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Das Statt-Auto einfach stehen lassen

Carsharing-Projekt Das Statt-Auto einfach stehen lassen

Ins nächstbeste Auto einsteigen und es dort abstellen, wo es einem passt: So funktioniert „Carlos“, der neueste Spross der Kieler Statt-Auto-Genossenschaft. In einem auf drei Jahre angelegten Pilotprojekt testet das Unternehmen vorerst mit zwölf Autos, ob und wie in der Landeshauptstadt das flexible Carsharing funktioniert.

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Hinrich Kählert von Statt-Auto, Verkehrsminister Reinhard Meyer und Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (von links) mit einem der zwölf VW Up, die in der Innenstadt an jeder erlaubten Stelle abgestellt werden können.

Quelle: Martin Geist

Kiel. Nach der herkömmlichen Art des Autoteilens muss ein Fahrzeug dort wieder abgegeben werden, wo man es ausgeliehen hat. Das, so weiß Statt-Auto-Vorstand Hinrich Kählert, reicht für die wachsende Zahl der Kunden oft völlig aus, „manche hätten es aber gern noch etwas flexibler“. Wer beispielsweise mit dem Zug am Hauptbahnhof ankommt und sich ein Statt-Auto nimmt, um zu seiner Wohnung am Südfriedhof zu fahren, ist ein klassischer Kandidat für „Carlos“. Nach wenigen Minuten kann er das Auto vor seiner Haustür abstellen, wo es dann früher oder später jemand anders mitnimmt.

Zu finden und zu reservieren sind die flexiblen Flitzer zuhause am PC oder unterwegs per App. Ist eine Reservierung 30 Minuten überfällig, wird das Auto wieder freigegeben. Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, der seit 13 Jahren Carsharing betreibt, ist begeistert von diesem „unglaublich einfachen System“. Er ist überzeugt: „Das spricht noch einmal eine andere Klientel an.“

Verkehrsministerium erlässt Sonderregeln

Lob spendet der OB an Reinhard Meyer und sein Verkehrsministerium. Das war gefragt, weil das deutsche Straßenverkehrsrecht den Errungenschaften moderner Mobilität hinterherhinkt und vieles nur über Ausnahmeregelungen in geordnete Bahnen gelenkt werden kann. Im Fall von „Carlos“ geht es ums Parken. Sinn macht das Modell nur, wenn weder die Pflicht zur Parkscheibe noch ein kostenpflichtiges Ticket Begrenzungen auferlegen. „Wer das Auto abstellt, kann schließlich nicht wissen, wann es der Nächste abholt“, sagt Meyer. Das Ministerium hat deswegen erlaubt, dass die flexiblen Statt-Autos in Kiel kostenlos und zeitlich unbegrenzt abgestellt werden dürfen. Was selbstverständlich nur dort gilt, wo das Parken grundsätzlich erlaubt ist, wie OB Kämpfer ergänzt. Gibt es Einschränkungen für den Wochenmarkt, ein Zirkus-Gastspiel oder wegen Bauarbeiten, müssen sich alle Verkehrsteilnehmer daran halten. Respektiert werden müssen auch Zonen, die für Bewohner ausgewiesen sind, allerdings gibt es dort Besucherparkplätze.

Überhaupt hat sich Statt-Auto bemüht, das Angebot so einfach wie möglich zu halten. Die Preise unterscheiden sich nicht von denen fürs herkömmliche Carsharing, pro halbe Stunde kostet es einen Euro und pro Kilometer 22 Cent. Wer sich nur in „Carlos“ setzen mag, bekommt sogar die übliche Anmeldegebühr von 50 Euro erlassen.

Teilweise gibt es Einschränkungen

Praktiziert werden kann das flexible Teilen überall, wo es Statt-Auto gibt, allerdings teils mit Einschränkungen. Das Rundum-Sorglos-Paket mit kostenlosem Parken und Normaltarif gilt nur für eine ungefähr sechs Quadratkilometer große Kernzone, die sich grob im Bereich zwischen Nord- und Südfriedhof, Westring und Wall beziehungsweise Feldstraße befindet. Wer nach Schilksee, Mettenhof oder aufs Ostufer fahren will, kann das ebenfalls tun, muss aber eine Abstellgebühr von acht Euro entrichten. Die wiederum können sich Statt-Autofahrer verdienen, wenn sie einen Wagen aus den Außenbereichen wieder zurück in die City bringen. Wirklich umsonst ist übrigens auch nicht das Parken in der Kernzone, denn Statt-Auto überweist dafür eine pauschale Gebühr aufs Rathaus-Konto.

Verkehrsminister Meyer ist derweil optimistisch, dass die neue Flexibilität gut ankommt: „Ich glaube, dass das recht schnell wachsen wird.“ Spielraum dafür ist vorhanden. Die Ausnahmegenehmigung des Ministeriums gilt für 24 Autos, sodass noch zwölf hinzukommen könnten. Im Interesse des Wettbewerbs, so betonen die Verantwortlichen der Stadt Kiel, dürfte es sich dabei gern auch um andere Unternehmen handeln.

Carlos

Mehr Informationen unter www.carlos-sh.de

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