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Dauerstörung in Friedrichsort

Buslinie 30S Dauerstörung in Friedrichsort

„Sei vorsichtig, was du dir wünscht – es könnte in Erfüllung gehen“: Was dieses Sprichwort bedeutet, weiß der Ortsbeirat Pries/Friedrichsort spätestens seit dem Fahrplanwechsel der Kieler Verkehrsgesellschaft am vergangenen Sonntag. Die neue Busverbindung ist ebenso schnell wie fehlerhaft.

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„Wie eine Operation am offenen Herzen“, sagen IGF-Schulleiter Klaus Weigel und Stellvertreterin Imke Freudenthal über die Sanierung der vier Schultürme. Sollte noch eine Kita auf dem Gelände des benachbarten Bolzplatzes gebaut werden, befürchten auch sie zusätzliches Verkehrschaos rund um die Gemeinschaftsschule.

Quelle: Frank Peter

Pries/Friedrichsort. Seinen Wunsch nach einer schnelleren Busverbindung aus den nördlichen Stadtteilen ins Zentrum hat der Eigenbetrieb Beteiligungen der Landeshauptstadt (EBK) mit der neuen Linie 30 S prompt erfüllt. Die Streckenführung jedoch bezeichnete Ortsbeiratsvorsitzender Hans-Meinert Redlin (SPD) in der Sitzung am Mittwoch als „Schock“ und appellierte eindringlich an Wiebke Bonow vom EBK nachzubessern.

Erst Schilksee, jetzt auch noch Friedrichsort: Was eigentlich besser werden sollte, bringt die Fahrgäste der Stadtteile nördlich des Kanals auf die Barrikaden (wir berichteten). Sie wollen zwar den Schnellbus, aber sie wollen für die gesparten Minuten keine Haltestellen opfern. In Pries hält die neue Linie 30 S künftig nicht mehr an der Haltestelle im Zentrum – für viele Bürger eine Zumutung. „Wir hatten uns vorgestellt, dass der Bus die Leute nördlich des Kanals einsammelt und sie dann möglichst schnell in die Stadt bringt“, erinnerte Redlin an die Ausgangssituation. „Wir wären aber nie auf die Idee gekommen, dass dafür unsere Haltestellen gestrichen werden.“ Auch die Tatsache, dass die stark frequentierte Haltestelle Zentrum Pries nicht mehr angesteuert wird, dafür aber die „fast immer menschenleere“ Haltestelle Dreikronen, erzürnte den Ortsbeirat und die Bürger.

Änderung frühestens im Dezember

Besonders verärgert zeigte sich Erdmute Ziemann (SPD). Sie war es, die den Antrag ursprünglich eingebracht hatte. Nun müssen ihre drei Kinder sehen, wie sie zur Gelehrtenschule in der Feldstraße kommen. Der Schnellbus hält dort nicht mehr. „Die Wege sind jetzt für viele länger und umständlicher. Das war nicht unser Ansatz“, kritisierte sie die neue Streckenführung.

Wiebke Bonow vom Eigenbetrieb Beteiligungen war erstaunt über die massive Kritik, hatte es doch im Vorfeld zahlreiche Gespräche und Workshops mit Bürgerbeteiligung gegeben. „Der Anstoß kam von hier, wir haben lange gemeinsam überlegt“, erinnerte sie den Ortsbeirat. Dies sei nur ein „erster Schritt“ zu einer Gesamtoptimierung des Busverkehrs nördlich des Kanals. Nichts sei in Stein gemeißelt. Dem Vorschlag Redlins, die Kreuzung Pries zu einer „Bedarfshaltestelle“ umzuwandeln, an der die Busfahrer nur halten, wenn dort jemand steht, erteilte sie eine Absage. „Wir können nicht einfach den Fahrplan aushebeln.“ Eine Änderung ist frühestens zum Fahrplanwechsel im Dezember möglich.

Einen neuen Brennpunkt in Sachen Verkehr befürchten Anwohner außerdem durch den geplanten Neubau einer Kindertagesstätte am Steenbarg, direkt hinter der Gemeinschaftsschule Friedrichsort, der früheren Integrierten Gesamtschule (IFG). Da die Räumlichkeiten der Kita Buschblick marode sind, sucht die Stadt einen neuen Standort. Am Steenbarg müssten dafür Teile des Parkplatzes an der Schule sowie des dahinter liegenden Bolzplatzes weichen. Die Bauaufsicht prüfe derzeit mögliche Standorte, sagte Gabriele Wiesmann-Liese vom Amt für Immobilienwirtschaft. „Es gibt einen enormen Handlungsdruck“, betonte sie. Nicht nur wegen des zunehmenden Verfalls der Kita Buschblick, sondern auch wegen kommunaler Fördergelder in Höhe von einer Million Euro, die bis Mitte 2017 gebunden werden müssen. „Die gehen uns verloren, wenn wir noch länger warten“, sagte auch Marion Muerköster, Leiterin des städtischen Jugendamtes.

Die Anwohner konnte sie damit nicht überzeugen. Es gebe bereits jetzt rund um die Schule ein Verkehrschaos. „Wie soll das erst werden, wenn auch noch eine Kita dazu kommt, gleichzeitig viele der 95 Stellplätze wegfallen und die IGF saniert wird?“ Da konnte IGF-Schulleiter Klaus Weigel nur zustimmen. „Es wäre auch für die Schule eine zusätzliche Störung.“ Die auf vier Jahre angelegte Sanierung der Schule sei ohnehin „wie eine Operation am offenen Herzen“, da der Betrieb weiter laufen müsse.

Eine einfache Lösung gebe es nicht, bilanzierte auch der Ortsbeirat. Er spielte den Ball weiter an den Bauausschuss, der nun gebeten wird, die planungsrechtlichen Voraussetzungen für eine Bebauung des Bolzplatzes unter Berücksichtigung der verkehrstechnischen Probleme zu schaffen.

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Ein Artikel von
Carola Jeschke
Lokalredaktion Kiel/SH

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