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Deutlich mehr Flüchtlinge kommen nach Kiel

Bundespolizei Deutlich mehr Flüchtlinge kommen nach Kiel

Immer mehr Flüchtlinge kommen mit Zügen in Kiel an: Beamte der Bundespolizei haben seit Montag vergangener Woche 169 Menschen im Hauptbahnhof aufgegriffen. Allein am Dienstag waren es zehn Asylsuchende, die im Regionalexpress aus Hamburg saßen.

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Am Hauptbahnhof in Kiel kommen immer mehr illegale Flüchtlinge an.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer (Archiv)

Kiel. Die hohe Zahl der Migranten stellt die Bundespolizei vor eine große Herausforderung. Hamburg scheint Drehscheibe und Nadelöhr für Asylsuchende zu sein. Hinter jedem Flüchtling steckt eine Schleuserorganisation, die mit der Not der Menschen viel Geld macht.

Die Bundespolizeiinspektion Kiel, die für den Osten des Bundeslandes zuständig ist, registriert in ihrem Bereich insgesamt eine deutliche Zunahme an Aufgriffen. „2014 haben wir auf der Vogelfluglinie und in Kiel 1450 Menschen gezählt. Bis Ende Juli dieses Jahres waren es schon 900“, sagte Behördensprecher Gerhard Stelke.

Die seit der vergangenen Woche in Kiel angetroffenen Asylsuchenden saßen in dem Zug aus Hamburg, der täglich nachts um drei Uhr im Kieler Bahnhof einläuft. Diese 169 Flüchtlinge kamen aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, dem Irak, Iran, Somalia und anderen Staaten aus Nordafrika. Die zehn Menschen, die die Bundespolizisten gestern aufgegriffen haben, stammen alle aus Syrien. „Es handelte sich um Erwachsene, Jugendliche und Kinder“, sagte Stelke. Die Mehrzahl der Personen wurde in die Erstaufnahmeeinrichtung nach Neumünster gebracht. Da einige bereits bei der Einreise nach Deutschland in Bayern registriert worden waren, schickten die Bundespolizisten sie dorthin zurück.

Meist stehen die Beamten auf dem Bahnsteig und kontrollieren die Reisenden. Einige Menschen klingeln aber auch an Tür der Dienststelle und bitten um Hilfe. Warum in kurzer Zeit so viele Menschen aus vom Krieg erschütterten Ländern in die Landeshauptstadt gekommen sind, erklärt die Bundespolizei unter anderem so: „Denkbar ist, dass die Schleuser registriert haben, dass in den großen Zügen viel kontrolliert wird. Aus diesem Grund schicken sie die Flüchtlinge jetzt auf Nebenstrecken auf die Reise“, sagte Stelke.

Die hohe Zahl an Migranten sorgt für logistische Herausforderungen. Um die Personalien aufnehmen zu können, müssen möglichst schnell Dolmetscher zur Dienststelle kommen. „Da haben wir eine Liste von vereidigten Personen, die auch nachts abrufbereit sind“, erklärte der Pressesprecher. Zusätzliches Personal werde im Bedarfsfall aus der Bundespolizeidirektion in Bad Bramstedt angefordert und sei schnell zur Stelle, um die Migranten zu vernehmen. „Wir erfragen die Personalien, versuchen aber auch, Informationen über Reisewege und die Schleuser zu bekommen“, erklärte Stelke. Allerdings seien die Räume der Bundespolizei im Kieler Hauptbahnhof nicht auf derart viele Menschen ausgelegt, so dass die Vernehmungen oft lange dauerten.

Die kriminellen Menschenschieber versuchen, die Flüchtlinge für viel Geld über den Landweg oder die Vogelfluglinie nach Dänemark zu bringen. Die Asylsuchenden versuchen von dort aus, sich in andere Länder in Skandinavien durchzuschlagen. „Dort sind die Einwanderungsgesetze liberaler und die Aufnahmebedingungen einfacher“, so Stelke. Hamburg ist Drehscheibe, weil hier die meisten Züge aus dem Süden der Republik ankommen und Richtung Skandinavien abfahren. Oftmals werden die Flüchtlinge in der Hansestadt „zwischengeparkt“ und dann schnell in einen Zug gesetzt.

Viele Asylsuchende, die eigentlich nach Skandinavien wollen, entscheiden sich zudem, hier zu bleiben, nachdem sie sich über die Lebensbedingungen in Deutschland informiert haben. Allerdings platzen derzeit in ganz Schleswig-Holstein die Erstaufnahmeeinrichtungen aus allen Nähten.

Auch in Flensburg kommen Flüchtlinge an

Bei der Ankunft des Zuges aus Hamburg hat die Bundespolizei am Dienstagmorgen 44 Flüchtlinge in Flensburg festgestellt. Da sie sich nur zum Teil ausweisen konnten oder ein erforderlicher Titel für den Aufenthalt im Bundesgebiet nicht vorhanden war, wurden alle Personen mit einem Bus zur Dienststelle verbracht. Nach ersten Ermittlungen der Bundespolizei handelt es sich um 34 Erwachsene, zwei Jugendliche und acht Kinder aus Afghanistan, Eritrea, Somalia und dem Irak.

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Ein Artikel von
Günter Schellhase
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