23 ° / 15 ° Regenschauer

Navigation:
Zocken im Dienst der Forschung

CAU erforscht Glücksspiel Zocken im Dienst der Forschung

Für ein ungewöhnliches Forschungsprojekt suchen Kieler Professoren Glücksspieler. Neben den Spielern nehmen auch Banker und Parkinson-Patienten an der Studie teil. Es wäre ein erster wichtiger Schritt hin zu neuen Therapien.

Voriger Artikel
Kämpfer: "Wir sind der Favorit"
Nächster Artikel
„Sealander“ startet Probetörns

Prof. Ulrich Schmidt vom Institut für Weltwirtschaft untersucht mit Kollegen Glücksspieler, Banker und Parkinson-Patienten. Ziel ist es, die Nebenwirkungen der Therapie bei Schüttellähmung – zum Beispiel Spielsucht – in den Griff zu bekommen.

Kiel. Das Projekt fördert die Leibniz-Gemeinschaft, wie berichtet, mit etwa 630000 Euro. Dass Glücksspieler riskant leben, da sie etwa am Roulette-Tisch Haus und Hof verspielen können, liegt auf der Hand. Für Banker, die zum Teil im Minutentakt mit Millionen von Euro jonglieren, gehört es zum Beruf, riskante Entscheidungen für Kunden zu treffen.

 Aber was ist mit Parkinson-Patienten? Die Schüttellähmung, an der etwa zwei Prozent aller über 65-Jährigen in Deutschland leiden, ist vor allem durch die Regulierung des angeblichen Glückshormons Dopamin ganz gut in den Griff zu bekommen, erklärt Neurowissenschaftler Prof. Thilo van Eimeren. Doch bei etwa jedem Fünften zeigt sich eine Nebenwirkung, die Mediziner vor ein Rätsel stellt und Angehörige schockiert. Die Patienten entwickeln ein für sie unbekanntes Suchtverhalten: Sie geben Unsummen beim Einkaufen aus, verlieren ihr Vermögen beim Glücksspiel oder suchen ständig neue Sexpartner. Warum erweist sich diese Patientengruppe als besonders anfällig? Gibt es ähnliche Muster und Mechanismen bei ihnen und dem Suchtverhalten der Allgemeinbevölkerung? Und warum führt häufiges Verlieren bei Süchtigen nicht zum Umdenken?

 Es sind Fragen wie diese, auf die sich der nach Köln gewechselte Hirnforscher van Eimeren, Prof. Ulrich Schmidt vom Institut für Weltwirtschaft und der Psychologe Prof. Christian Kaernbach Antworten erhoffen. Die Probanden werden um richtiges Geld spielen, um die Situation so realistisch wie möglich zu gestalten. Doktorand Patrick Ring ließ in Vortests Studierende Karten spielen, während bei ihnen Hautleitwerte und elektrische Hirnströme gemessen wurden. „Dabei haben wir ihnen signalisiert, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, die Wette zu verlieren“, erläutert er. Während die Studienteilnehmer abwägen zwischen der Chance zu gewinnen und der Gefahr zu verlieren, reagiert der Körper: Die Hände werden feucht, der Puls steigt.

 Die Messungen, die synchron ablaufen, bedeuteten viel Arbeit, begründet Schmidt, warum die Vorbereitungen für das Anfang 2014 gestartete Projekt sich so lange hinzogen – zumal auch noch die Ethik-Kommission das Vorhaben mit Blick auf Spielsüchtige genehmigen musste. Es sei ihnen schon bewusst, dass das Spiel um Geld den einen oder anderen motiviere, an der Studie teilzunehmen.

 Doch die Summen seien moderat, so Schmidt: Sicher sind den Probanden für den etwa viereinhalbstündigen Aufwand inklusive Messungen und der Beantwortung von Fragebögen 45 Euro. Durch ihr Spielverhalten und Einsatz können sie jedoch eine Summe von bis zu 90 Euro gewinnen. Ende des Jahres, so hofft Ring, habe man die anonym erhobene Datenmenge zusammen, um sie auswerten zu können.

  Interessierte Glücksspieler melden sich bitte unter Tel. 0157-31703512 oder per E-Mail an milda.aleknonyte@gmail.com

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Kieler Förde

Schiffspositionen in
der Kieler Förde, dem
NOK und der Ostsee.

Anzeige