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Ärger um rechte Vorträge in Kiel

CDU / OMV Ärger um rechte Vorträge in Kiel

Bei der CDU in Kiel schrillten am Freitag die Alarmglocken: Nach in Medien laut gewordenen Vorwürfen soll die Ost- und Mitteldeutsche Vereinigung (OMV) regelmäßig Referenten nach Kiel eingeladen haben, die der rechtsextremen Szene nahe stehen.

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Die OMV hat nach Anraten von Thomas Stritzl die Veranstaltung mit Manfred Backerra abgesagt.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer (Archiv)

Kiel. Ein für Freitag geplanter Auftritt des Oberst a. D. Manfred Backerra zum Thema „Armenienmord – Rufmord am Deutschen Reich“ wurde abgesagt. Die Ost- und Mitteldeutsche Vereinigung, die die Interessen Vertriebener vertritt, ist unter dem Dach der CDU eine eigenständige Gruppe mit gewählten Gremien und eigenständigen Strukturen. Die CDU Kiel habe daher gegenüber der OMV kein Direktivrecht, erklärte der CDU-Kreisvorsitzende Thomas Stritzl: Die Einladung zum Vortrag „erfolgte weder auf Initiative noch im Namen des CDU-Kreisverbandes Kiel, sondern ausschließlich im Namen der OMV.“ Man müsse jetzt erst den Sachverhalt transparent und vollständig aufklären, appellierte er eindringlich an die OMV auf Landes- wie Kreisebene, den Vortragsabend abzusagen: Die CDU werde rechtsextremen Gedankengut keine Bühne bieten.

Freitagnachmittag kam die Vereinigung Stritzls Rat nach und setzte die Veranstaltung ab. Dietrich Huckriede, Vorsitzender der Kieler OMV, konnte die Vorwürfe nicht nachvollziehen, versprach aber eine intensive Aufklärung: „Wir überprüfen die Referenten vorher, ob sie sauber sind.“ Der 75-jährige, ehemalige Berufsmarinesoldat nennt Backerra (79) „einen aufrechten Demokraten“, der lange an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg doziert habe. In Blogs von antifaschistischen Bündnissen wird jedoch kolportiert, dass das Vorstandsmitglied der umstrittenen rechten „Staats- und Wirtschaftspolitischen Gesellschaft“ wegen verharmlosender Äußerungen zu Nazi-Verbrechen von der Führungsakademie Hausverbot erhalten haben soll. „Wir müssen überprüfen, ob wir tatsächlich etwas falsch gemacht haben“, versichert Huckriede.

Kaum wurde der Verdacht bekannt, distanzierte sich nicht nur die Kreispartei, sondern auch die Junge Union, die Jugendorganisation der CDU, von der Einladung. Die Vorwürfe seien ernstzunehmen, erklärte der JU-Kreisvorsitzende Henning Welp und fordert ebenfalls Aufklärung: „Die JU als Partner der Kieler CDU wird sich auf gar keinen Fall in eine rechtsextreme Ecke drängen lassen.“

Bereits 2008 hatte ein ähnlich gelagerter Fall einen Eklat in der CDU ausgelöst: Der damalige Kieler Regionalleiter der „Staats- und Wirtschaftspolitischen Gesellschaft“ und CDU-Ratsherr Stephan Ehmke hatte den russischen, als ultrarechts geltenden Historiker und Regierungsberater Wjatscheslaw Daschitschew als Referenten eingeladen. Die Veranstaltung wurde ebenfalls abgesagt.

Der NDR hatte mit Hinweis auf Recherchen von „Panorama 3“ zuerst über den Vorfall bei der OMV berichtet.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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