost, der seit fast 30 Jahren diesen Sport betreibt, heute in Bremen lebt und Geschäftsführer eines Lebensmittelunternehmens ist.

 Als Königsdisziplin dieses Wurfsports gilt die so genannte „Australische Runde“. Dabei fliegt der Bumerang im Idealfall bis zu 50 Meter weit und wird möglichst an gleicher Abwurfstelle im innersten Kreis des Wurffeldes wieder gefangen, dem „Bull’s-Eye“ (Bullenauge). Aber es gibt auch artistische Disziplinen wie dem Trickwurf, bei dem der zurückfliegende Bumerang nicht mit den Händen aufgefangen werden darf – sondern nur mit den Füßen.

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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